Die Karl-Marx-Straße mit dem Rathaus Neukölln in Berlin, aufgenommen am 16.06.2016 aus einem Forschungs-Zeppelin des Helmholtz-Zentrums (Quelle: dpa/Bernd Settnik)

Obdachloser greift zur Waffe - Festnahme nach Messerangriff im Rathaus Neukölln

Weil er mit seinem Schlafplatz nicht zufrieden war, hat ein Obdachloser einen Mitarbeiter des Rathauses Neukölln am Montag durch Messerstiche verletzt. Ein Wachmann, der hinzukam, wurde ebenfalls verletzt. Die beiden Männer kamen ins Krankenhaus, der mutmaßliche Täter wurde am Montagabend festgenommen.

Nachdem im Rathaus Neukölln an der Karl-Marx-Straße am Montagmorgen zwei Menschen mit einem Messer verletzt wurden, ist der mutmaßliche Täter am Abend gegen 18 Uhr von der Polizei in Oberschöneweide festgenommen worden. Beim Täter soll es sich um einen 57-jährigen Obdachlosen handeln, der wegen seiner Unterbringung unzufrieden war und daher zur Waffe griff. Der Mann befindet sich nun in Polizeigewahrsam.

Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich nicht um eine wahllose Tat, sagte ein Polizeisprecher. Den Mitarbeitern sei der Angreifer bekannt gewesen.

Franziska Giffey (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, steht in der Eingangstür der sozialen Wohnungshilfe
Franziska Giffey (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Neukölln

Messeropfer geht es "den Umständen entsprechend" gut

Wie Bezirksbürgermeistern Franziska Giffey (SPD) auf einer am Mittag einberufenen Pressekonferenz sagte, ereignete sich der Vorfall gegen 9.30 Uhr in der sozialen Wohnhilfe, einer Abteilung des Sozialamtes, die im Rathaus untergebracht ist. Die Polizei hatte am Morgen per Twitter von dem Zwischenfall berichtet.

Der Mann sei in die Räumlichkeiten gestürmt, habe eine Mitarbeiterin zur Seite gedrängt und sei dann auf einen anderen Mitarbeiter losgegangen. Wie Giffey sagte, war der Mann mit einem "Jagdmesser" bewaffnet. Damit habe er sein Opfer verletzt - "unter der Brust, auf der rechten Seite". Anschließend sei der Mann wieder hinausgestürmt und mit einem Mitarbeiter des Wachschutzes zusammengestoßen; dieser sei ebenfalls verletzt worden. Der Mitarbeiter der Wohnhilfe, sagte Giffey weiter, sei ins Krankenhaus gekommen. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut." Die Wohnhilfe wurde für den Rest des Tages geschlossen.

Mitarbeiter sollten sich in Büros einschließen

Giffey bestätigte dem rbb, dass unmittelbar nach der Attacke eine Mitteilung an alle Mitarbeiter gegangen ist, in der diese aufgefordert wurden, ihre Büros nicht zu verlassen und diese auch abzuschließen. Nach einer Stunde sei Entwarnung gegeben worden.

Wie Giffey weiter sagte, ist der 57-jährige mutmaßliche Täter bereits in der vergangenen Woche im Rathaus gewesen. Er sei in einer Unterkunft für wohnungslose Menschen untergebracht, dort aber nicht zufrieden gewesen. "Er wollte lieber ein Einzelzimmer", sagte Giffey der rbb-Welle radioBERLIN.

Die Verabredung sei gewesen, dass er in dieser Woche noch einmal in der Wohnhilfe vorspricht. Stattdessen sei er ohne Anmeldung bereits am Montag erschienen und "sofort auf den Frontalangriff gegangen". Daher hätten die Mitarbeiter keine Möglichkeit gehabt, "deeskalierend zu reagieren", sagte die SPD-Politikerin. Es sei aber der erste Vorfall dieser Art im Rathaus Neukölln gewesen.

Wachschutz in der Wohnhilfe soll aufgestockt werden

Im Rathaus wird nun über Konsequenzen nachgedacht. Zwar sei im Bereich der Wohnhilfe bereits seit drei Jahren ein Wachschutz tätig, sagte Giffey; dieser solle nun aber weiter aufgestockt werden. "Der Wunsch der Kollegen ist, dass die Mitarbeiter des Wachschutzes nicht zwischen der ersten und dritten Etage wechseln, sondern dass es permanent einen Wachschutz auf beiden Etagen gibt", sagte Giffey dem rbb.

Mit Informationen von Thomas Weber

Das könnte Sie auch interessieren

In der Heynstraße in Pankow ist ein Baum auf ein Auto gefallen. (Quelle: rbb | Ulrike Gerster)

Schäden Berlin und Brandenburg - Aufräumen nach Sturmtief "Paul"

Sturmtief "Paul" hat auch am Freitag die Region noch auf Trab gehalten. Allein in Berlin rückte die Feuerwehr etwa 300 Mal aus, in Brandenburg mehr als 1.000 Mal. Nach vielen Ausfällen stellte sich im Zugverkehr und an den Flughäfen im Laufe des Tages der Normalbetrieb ein.