Junge Männer feiern den Herrentag (Quelle: dpa / Lander)

Wie aus Christi Himmelfahrt Vater- und Herrentag wurde - Kinderwagen, Bollerwagen, Einkaufswagen

Es ist kompliziert. Warum aus Christi Himmelfahrt auch der Vater- und Herrentag geworden ist, lässt sich nicht mehr so recht nachvollziehen. Es wird spekuliert, dass die Prozession der Jünger Jesu zu einem Berg als Vorbild für die Männer mit Bollerwagen dienten. Die Kirchen appellieren jedenfalls vorsorglich: Ein Besäufnis ist nicht der Sinn des Feiertags. Von Anke Fink

Der Donnerstag 40 Tage nach Ostersonntag ist Christi Himmelfahrt - das bereits seit dem 4. Jahrhundert. Damit wird nach biblischer Überlieferung die Osterzeit abgeschlossen. Im Lukas-Evangelium steht, nachdem Jesus mit seinen Jüngern gesprochen habe, sei er "vor ihren Augen emporgehoben" worden. 

Seine Jünger dachten, er werde nun König der ganzen Welt.  Jesus sagte ihnen, sie sollten dagegen anderen Menschen von ihm erzählen. Die Menschen sollten erfahren, dass es ihn gibt und dass ihnen ihre Sünden genommen werden können. Dafür sei er am Kreuz gestorben. Als Jesus seinen Jüngern davon erzählte, schwebte er plötzlich über der Erde. Es kam eine Wolke, er war nicht mehr zu sehen und entschwand in den Himmel. Jesus Christus, Gottes Sohn, war nach seiner Kreuzigung und der anschließenden Auferstehung zu seinem Vater zurückgekehrt - soweit eine Kurzfassung der entsprechenden Bibelstelle.

Witwer mit sechs Töchtern

Inzwischen wird an Himmelfahrt vielerorts der Vatertag gefeiert. Laut der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) hat der Vatertag seine Wurzeln in den USA. Er wird dort allerdings ähnlich wie der Muttertag am 3. Sonntag im Juni gefeiert. Es gibt Quellen, die von der Amerikanerin Luisa Dodd als Initiatorin des Vatertags sprechen. Sie rief 1910 eine Bewegung ins Leben, die alle Väter ehren sollte. Hintergrund ist, dass sie eines von sechs Kinder gewesen war, die von ihrem Vater allein groß gezogen wurde. Die Mutter war bei der Geburt des jüngsten Kindes gestorben.

Ihr Ansinnen hatte offenbar Erfolg. 1966 rief der US-amerikanische Präsident Lyndon Johnson dazu auf, am 3. Sonntag im Juni die Väter zu ehren. Die Amerikaner nahmen dies wohl so gut an, dass der spätere Präsident Richard Nixon dann 1974 dem Vatertag endgültig den Rang eines offiziellen Feiertags gegeben hatte. 

In Europa sollen holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger am Himmelfahrtstag den "Vatertag" bereits in den 1930er Jahren als Gegenstück zum Muttertag etabliert haben. Zu Tabak und Alkohol soll Wursterzeugnisse gereicht worden sein. In Deutschland erklärten ausgerechnet die Nazis 1936 den christlichen Feiertag offiziell zum "Vatertag".

Männer im Biergarten "Loretta am Wannsee" in Berlin auf gemeinsamer "Vatertagstour" (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Männer im Biergarten "Loretta am Wannsee" in Berlin auf gemeinsamer "Vatertagstour"

Frauen zur Herrenpartie nicht zugelassen

Dies alles erklärt allerdings noch nicht, warum besonders in Ostdeutschland aus Himmelfahrt ein Herrentag geworden ist, mit reichlich fließendem Alkohol. Manche Wissenschaftler spekulieren, dass die sogenannte Apostelprozession der Jünger Jesu zu einem Berg in Galiläa als Vorbild für die heutigen Männerumzüge mit Bollerwagen am Himmelfahrtstag dienten.

Ordentlich getrunken wurde wohl auch schon im 16. Jahrhundert an diesem Tag. Aus dieser Tradition soll sich die "Herrenpartie", entwickelt haben, bei der Jugendliche in die "Welt der Männer" eingeführt werden sollten, mit reichlich Bier und Schnaps versteht sich. Für das 19. Jahrhundert sind sogenannte Flurumgänge durch die Gemeinde an Himmelfahrt verbrieft, auch hier soll ordentlich gebechert worden sein. In manchen Großstädten entwickelten sich in dieser Zeit "Schinkentouren": Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen.

Alleinstehende, schlecht untergebrachte Berliner Männer

Im Berliner Raum unternahmen wohl um 1900 herum regelmäßig Gruppen aus überwiegend alleinstehenden Männern jährlich Ausflüge am Himmelfahrtstag. Wolfgang Kaschuba, Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität, wird dazu in der "Berliner Zeitung" mit folgenden Worten zitiert: "Um 1900 gab es in der Stadt viele alleinstehende, schlecht untergebrachte Männer". Ein arbeitsfreier Frühlingstag wie an Himmelfahrt sei ein willkommener Anlass für Ausflüge und meist auch für heftigen Alkoholgenuss gewesen.

Diese Tradition hat sich dann auch in der weitgehend säkularen DDR gehalten. Himmelfahrt gab es seit 1967 nicht mehr als Feiertag. Dennoch nutzten viele Männer - ob Väter oder nicht - diesen Tag zum Ausflug mit Trinkgelage. Das ist bis heute so - Bootstouren etwa auf dem Müggelsee oder im Spreewald sind fest in Männerhand.

Unfallträchtigster Tag des Jahres

So viel Promille im Blut sorgt allerdings auch für den unfallträchtigsten Tag des Jahres. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kommt es 2,4-mal häufiger zu einem Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss (deutlich mehr als 200 Unfälle) als an einem Durchschnittstag (knapp 100). Deswegen warnt die Unfallforschung der Versicherer (UDV), dass schon kleine Mengen Alkohol die Übersicht und Koordinationsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich senken. UDV-Chef Siegfried Brockmann sagte, auch das Fahrrad sei keine Alternative.  

Vor dem als Vatertag begangenen Feiertag Christi Himmelfahrt haben Kirchenvertreter Männer zum Nachdenken aufgerufen. Der Oberkirchenrat Matthias Kreplin von der Evangelischen Landeskirche in Baden sagte: "Denjenigen, die diesen Tag exzessiv begehen, möchte ich zurufen: Überlegt mal, ob Vaterschaft den Sinn darin haben kann, sich zu betrinken." Die christliche Botschaft geht nach Einschätzung der Kirche an diesem Tag verloren. Kreplin: "Wir bemühen uns, dass der Feiertag in seiner Bedeutung nicht untergeht."

Beitrag von Anke Fink

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