Archivbild: Eine Milchkuh wird am 16.04.2013 in Wilsum (Niedersachsen) von einer vollautomatischen Melkmaschine gemolken. (Quelle: dpa)

Computer in der Landwirtschaft - Mit Bits und Bytes ran an die Kuh

Der Mähdrescher fährt von alleine, die Kuh wird per Computer gemolken: Die Landwirtschaft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Im modernen Betrieb wird der Bauer zum Programmierer. Doch was kann die neue Technik überhaupt? Und ist sie tatsächlich Anreiz für die Berufswahl? Von Thomas Krüger

Der Computer hilft beim Milchmelken, der Mähdrescher ist vollautomatisiert – es gibt keine Super-Überraschungen mehr im 21. Jahrhundert. "Jeder hat schon mal gehört, dass Traktoren ohne zu lenken, auf dem Acker fahren, über computergesteuerte GPS ausgestattet, fährt der Traktor eben parallel Strich bei Strich", erklärt Thomas Göbel, Chef der Göritzer Agrargenossenschaft.

Kühe mit einem Sender

In den Ställen sieht's nicht viel anders aus, sagt Göbel: "Die Kühe haben Transponder mit einem Sender, und der Fütterungsautomat erkennt sofort, ob Kuh Lisa oder Elsa vor ihm steht. Sie bekommt eben die Menge an Kraftfutter, die sie braucht, damit sie ihrer Leistung entsprechend weiter produzieren kann."

Der Bauer, der Landwirt wird zum Programmierer. "Doch wenn ich keine Computerkenntnisse habe, dann kann ich diese tolle Technik, den Mähdrescher oder eben den Traktor nicht dienen. Dann kann ich ihn nur lenken und fahren, aber nicht das rausholen, wofür er produziert wurde."

Udo Deboer, 19 Jahre alt, Azubi im 3. Lehrjahr in der Agrar GmbH Langengrassau bei Luckau (Quelle: rbb/Thomas Krüger)
Azubi Udo Deboer findet Computertechnik in der Landwirtschaft gut

Trotz aller Technik - manches bleibt beim Alten

Landwirt ist nach wie vor kein Traumberuf, von einer Azubi-Schwemme – keine Rede. Wer sich für einen Arbeitsplatz bei Wind und Wetter unter freiem Himmel oder im Stall entscheidet, muss Liebe zur Natur mitbringen und ist in der Regel auf dem Land aufgewachsen, da, wo schon Eltern und Großeltern Ackerbau und Viehzucht betrieben haben.

Und doch, die neue Technik hat ihren Reiz. Beispielsweise für den 19-jährigen Udo Deboer in Langengrassau bei Luckau, der alles lernt "über Mähdrescher, Hechsler, moderne Traktoren und GPS-Systeme". In einem halben Jahr ist er fertig ausgebildeter Landwirt. "Man muss alles anpassen auf die einzelnen Getreidefrüchte, alles abmessen, die Verluste reduzieren, alles über Computer." 

Und doch ist alles irgendwie wie früher. Kein einziger Getreidehalm weiß etwas von Bits und Bytes. Jede Kuh macht das, was sie seit Jahrtausenden macht – und Udo Deboer, der Computer liebt, weiß: "Melkzeiten sind nicht so meines. Von um halb vier morgens bis um halb acht, acht und dann abends dasselbe nochmals. Das ist nichts für mich." Handarbeit wird es in der Landwirtschaft immer geben.

Beitrag von Thomas Krüger

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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