Verdächtiger stirbt bei Polizeieinsatz in Berlin-Marzahn (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 02.03.2016 | Kerstin Breinig

Verfolgungsjagd in Marzahn - Mordkommission ermittelt nach tödlichem Polizeischuss

Zuerst gab eine Verfolgungsjagd, dann einen Crash - und am Ende war der Verdächtige tot: Der Zivilfahnder, der am Mittwochmorgen in Berlin-Marzahn einen mutmaßlichen Einbrecher auf der Flucht erschossen haben soll, wird eines Tötungsdelikts beschuldigt. Die Mordkommission ermittle gegen ihn, so die Polizei. Das sei jedoch ein übliches Vorgehen.

Nach dem tödlichen Polizeischuss auf einen Verdächtigen in Berlin-Marzahn ermittelt nun die Mordkommission. Benjamin Jendro, ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, nannte dies am Donnerstag im rbb ein übliches Vorgehen. Der Beamte, der den Schuss abgegeben habe, werde zunächst des Tötungsdelikts beschuldigt.

Bei dem Polizeieinsatz in Berlin-Marzahn war am Mittwochmorgen ein Verdächtiger ums Leben gekommen. Ein Zivilfahnder habe einen Flüchtenden in einem Auto erschossen, so Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei dem großen Einsatz in der Nacht zu Mittwoch feuerte die Polizei demnach auf einen Wagen, mit dem mehrere mutmaßliche Einbrecher fliehen wollten. Der Fahrer des Autos wurde dabei laut Steltner von einer Kugel getroffen und starb noch am Tatort. Das Auto der Verdächtigen war zuvor noch weitergerollt, hatte einen Laternenpfahl gerammt und war schließlich in der Rhinstraße in Marzahn stehengeblieben.

Nach dem tödlichen Schuss durchsuchte die Polizei drei Flüchtlingsunterkünfte, darunter auch das Containerdorf in Köpenick. Dabei wurden nach Angaben Steltners Beweismittel sichergestellt, darunter auch die mutmaßliche Tatbeute.  

Verfolgungsjagd in Berlin-Marzahn. Im Einsatz sind Mordkommission, Tatortvermesser, Tatortfotografen (Quelle: Doris Anselm/rbb)
Blick in den offenen Kofferraum des von der Polizei gestoppten Pkw

Schuss als letztes Mittel

Am Mittwochvormittag hatte die Polizei zunächst bestätigt, dass ein Verdächtiger nach einer Verfolgungsjagd getötet wurde. Details nannte die Behörde dabei noch nicht. Eine Obduktion soll nun klären, woran der erschossene Mann gestorben ist. Bislang sei noch unklar, wo er getroffen worden ist, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Inzwischen ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei wegen der Schussabgabe mit Todesfolge - und die Mordkommission.

Jendro sagte im rbb, der Einsatz einer Schusswaffe sei Polizisten generell erlaubt, wenn der Täter beispielsweise eine Waffe dabei habe, von der eine Bedrohung ausgehe. Der Kollege müsse den Schuss dann ankündigen. In dem entsprechenden Berliner Gesetz heißt es, ein Polizist dürfe auf flüchtende Menschen schießen, wenn sie dringend verdächtig seien, ein Verbrechen begangen zu haben. Zweck des Schusswaffengebrauchs dürfe aber nur sein, jemanden fluchtunfähig zu machen. Ob in dem jüngsten Fall alles rechtens abgelaufen sei, werde jetzt überprüft.

Das hatten am Mittwochnachmittag auch bereits Berliner Oppositionspolitiker gefordert. Dem Tagesspiegel sagte Hakan Tas von der Linkspartei, es müsse geprüft werden, ob der Schusswaffengebrauch rechtmäßig und "inwieweit Leib und Leben" der Beamten im Einsatz bedroht gewesen seien. Die Piratenfraktion kündigten demnach eine Anfrage an die zuständige Senatsverwaltung an.

Verfolgungsjagd nach Observierung

Der Verfolgungsjagd war eine Observierung vorausgegangen. In der Nacht zum Mittwoch hatte ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) der Berliner Kriminalpolizei eine Gruppe mutmaßlicher Diebe und Einbrecher beobachtet. Mit mehreren Zivilautos verfolgten die Fahnder die Bande bis nach Brandenburg, wo möglicherweise weitere Einbrüche verübt wurden. Zurück in Berlin entschlossen sich die Zivilpolizisten zum Zugriff.

Mit mehreren Autos versuchten sie die verdächtigen Männer zu stoppen und festzunehmen. Dabei kam es auch zu einem kleineren Zusammenstoß. Die Männer flüchteten mit ihrem Auto, woraufhin ein Polizist mindestens einmal schoss und den Fahrer traf. Ob noch mehr Schüsse abgegeben wurden, stand zunächst noch nicht fest.

Verfolgungsjagd in Berlin-Marzahn. Im Einsatz sind Mordkommission, Tatortvermesser, Tatortfotografen (Quelle: Doris Anselm/rbb)
Polizei am Tatort

Zwei Menschen wurden festgenommen, ein weiterer Insasse konnte zu Fuß entkommen. Die Polizei suchte mit einem Spürhund nach ihm. Im Kofferraum des Autos fand die Polizei später unter anderem große Mengen Zigarettentabak.

Tod durch Polizeikugel kein Einzelfall

Durch eine Polizeikugel war in Berlin zuletzt ein psychisch kranker 31-Jähriger gestorben. Bei dem Vorfall im Juni 2013 verletzte sich der Mann, der nackt im Neptunbrunnen nahe dem Alexanderplatz stand, zuerst mit einem Messer selbst und griff dann den Polizisten an. Der tödliche Schuss wurde später als Notwehr gewertet.

In Brandenburg erschoss im Dezember 2008 ein Berliner Zivilfahnder einen 26-jährigen Autodieb. Der Polizist gab im Ort Schönfließ acht Schüsse, zum Teil aus nächster Nähe, auf den in einem Auto sitzenden Kleinkriminellen ab. Ein Gericht verurteilte den Polizisten wegen Totschlags im minderschweren Fall zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung. Der Polizist habe nicht in Notwehr gehandelt sondern aus einem übersteigerten Verfolgungsdrang, so die Richter.

Der Einsatzort in Marzahn

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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