Polizei sichert am 15.03.2016 den Tatort rund um das explodierte Auto auf der Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg ab (Quelle: imago/Olaf Wagner)
Video: Abendschau | 16.03.2016 | Kerstin Breinig

Polizei sucht Zeugen - Bombe wurde wohl im Beusselkiez unter Auto montiert

Zwei Tage nach dem tödlichen Bombenanschlag in Berlin-Charlottenburg bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe. Vor allem werden Zeugen gesucht, die möglicherweise in der Nacht vor der Explosion beobachteten, wie der Sprengsatz unter das Auto geheftet wurde. Der 43-jährige Mesut T. hielt sich zu der Zeit in einem Café in Moabit auf.

Nach dem Mordanschlag mit einem Sprengsatz auf den 43-jährigen Mesut T. bittet die Polizei nun die Bevölkerung um Unterstützung. Vor allem werden Zeugen gesucht, die möglicherweise in der Nacht vor der Explosion beobachteten, wie der Sprengsatz unter den silbergrauen VW Passat angebracht wurde, in dem T. umkam. Er hielt sich in der Nacht in einem Café in der Nähe der Beusselstraße in Moabit auf. Sein Wagen stand auf dem Bürgersteig vor der Beusselstraße 52, bis er am Morgen zurück nach Charlottenburg fuhr.

"Auf dem Weg nach Hause, kurz bevor er seine Wohnung in der Bismarckstraße erreichte, zündete dann der Sprengsatz an seinem Fahrzeug", so die Polizei. Außerdem werden Zeugen gesucht, die in der Bismarckstraße kurz vor oder nach dem Anschlag, der sich gegen 7.50 Uhr ereignete, "verdächtige Wahrnehmungen" machten. Möglicherweise wurde die Bombe von einem Beobachter in der Nähe durch ein Funksignal gezündet.

Die Polizei erklärte weiter: "Hinweise auf den oder die Täter liegen bis jetzt nicht vor." Auch zu dem Sprengsatz gebe es noch keine genauen Informationen. Die Explosion war so dosiert, dass sie den Fahrer tötete, aber keine weiteren umfangreichen Zerstörungen bewirkte.

War Autobombe Racheakt für eine Schießerei?

Derweil verdichten sich die Hinweise, dass der Hintergrund der Tat möglicherweise ein Racheakt für eine Schießerei im vergangenen Jahr sein könnte. Wie mehrere Zeitungen unter Berufung auf Ermittlerkreise berichten, soll T. in der zweiten Jahreshälfte 2015 gemeinsam mit einem russischen Bekannten einen Geschäftspartner niedergeschossen und schwer verletzt haben. Wer dabei die Schüsse abfeuerte, wissen die Ermittler nicht, schreibt die "Berliner Zeitung". Hintergrund soll ein verpatztes Rauschgiftgeschäft gewesen sein.

Die Anzeichen, dass die Tat vom Dienstag im Zusammenhang mit Drogengeschäften steht, verdichten sich jedenfalls: "Wir vermuten den Hintergrund der Tat im Bereich des organisierten Kokainhandels in großen Mengen", zitiert die Zeitung den Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.  

Bis 2013 in polnischem Gefängnis gesessen

Klar ist mittlerweile auch, warum der unter anderem wegen Drogendelikten polizeibekannte Mesut T. seit 2008 nicht mehr in Erscheinung getreten war: Er hatte seine Geschäfte offenbar ins osteuropäische Ausland verlegt. 2008 wurde er in Polen wegen Kokainhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt, so die "Berliner Morgenpost". Die "B.Z." weiß zu berichten, dass T. zuvor mit 33 Kilo Kokain im Wert von mehr als einer Million Euro geschnappt worden war. 2013 kam er wieder frei.

Eine weitere Spur führt zu russischen Geschäftspartnern: In dem VW Passat, der am Dienstagmorgen auf der Charlottenburger Bismarckstraße von einer Autobombe zerfetzt wurde, fanden die Ermittler die Papiere eines russischen Staatsbürgers, der nach "Bild"-Informationen den Wagen offenbar häufig genutzt hat. Dass der Anschlag ihm gegolten haben soll, werde von der Mordkommission inzwischen aber ausgeschlossen.  

"Die Täter wollten ein Zeichen setzen"

Ob es sich um Kriminalität im Rockermilieu, bei Großfamilien oder im Bereich der sogenannten Russenmafia handelt, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, sagte Kriminalhauptkommissar Norbert Cioma am Mittwoch im rbb. Mehrere Tätergruppen kämen in Betracht.

Auffällig sei, dass der Anschlag am helllichten Tag auf einer sehr belebten Straße verübt worden sei, sagte Cioma. Die Täter hätten bewusst die Öffentlichkeit gesucht. Damit hätten sie ein Zeichen gesetzt und zeigen wollen: 'Seht, wir haben keine Angst!', so der Ermittler.

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Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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