WikiLeaks-Gründer Julian Assange sprichte auf einer Konferenz per Videoschalte mit der Presse. (Quelle: imago | i Images)

Assange spricht auf Hacker-Konferenz "Logan-Symposium" in Berlin - "Verschlüsselung ist unsere einzige Hoffnung"

Hacker, Internetaktivisten, Investigativ-Journalisten. Sie alle treffen sich in Berlin auf dem "Logan Symposium". Bei der "Hacker-Konferenz" am Alexanderplatz kommen auch die Macher der Enthüllungsplattform "Wikileaks" zusammen und schießen scharf gegen ihre Gegner. Von Oliver Soos

"Es hat etwas himmlisches, dich so über uns zu sehen", sagt der französische Hacker, Jeremie Zimmermann und blickt hoch zur Leinwand. Julian Assange lächelt müde und bedankt sich. Der australische Wikileaks-Gründer lebt seit mittlerweile dreieinhalb Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London. Zimmermann will Assange aufheitern und prostet ihm mit einem Sektglas zu. Die beiden kennen sich, sie haben zusammen ein Buch veröffentlicht.

 

"Auf deine baldige Freilassung", sagt Zimmermann. Eine Anspielung auf ein UN-Rechtsgutachten, das vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Es bezeichnet die Festsetzung von Assange als willkürlich: "Wir haben hier ein Individuum - mich - das Schweden, Großbritannien und die USA vor den Vereinten Nationen anklagt hat, und ich habe gewonnen." ruft Assange von der Leinwand. Doch es bleibt dabei: Wenn Assange die ecuadorianische Botschaft verlässt und britischen Boden betritt, droht ihm die Festnahme und die Auslieferung nach Schweden oder in die USA.

In Schweden droht ihm ein Prozess wegen einer angeblichen Vergewaltigung, in den USA wegen brisanter Wikileaks-Enthüllungen über mögliche Kriegsverbrechen der US-Armee. Doch Julian Assange gibt sich kämpferisch. Er hatte das UN-Rechtsgutachten erbeten, nun wollen seine Anwälte für die Aufhebung des Haftbefehls in Schweden kämpfen.

"Google geht es um Macht und Profit"

Irgendwie passt das auch zum Motto der Konferenz "Challenge Power!" - fordere die Macht heraus. Assange spricht in diesem Zusammenhang auch über Google. In diesem Konzern sieht er eine Gefahr für die Gesellschaft, denn Google gehe es um Profite und Machtinteressen. "Die Leute hinter Google haben enge Beziehungen zum Militär, zu den Geheimdiensten und zur Politik. Der Topmanager und ehemalige Google-Chef Eric Schmidt zum Beispiel hat Hillary Clintons Online-Präsidentschaftskampagne geplant". Assange fordert, dass alle Anstrengung in die Weiterentwicklung der verschlüsselten Datenübertragung gesteckt wird. "Da muss man sich dann nicht mehr darum sorgen, dass sich bei unserer Kommunikation die Wirtschaft oder der Staat mit ihren Interessen dazwischenschalten." Eine Verschlüsselung beim Sender, die erst wieder durch den Empfänger entschlüsselt werden kann - das sei die einzige Hoffnung.

Applebaum rechnet mit Journalisten ab

Den Höhepunkt des Konferenztags am Freitag lieferte aber ein anderer, der Amerikaner Jacob Appelbaum, der aufdeckte, dass das Handy der Bundeskanzlerin jahrelang von US-Geheimdiensten überwacht wurde. Appelbaum redete sich in Rage und rechnete mit seinen Kollegen, den etablierten Journalisten, ab.

"Wenn wir über Journalismus reden, dann reden wir über ein großes Zelt. Wenn du drinnen bist, bekommst du Privilegien und politische Unterstützung. Ich bin nicht drinnen. Ich werde von Journalisten Internetaktivist genannt. Dabei nenne ich sie auch nicht Satzbau-Aktivisten. Ich werde aus dem Zelt der Privilegien herausgedrängt. Für mich gelten nicht journalistische Rechte sondern Terrorgesetze."

Appelbaum fordert, dass alle Journalisten zusammenarbeiten als Aktivisten für die Wahrheit. Das Logan CIJ Symposium wird vom "Zentrum für Investigativen Journalismus" der Universität London veranstaltet und endet mit einer Videoschalte zum Whistleblower Edward Snowden.

Beitrag von Oliver Soos

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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