Facebook-CEO Mark Zuckerberg in Berlin (Quelle: dpa)

Facebook-Gründer Zuckerberg stellt sich vorsortierten Fragen - Very important und nicht mehr top secret

Mark Zuckerberg ist in der Stadt. Er hat im Schnee gejoggt und einen eigens von der "Bild"-Zeitung erdachten Preis abgegriffen. Heute nun trifft er sich real mit vorher ausgewählten Nutzern, die vorsortierte Fragen stellen dürfen. Ein HPI-Student darf bei dem nicht mehr ganz so geheimen Treffen dabei sein. 

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trifft sich am Freitag in Berlin für eine lange angekündigte Fragerunde mit realen Nutzern seiner Plattform: Allerdings entstand dieses "Townhall Meeting" so basisdemokratisch wie die FB-Nutzungsbedingungen: Interessierte mussten sich registrieren und ihre Fragen, die sie Mark Zuckerberg bei dem Event stellen wollen, vorab einreichen - natürlich über die Plattform Facebook. Nach Abschluss der Registrierung hat ein Teil der Interessierten eine Einladung zum Event erhalten.

Jonas Umland (Quelle: HPI/K. Herschelmann)
HPI-Student Jonas Umland darf Zuckerberg eine Frage stellen

19-jähriger HPI-Student schreibt vorher eine Klausur

Der Ort für die Fragerunde am Freitagnachmittag war aus Sicherheitsgründen zunächst geheim und nur den eingeladenen Gästen mitgeteilt worden. Inzwischen wurde aber bekannt, dass die Veranstaltung in der Arena in Berlin-Treptow stattfinden wird. Insgesamt sind 60 Studenten und Mitarbeiter des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts bei dem "Q&A" dabei. Wer keine Einladung hat, soll das Event im Livestream mitverfolgen können, der Link werde am Freitag auf der Facebook-Seite von Mark Zuckerberg mitgeteilt.

Mit dabei ist auch HPI-Student Jonas Umland. Er studiert "IT-Systems Engineering" im 3. Semester. Der 19-Jährige hatte auf die Zuckerberg-Aufforderung, vorab eine Frage zu stellen, mit einem Video geantwortet. Tenor: "Herr Zuckerberg, Sie haben eine Taskforce in Berlin eingerichtet, um Hasskommentare löschen zu lassen. Wie entscheiden Sie, welche gelöscht werden sollten?" Der Student sagte rbb online, dass sich "Facebook in diesem Bereich wirklich mehr engagieren könnte. Deswegen muss man auch nachfragen, ob da wirklich schon etwas passiert ist." Auch nach der Nachricht, dass das Unternehmen in Berlin ein Team eingerichtet hat, das sich verstärkt darum kümmern soll, sei ihm nicht klar, "ob da schon etwas neues passiert ist."

Eine zweite Frage habe Umland aber noch nicht vorbereitet. "Bisher weiß ich noch nichts über das Format der Veranstaltung. Ich kann mir aber vorstellen, dass man auf diese Fragen sehr ausweichend reagieren kann. Dann würde ich eher eine Nachfrage stellen." Fast noch wichtiger für den gebürtigen Berliner, der jetzt in Potsdam wohnt: Er schreibt am Morgen noch eine Klausur und lässt sich dann mit dem Taxi zum geheimen Veranstaltungsort fahren.





Inhaltlich soll es bei dem "Townhall Meeting" um Hasskommentare im Internet und speziell auf Facebook gehen. Zuckerbergs Netzwerk ist in den vergangenen Monaten immer wieder in die Kritik geraten. Deutsche Nutzer und Politiker warfen dem Netzwerk vor, einerseits vermeintlich harmlose Bilder oder Videos mit teilweise nackten Menschen als pornografische Inhalte einzustufen und rigoros zu löschen, andererseits aber fremdenfeindliche Kommentare nicht konsequent genug zu entfernen.

Facebook hatte daraufhin seine "Community Standards" aktualisiert und eine härtere Gangart gegen rassistische Einträge zugesichert. In Deutschland durchforsten seit Dezember deshalb mehr als 100 Mitarbeiter einer Tochterfirma des Bertelsmann-Konzerns die deutschen Facebook-Seiten, um rechtswidrige Kommentare zu löschen.

Vom "Microkitchen" zum "Späti" (sc)rollen

Am ersten Tag seines zweitägigen Besuches hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Donnerstagnachmittag eine Jogging-Runde durch Mitte gedreht - begleitet von Bodyguards und in kurzer Hose. Es war ein Warmlaufen für ein straffes Programm: Am Nachmittag sprach er mit dem Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) über den Umgang des sozialen Netzwerkes mit Hasskommentaren und rechtsradikalen Inhalten und am Abend nahm Zuckerberg den undotierten "Axel Springer Award" entgegen.

Der Verlag hatte sich den Preis werbewirksam eigens für Zuckerberg ausgedacht. Zum ersten Mal vergab er die Auszeichnung für "innovative Unternehmerpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland".

B.Z.-Chef Huth: "Das wird keine Jubelveranstaltung"

Der "B.Z."-Chefredakteur Peter Huth sagte am Donnerstag im rbb-Inforadio, Zuckerberg habe großes gesellschaftliches Engagement dadurch gezeigt, dass er einen Großteil seines Vermögens stiften wolle, zudem zeige die Art und Weise, wie Facebook mit Hasskommentaren und Gruppen mit rechtem Gedankengut umgehe, dass das Unternehmen hier Verantwortung übernehme. Dennoch betonte Huth: "Das wird keine Jubelveranstaltung." Denn auch Zuckerberg sei nicht "flawless". Facebook steht unter anderem für mangelnden Datenschutz in der Kritik. Den perfekten Preisträger zu finden, sei aber auch nicht Sinn der Sache, so Huth, vermutlich werde man auch in Zukunft keine Persönlichkeit ohne Kritik für den Preis finden.  

Zuckerberg kommt im Rahmen seiner Europa-Tour nach Berlin. Seit vergangenem Sonntag ist er unterwegs, zuletzt beim Mobile World Congress in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse der Welt.

Hochleistungsrechner für Berliner Einrichtungen

Nach dem Gespräch mit dem Kanzleramtsminister Altmaier (CDU) teilte Zuckerberg mit, dass er ein Millionengeschenk für Forschungsinstitute in Deutschland und Europa mitgebracht habe. Mehr als 1,1 Millionen Euro spende Facebook an Einrichtungen wie die TU Berlin oder das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft. Damit soll beispielsweise ein Projekt am Universitätskrankenhaus Charité in Berlin gefördert werden. Die neuen Rechner sollen unter anderem in einem Projekt für die Analyse von Gewebeproben zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden.

"Mit Künstlicher Intelligenz (KI) können wir Krebsmuster auf Bildern so gut erkennen wie der beste Arzt der Welt", stellte Zuckerberg in Aussicht. Bei den geföderten KI-Forschungsprojekten wird nach Angaben von Facebook nicht auf Daten von Anwendern des Sozialen Netzwerks zugegriffen. Die Rechner seien auch nicht mit dem Facebook-Netzwerk verbunden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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