Virus Zika wird in Labor untersucht (Quelle: imago/Xinhua)
Audio: Inforadio | 02.02.2016 | Interview mit Regine Heilbronn: Dietmar Ringel

Virologin warnt Schwangere vor Reisen in betroffene Gebiete - Experten sehen derzeit keine Zika-Gefahr in der Region

Das Zika-Virus breitet sich in Mittel- und Südamerika rasant aus. Hierzulande jedoch sehen Experten derzeit noch keine Gefahr einer Epidemie. Die Virologin Regine Heilbronn von der Charité warnt aber Schwangere ausdrücklich vor einer Reise in betroffene Gebiete. Denn ein Impfstoff gebe es noch nicht.

Das derzeit vor allem in Südamerika grassierende Zika-Virus ist nach Einschätzung von Experten noch nicht in Berlin und Brandenburg angekommen. Ihres Wissens gebe es keine Zira-Fälle in der Hauptstadt, sagte die Virologin Regine Heilbronn vom Benjamin-Franklin-Campus der Berliner Charité am Dienstag dem rbb. "Es gibt aber einzelne importierte Fälle in Deutschland", sagte sie im rbb-Inforadio. Importiert bedeute, dass diejenigen die Infektion aus fernen Ländern mitgebracht haben, in denen das Zika-Virus derzeit um sich greift.

Übertragung für allem über bestimmte Mücken

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Experten wird das Virus vor allem durch bestimmte Mücken übertragen, in erster Linie durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die auch Dengue-Fieber überträgt. In Deutschland kommt diese Mückenart nicht vor. Eine weitere mögliche Überträgerin, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), gibt es nur sehr punktuell in Süddeutschland.

"Im Moment besteht noch gar keine Gefahr, weil wir momentan mückenfrei sind", sagte Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg dem rbb. "Durch die Temperaturen fliegen die Mücken noch nicht beziehungsweise entwickeln sich noch nicht." Zum jetzigen Zeitpunkt sei daher "erst einmal Entwarnung gegeben." Ob die Tigermücke in Deutschland auf dem Vormarsch ist, könne man erst im Sommer sagen. "Der Winter war zwar sehr mild, hat aber in den vergangenen Woche doch Tiefpunkte erreicht." Ob die Mücke möglicherweise eine Rückzugsmöglichkeit gefunden hat, zum Beispiel in die Kanalisation, wisse man derzeit noch nicht. "Wir können wirklich erst ab Juni/Juli sagen, ob die Mücken da noch vorkommen oder nicht."

Zwar ist die Infektion durch einen Mückenstich der mit Abstand häufigste Übertragungsweg, ausgeschlossen werden kann eine Ansteckung auf anderen Wegen, etwa über menschliches Blut und Sperma aber nicht. "Das Virus ist noch nicht lange untersucht - und bei dieser großen Epidemie ist nicht auszuschließen, dass es auch andere Übertragungswege geben kann", sagte Virologin Heilbronn.  

Noch kein Impfstoff gegen Zika-Virus entwickelt

Schutz vor den Mückenstichen sei nur bedingt möglich - durch Abwehrspray und das Tragen von dichter Kleidung, sagte Heilbronn. Einen Impfstoff gegen den Zika-Virus gebe es noch nicht. "Das liegt schlicht und einfach daran, dass die Zika-Infektion in der Regel harmlos verläuft und bislang auch nicht sehr verbreitet war." Der Virus sei daher bislang nicht auf dem Radar der Virologen gewesen. Mit der Epidemie habe sich das jetzt geändert. "Der Ruf nach Impfungen ist deshalb nun laut geworden und in der Zukunft wird mit Sicherheit ein Impfstoff entwickelt werden."

Heilbronn riet dazu, unmittelbar vor geplanten Reisen in möglicherweise von der Epidemie betroffene Gebiete die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu beachten. "Die Warnungen für Schwangere und Frauen, die gerade planen schwanger zu werden, sollte man sehr ernst nehmen - denn wenn sich eine Schwangere mit Zika infiziert, ist die Gefahr sehr hoch, dass es zu einer Missbildungen des Kindes kommt. Dieses Risiko sollte man, wenn es vermeidbar ist, auf gar keinen Fall eingehen."

Das Zika-Virus ist ein sogenanntes Flavivirus. Es wurde 1947 erstmals aus einem Rhesusaffen im Zika-Wald in Uganda isoliert und erhielt daher seinen Namen. Durch den Mückenstich werden die Viren auf den Menschen übertragen. Eine Infektion äußert sich durch Hautausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen sowie seltener Muskel- und Kopfschmerzen und Erbrechen. Häufiger geht sie auch mit einer Bindehautentzündung einher. Der Hautausschlag hält im Durchschnitt sechs Tage an. Andere Symptome können auch früher abnehmen. Todesfälle scheinen laut Experten nicht oder nur extrem selten vorzukommen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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