Die ökumenische Karfreitagsprozession zieht am 25.03.2016 am Berliner Dom vorbei. (Quelle: Gregor Fischer/dpa)

Bischof Dröge ruft zu Solidarität mit Terroropfern auf - 500 Menschen ziehen bei Karfreitagsprozession durch Mitte

Mit einem Schweigemarsch durch Berlins Mitte haben am Karfreitag etwa 500 Menschen an den Leidensweg Christi erinnert. Teilnehmer kritisierten auch die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern und dass die Rechte der Zivilgesellschaft eingeschränkt würden. Zuvor hatte Bischof Dröge an die Opfer von Brüssel erinnert und zu Versöhnung aufgerufen.

Knapp 500 Menschen haben in Berlin mit einer ökumenischen Karfreitagsprozession an das Leid in der Welt und die Kreuzigung Christi erinnert. In sieben Stationen führte der Schweigemarsch bei regnerischem Wetter durch den Bezirk Mitte: von der Marienkirche unter anderem über den Berliner Dom, die Neue Wache und den Bebelplatz zum Französischen Dom auf dem Gendarmenmarkt.

An der Spitze der Prozession wurde ein 50 Kilogramm schweres und drei Meter hohes grünes Holzkreuz getragen. An den jeweiligen Stationen lasen Teilnehmer Teile aus der Passionsgeschichte vor. Dazu sprachen Vertreter von Amnesty International, Diakonie, Caritas, der Berliner Tafel, dem Berliner Missionswerk sowie ein syrischer Flüchtling, der seit vergangenem Herbst in Berlin lebt.

Amnesty Deutschland: Rechte der Zivilgesellschaft nicht beschneiden

Die Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, Selmin Caliskan, beklagte an der Neuen Wache einen weltweiten Trend, "die Rechte der Zivilgesellschaft zu beschneiden", etwa durch massive Einschränkungen der Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, erinnerte an die Flüchtlinge, die an der griechisch-mazedonischen Grenze ausharren. Er nannte den Stacheldrahtzaun "ein beschämendes Symbol" einer inhumanen Flüchtlingspolitik.

Die Karfreitagsprozession wurde erstmals 2010 vom heutigen Bischof der hannoverschen Landeskirche und damaligen Berliner Generalsuperintendenten Ralf Meister und dem  Superintendenten von Berlin-Stadtmitte, Bertold Höcker, initiiert. Sie knüpft an die Jahrhunderte alte Tradition von Schweigeprozessionen zum Karfreitag in anderen Regionen an.

Bischof Dröge ruft zu Solidarität mit Terroropfern auf

Zuvor hatte der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge in einem Gottesdienst zur Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge von Brüssel und zur Versöhnung aufgerufen. Die Botschaft Jesu vom Kreuz laute: "Bleibt in Liebe vereint und haltet im Leiden zusammen", sagte Dröge am Freitag in seiner Predigt in der St. Marienkirche. Die Antwort auf die Grausamkeit, die Menschen einander antun, könne nicht "mehr Grausamkeit" lauten. "Wo Extremisten zum Terror greifen und ideologischer Starrsinn das Denken einengt" dürfe nicht kapituliert werden, sondern sollten "Schritte der Versöhnung" gegangen werden, sagte Dröge.

Weiter erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, "wir verbinden uns an diesem Karfreitag mit allen Menschen, denen Gewalt angetan wird, und vertrauen darauf, dass Gott auch an den dunkelsten Tagen an ihrer Seite steht".

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