Ein als sogenannter Horror-Clown verkleideter Mann in einer Tiefgarage (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Psychologie-Professor Jürgen Margraf - "Horror-Clowns sind arme Würstchen"

Der Grusel-Clown-Hype ist in Deutschland mit voller Wucht angekommen. Dutzende Vorfälle registrierte die Polizei in den letzten Tagen. Doch die Täter sind meist keine Straftäter, sondern "arme Würstchen", bilanziert Psychologie-Professor Jürgen Margraf.

Bei den sogenannten Horror-Clowns handelt es sich nach Ansicht von Experten in den allermeisten Fällen nicht um Straftäter, sondern um Menschen mit psychischen Defiziten. Wie Jürgen Margraf, Professor für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum, dem rbb sagte, seien es meist Menschen, die sich durch das Erschrecken anderer erhöhen oder Macht ausüben wollen.

Nach Einschätzung des Psychologen handelt es sich bei den meisten Aktionen der vergangenen Tage um Dumme-Jungen-Streiche. Menschen würden sich gewöhnlich auf positivem Weg Anerkennung von anderen Menschen holen, erklärte Margraf. Die "Horror-Clowns" seien damit aber gescheitert und versuchten nun, sich Anerkennung oder Aufmerksamkeit zu verschaffen, indem sie Macht über andere ausüben. Das könne man, indem man Leute erschreckt. "Die Täter wollen Aufmerksamkeit und sich erhöhen. Um es kurz zu sagen: Es sind arme Würstchen." Menschen, die auf anderem Weg Anerkennung bekommen, hätten das nicht nötig, so der Psychologe.

Straftäter könnten Hype ausnutzen

Margraf warnte aber, Straftäter könnten auf den Zug aufspringen, sollten die Auftritte von "Horror-Clowns" weiter anhalten. Der Experte wies auch darauf hin, dass durch vermehrte Berichte sich die Wahrscheinlichkeit von Nachahmertaten erhöhe.

Nach Einschätzung des Experten verschwindet der Trend der "Horror-Clowns" aber voraussichtlich bald wieder. Es sei kein Zufall, dass die Fälle sich häufen, wo Halloween vor der Tür stehe, sagte Margraf der rbb-Welle Radioeins. Es gehe ja bei dem Phänomen darum, sich von der Masse abzuheben: "Wenn tausende von Hexen und Zauberern rumlaufen, fällt ein Clown mehr auf", erklärte Margraf. Da die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen kurz sei, geht der Psychologie-Professor davon aus, dass "Horror-Clowns" innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten Geschichte sind.

Das Erschrecken sorgt für den Grusel

Die starke Wirkung der "Horror-Clowns" erklärt der Experte mit den überzogenen Gesichtszügen. "Wir sind bei Geburt schon dazu befähigt, Gesichter besonders wahrzunehmen und zu erkennen", erklärte Margraf. Das Clownsgesicht sei "eine Übertreibung von etwas, auf dass wir biologisch ausgerichtet sind." Die Angst komme aber nicht automatisch durch die Maske, sondern durch das, was die Clowns tun - das plötzliche Erscheinen, also das Erschrecken.

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