ARCHIV - Ein Polizeifahrzeug steht am 04.02.2016 neben der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Streit um Kombiwache zwischen SPD und CDU - Gewalttaten am Alexanderplatz nehmen nicht ab

Seit dem tödlichen Angriff auf den 20-jährigen Jonny K. im Oktober 2012 hatte die Berliner Polizei ihre Präsenz am Alexanderplatz verstärkt. Und noch im vergangenen Frühjahr sah es so aus, als würde das Wirkung zeigen. Doch über das gesamte Jahr 2015 wurden wieder knapp 600 Fälle registriert - die Zahl der Straftaten ist damit seit 2011 etwa gleich hoch.

Trotz verstärkter Polizeipräsenz und vieler Einsätze am Berliner Alexanderplatz sind die Gewalttaten nicht weniger geworden. Im vergangenen Jahr kam es laut bisher unveröffentlichten Zahlen der Polizei zu 597 Gewaltdelikten wie Körperverletzungen, Raubüberfällen, Bedrohungen und Freiheitsberaubungen. Die Anzahl der Taten ist seit 2011 etwa gleich hoch, jeweils um die 600 Delikte, wie aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervorgeht.

Massiv gestiegen ist die Zahl der Taschendiebstähle, von 1.024 im Jahr 2014 auf 1.580 Fälle im Jahr 2015 - das ist ein Plus von 54 Prozent. Das entspricht aber der Entwicklung für ganz Berlin.

Delikte waren zunächst zurückgegangen

481 Gewaltdelikte am Alexanderplatz waren im vergangenen Jahr Körperverletzungen. In 62 Fällen ging es um Nötigung und Bedrohung, 51 Mal um Raub. Fälle, die unter die Rubrik Vergewaltigung oder Mord und Totschlag fallen, wurden drei Mal registriert; dazu gehörten auch versuchte Taten.

Im Frühsommer 2015 hatte es noch Anlass zur Hoffnung gegeben, weil bis Mai die Zahl der Gewalttaten und Übergriffe an dem großen Verkehrsknotenpunkt zurückging. Es folgte allerdings ein langer und warmer Sommer mit entsprechenden Nächten, in denen es oft zu Zusammenstößen betrunkener Menschen kam.

Streit um Kombiwache am Alex

Seit dem tödlichen Angriff auf den 20-jährigen Jonny K. im Oktober 2012 hatte die Polizei ihre Präsenz am Alexanderplatz verstärkt. Ein sogenanntes Kontaktmobil, also ein mit Polizisten besetzter Bus, steht tagsüber und an den Wochenenden auch nachts dort. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte immer wieder betont, die Gewalt am Alex eindämmen zu wollen.

Eine gemeinsame Wache von Berliner Polizei, Bundespolizei und Ordnungsamt lehnt Henkel aber weiter ab, weil der Verwaltungsaufwand zu groß wäre. Genau da kritisiert der Berliner SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß. Dass der "Kriminalität im Herzen unserer Stadt" nicht wirksam Einhalt geboten werden könne, sei "besorgniserregend und müsste den zuständigen Innensenator Frank Henkel zügig handeln lassen", so Stöß am Montag. Nötig sei weiterhin eine Kombiwache, in der Landes- und Bundespolizei mit dem Ordnungsamt zusammenarbeiten, forderte Stöß. "Außerdem sollte das Angebot des Kontaktmobils auf 7 Tage à 24 Stunden kurzfristig ausgebaut werden."

CDU-Innenstaatssekretär Bernd Krömer hat die Forderung nach einer Kombiwache zurückgewiesen. "Herr Stöß hat inhaltlich leider nichts verstanden", teilte er am Montag mit. "Eine zusätzliche Wache braucht zusätzliche Logistik. Das bindet Kräfte, die dann auf der Straße fehlen." Krömer befürchtet durch eine Kombiwache zusätzliche Bürokratie. "Wir haben die Polizisten lieber auf dem Platz, Herr Stöß offenbar lieber hinter Schreibtischen", so Krömer.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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