Menschen trauern um die Opfer des Anschlags in Nizza. (Quelle: dpa | EPA/IAN LANGSDON)
Video: Abendschau | 15.07.2016 | Norbert Siegmund

Anschlag in Südfrankreich - Drei Teilnehmer einer Berliner Abifahrt in Nizza getötet

Bei dem Anschlag in Nizza am Donnerstagabend sind auch drei Berliner ums Leben gekommen. Es handelt sich um drei Teilnehmer einer Abifahrt aus Berlin, darunter eine Lehrerin, erklärte das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Senat und das Auswärtige Amt wollten das jedoch bislang nicht bestätigen.

Unter den mehr als 80 Opfern des Anschlags in Nizza am Donnerstagabend sind auch eine Lehrerin und zwei Schüler der Paula-Fürst-Schule in Berlin-Charlottenburg. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bestätigte am Freitag entsprechende rbb-Informationen, wonach es sich um Teilnehmer einer Abifahrt nach Nizza handelt.

Das Auswärtige Amt konnte die Information am Samstagvormittag noch nicht bestätigen. "Wir sind immer noch dabei, das zu überprüfen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage von rbb|24. Das Ministerium hatte am Freitagabend lediglich bestätigt, dass sich unter den Verletzten eine Deutsche befindet. Sie wird medizinisch behandelt, ist aber nicht in Lebensgefahr. Die Berliner Senatsschulverwaltung hatte neben den Vermissten von einer verletzten Berliner Schülerin gesprochen.   

Blumen vor Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin (Quelle: rbb/M.Streim)
Rosen sind vor der Paula-Fürst-Schule abgelegt.

"Wir sind zutiefst bestürzt", erklärte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann. "Als ein Zeichen der tiefen Trauer wurden die Dienstgebäude des Bezirksamtes auf Halbmast geflaggt."

Während des Anschlags sollen zehn Schülergruppen aus zehn Berliner Schulen in Nizza gewesen sein. Das teilte die Sprecherin der Senatsverwaltung, Beate Stoffers, am Freitagnachmittag mit. Nach Informationen der Senatsverwaltung sind Schüler und Lehrer der folgenden Schulen "körperlich unversehrt":

  • Albert-Einstein-Gymnasium
  • Gabriele-von-Bülow-Gymnasium
  • Gerhart-Hauptmann-Gymnasium
  • Heinz-Berggruen-Gymnasium
  • Max-Planck-Schule (Gymnasium)
  • Marie-Curie-Gymnasium
  • Otto-Nagel-Gymnasium
  • Romain-Rolland-Gymnasium
  • Wilma-Rudolph-Oberschule

Nach Angaben der Berliner Bildungsverwaltung kehrten am Samstag die letzten Jugendlichen und Betreuer von zehn Berliner Schulen von ihren Klassenfahrten nach Nizza zurück. Mitschüler der betroffenen Klasse sollen bereits am Freitagabend gegen 23:00 Uhr wieder in Berlin gelandet sein. Sie wurden von Seelsorgern am Flughafen Tegel in Empfang genommen.

Französischer Botschafter Etienne und Regierender Bürgermeister Müller zu Nizza

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte bei einer Erklärung vor dem Brandenburger Tor am Nachmittag: "Wir müssen leider auch davon ausgehen, dass Berliner unter den Opfern sind." (Erklärung ab Minute 11:00 im Video)

 

Die Mutter eines Mädchens aus der betroffenen Klasse schilderte dem rbb die Ereignisse der vergangenen Nacht aus ihrer Sicht. Demnach habe gegen 1:30 Uhr eine Freundin ihrer Tochter an der Tür Sturm geklingelt und sie über den Anschlag informiert. Eine Lehrerin und zwei Schüler der Klasse seien getötet worden, so die Freundin.

Die Mutter einer Berliner Schülerin, die während des Anschlags in Nizza war. (Quelle: rbb)
Die Tochter dieser Frau war während des Anschlags in Nizza.

Weiter sagte die Mutter, sie habe daraufhin verzweifelt versucht, ihre Tochter zu erreichen. Ein Handykontakt sei zunächst schwierig gewesen, da das Netz zusammengebrochen war. Schließlich sei es gelungen, SMS auszutauschen. Die Tochter habe geschrieben, sie halte sich mit dem Rest der Klasse in ihrem Hotelzimmer auf.

Mindestens 84 Menschen getötet

Am späten Donnerstagabend war in der südfranzösischen Stadt Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast, die auf der Küstenstraße der Stadt das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag verfolgte. Mindestens 84 Menschen wurden bei dem Attentat getötet. Es gibt zahlreiche Schwerverletzte.

Der Fahrer des Kühlwagens wurde von der Polizei erschossen. Er ist mittlerweile identifiziert worden. Die in dem Lastwagen gefundenen Personendokumente stimmten mit den Daten des Mannes überein, der mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge gerast war, sagten französische Ermittler. Es handle sich um einen 31-Jährigen tunesischer Abstammung, der in Nizza gemeldet war. Verbindungen zu Extremisten seien nicht bekannt. ARD-Korrespondentin Ellis Fröder berichtet unter Berufung auf französische Medienberichte, der mutmaßliche Attentäter habe drei Kinder. Ob es Komplizen gab, sei weiterhin unklar.

Tricolore an Botschaft statt am Brandenburger Tor

In Gedenken an die Opfer von Nizza erstrahlte am Freitagabend die französische Botschaft am Pariser Platz in den Nationalfarben des Landes. Die Tricolore wird nicht wie nach den letzten Anschlägen auf das Brandenburger Tor projiziert, da das Wahrzeichen wegen eines Festes von einer Bühne und von Gerüsten umstellt ist. Das dort geplante deutsch-französische Freundschaftsfest sollte eigentlich bereits am Freitag beginnen, die Eröffnung wurde nun aber auf Samstag verschoben.

Frankreichs Botschafter in Berlin, Philippe Étienne, betonte im rbb, nun gehe es um gegenseitige Solidarität. Seine Nation werde sich nicht erpressen lassen und nicht nachgeben. Ètienne wörtlich: "Unsere Nation ist stark, wir lassen uns nicht spalten." Vor der Botschaft wurden am Freitag Blumen niedergelegt, die Nationalflagge auf dem Dach des Gebäudes wehte auf halbmast. Vor dem abgesperrten Gebäude wurden eine französische und eine EU-Flagge ebenfalls auf halbmast gesetzt.

Französische Behörden: "Bewohner sollen zu Hause bleiben"

Das Auswärtige Amt in Berlin hat nach den Anschlägen seine Reise- und Sicherheitshinweise für Frankreich aktualisiert. Die französischen Behörden fordern Bewohner auf, zu Hause zu bleiben, heißt es darin. Es wird dringend geraten, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten. Staatspräsident Hollande kündigte an, den Ausnahmezustand in dem Land erneut zu verlängern. An Berlins Flughäfen sind derweil Bundespolizisten mit Maschinenpistolen auf Patroullie.

Nach Auskunft der Bundespolizei-Pressestelle in Potsdam kontrolliert die Bundespolizei den grenzüberschreitenden Verkehr zu Frankreich verstärkt. Das würde auch auf die Flughäfen Tegel und Schönefeld zutreffen. Angaben dazu, in welchem Ausmaß und wielange diese Kontollen stattfinden, wollte der Sprecher aus einsatztaktischen Gründen nicht machen.

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