Das abgezwackte Ohr zeigt die Kastration dieser Katze an (Quelle: dpa/Boris Roessler)

Berliner Tierheim platzt aus allen Nähten - Senat denkt über Kastrationszwang für Katzen nach

Nach Tierschützern und der Berliner SPD kann sich inzwischen auch der Senat einen Kastrationszwang für Katzen in der Stadt vorstellen. Das Tierheim sei überlastet und beherberge sehr viele Katzen, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz Claudia Engfeld. Deshalb sei man auch in Gesprächen.

"Wir freuen uns, dass da endlich Bewegung rein kommt", sagte die Sprecherin des Berliner Tierheims, Beate Kaminski, mit Blick auf die aktuelle Diskussion.

Ein Kastrationsmobil rollt durch Berlin

Erst Ende Mai hatte die SPD in Berlin-Mitte gefordert, die Landesregierung solle sich mit einer Kastrationspflicht für Katzen beschäftigen. Sie hatte darüber hinaus durchgesetzt, dass das Bezirksamt Mitte sich beim Senat für den "Erlass einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht" für Katzen in Berlin einsetzt. Der Antrag wurde mit nur einer Gegenstimme angenommen.

Bezirkspolitikerin Martina Matischok (SPD) sagte zu ihrer Motivation, ihr lägen die verwahrlosten Katzen am Herzen, um die sich niemand kümmere.

Nach Vorstellung der SPD-Mitte soll künftig ein Kastrationsmobil durch Berlin rollen. Ziel ist es die Menge der wild lebenden Katzen zu verringern. Der Berliner Tierschutzverein schätzt deren Zahl auf mehrere zehntausend. Konkrete Zahlen gibt es allerdings nicht.

Keine Rückmeldungen - kein Problem?

Auch der Senat für Justiz und Verbraucherschutz hat keine verlässlichen Zahlen. Vor zwei Jahren habe man die Bezirke gebeten, eine Häufung von streunende Katzen zu melden, sagte Sprecherin Claudia Engfeld rbb|24. Die Rückmeldungen seien aber negativ gewesen: "Es gibt keine Zahlen über Streunerkatzen." Ein flächendeckendes Problem mit Streunerkatzen scheine es also nicht zu geben.

Eine Kastrationspflicht sei schwer zu kontrollieren, betonte sie nun. "Wir sehen das grundsätzliche Problem, dass eine Verordnung, die alle Halter zur Kastration der Katzen verpflichtet, nur sehr schwer zu überprüfen ist."

Tägliches Füttern macht einen zum Katzenhalter

In drei Brandenburger Städten gibt es bereits eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen. Luckenwalde führte die Verordnung bereits 2014 ein, Frankfurt (Oder) folgte 2015 und in Jüterbog gilt die Regelung seit Anfang des Jahres.

Den Angaben zufolge sind die Einwohner von Jüterbog über das Amtsblatt informiert worden. Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese demnach "zuvor von einem Tierarzt kastrieren zu lassen und mittels einer Tätowierung oder durch das Implantieren eines Mikrochips kennzeichnen zu lassen." Als Katzenhalter gilt dabei übrigens auch wer eine freilaufende Katze regelmäßig füttert. Ab Mitte des Jahres will das Ordnungsamt mit Kontrollen anfangen, dabei aber nur konkreten Hinweisen nachgehen. 

Jährlich werden etwa 70.000 Katzen ertränkt

Tierschützer fordern die Kastrationspflicht seit Jahren. So wollen sie verhindern, dass sich Freigänger mit freilebenden Katzen paaren und die Jungen verwahrlosen. "Ungewollte Tiere werden dann oft als Plage empfunden und auch so behandelt. Groben Schätzungen zufolge,
werden jährlich mehr als 70.000 Katzen ertränkt, erschlagen oder zu Tode gequält", heißt es bei der Tierschutzorganisation Peta.

Auch der Verein, der das Tierheim in Berlin-Falkenberg betreibt, setzt sich seit Jahren für Straßenkatzen ein. "Viele tausend freilebende Katzen kämpfen in Berlin täglich ums Überleben", sagte Sprecherin Beate Kaminski. Dieses Elend gäbe es aus ihrer Sicht nicht, wenn Tierhalter ihre eigenen Katzen kastrieren lassen würden.

Das Tierheim hat im vergangenen Jahr auf eigene Kosten 130 freilebende Katzen eingefangen und kastriert. Außerdem unterstütze das Tierheim Katzenbesitzer finanziell bei der Behandlung.