Die Polizei räumt am 10.05.2016 das Hausprojekt Linie206 Berlin-Mitte (Quelle: Björn Kietzmann)

Zwangsvollstreckung in Berlin-Mitte - Polizei räumt zwei Wohnungen in besetzter Linienstraße 206

Aufruhr in der linken Szene in Mitte: Am besetzten Haus an der Linienstraße 206 sind am Dienstagvormittag zwei Wohnungen geräumt worden. Seit der Wende besetzt, gab es jahrelang Streit zwischen dem Wohnprojekt und wechselnden Eigentümern. Der aktuelle Eigentümer macht offenbar ernst.

Gerichtsvollzieher, Sicherheitsbedienstete und 25 Beamte der Polizei haben am Dienstagvormittag zwei Wohnungen im Hausprojekt Linie206 in der Linienstraße in Berlin-Mitte geräumt.

Polizeisprecherin Patricia Brämer teilte rbb|24 auf Anfrage mit, die Polizei sei durch das Amtsgericht Mitte um Amtshilfe für die Zwangsvollstreckung gebeten worden. 25 Beamte seien dort im Einsatz gewesen, um bei der Räumung der Wohnungen zu helfen. Nach Informationen der Bewohner waren die Beamten am frühen Nachmittag wieder abgezogen.

Vor dem Haus hatten sich linke Sympathisanten versammelt, um friedlich ihre Unterstützung für das Hausprojekt zu bekunden.

Die Polizei räumt am 10.05.2016 das Hausprojekt Linie206 Berlin-Mitte. Bewohner hängen ein Plakat mit der Aufschrift "Kein Platz für Neubauten" aus dem Fenster (Quelle: Björn Kietzmann)

Wie das Wohnprojekt selbst mitteilt [linie206.blogsport.de], waren Polizeibeamte, der Hauseigentümer, der Gerichtsvollzieher und ein privater Sicherheitsdienst mit einigen Mitarbeitern vor Ort gewesen. Personen aus den betreffenden Räumen seien entfernt, und Mobiliar in einen mitgebrachten Lkw verbracht worden. Die Räumung habe demnach bereits um 7.40 Uhr am Dienstagvormittag begonnen.

Nach Informationen einer Gerichtssprecherin hätten die Mieter schon länger nicht mehr in den beiden Wohnungen gewohnt. Sie hätten bereits anerkannt, dass sie sie Wohnung räumen müssten. Die Bewohner des Hauses kündigten indes im Internet an, gegen die Räumung vor Gericht ziehen zu wollen.

Besetzt seit der Wende

Das Haus an der Kreuzung Linienstraße/Ecke Kleine Rosenthaler Straße ist seit Anfang der 90er Jahre besetzt. Die Bewohner haben nach eigenen Angaben vielfach versucht, das Haus selbst zu erwerben. Verschiedene Eigentümer hätten unterschiedliche Pläne für das Haus gehabt, unter anderem sollte ein Hotel an dem attraktiven Standort in Mitte entstehen. Doch keiner der Eigentümer habe etwas aus dem Haus gemacht, so heißt es auf der Webseite des Wohnprojektes. Die Nutzer selbst wollten das Haus als selbstverwaltetes Wohnprojekt sichern.

Wie die "Berliner Zeitung" online berichtet, wurde das Gebäude nach der Wende an eine rumänische Erbengemeinschaft rückübertragen. Später erhielten die Mieter von der  Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) Verträge. Nach weiterem mehrfachen Besitzerwechsel kündigten die aktuellen Besitzer nun offenbar mehreren Bewohnern.

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