Obdachlose haben sich eine Schlafstatt eingerichtet in Prenzlauer Berg (Quelle: imago/Sabine Gudath)

Kältehilfe für Obdachlose startet in neue Saison - Noch fehlen 100 Schlafplätze

In kalten Nächten nicht auf der Straße schlafen: Das ermöglicht die Berliner Kältehilfe Obdachlosen in den kommenden fünf Monaten. Doch die Zuschüsse vom Senat reichen kaum aus, um die Frierenden zu versorgen. Von Anne Kohlick

Mit dem November kommt die Kälte: Die Temperaturen nähern sich nachts wieder dem Gefrierpunkt. Am empfindlichsten trifft das die Obdachlosen, die auf Berlins Straßen übernachten. Um sie vor dem Erfrieren zu retten, stellt die Berliner Kältehilfe seit dem 1. November bis Ende März 2017 wieder hunderte Schlafplätze in Notunterkünften und Nachtcafés zur Verfügung. Die Kältehilfe, an der sich das Deutsche Rote Kreuz, die Caritas, die Diakonie und evangelische sowie katholische Kirchengemeinden beteiligen, startet in ihre 27. Saison.

Die Organisatoren schätzen, dass in diesem Winter rund 800 Menschen Übernachtungsplätze brauchen. Derzeit stünden aber nur 550 Plätze zur Verfügung. Auch wenn im Dezember noch etwa 100 Plätze in einer Tragluftwärmehalle hinzukämen, würden rund 100 Übernachtungsmöglichkeiten fehlen.

Im vergangenen Januar waren 95 Prozent der Betten belegt

Im Winter 2015 / 2016 übernachteten im Schnitt 760 Menschen in den Notunterkünften der Kältehilfe, an Spitzentagen sogar 836. Das waren mehr Schlafplätze, als die Kältehilfe jemals zuvor anbieten konnte. Ohne Spenden und die Hilfe von Freiwilligen wäre das nicht möglich gewesen. Dass es nötig war, die Betten aufzustocken, zeigt die hohe Auslastung von durchschnittlich 91 Prozent. Im kalten Januar waren sogar 95 Prozent der Schlafplätze belegt.

Kältehilfe findet kaum bezahlbare Räume

Für diese Saison hat sich die Kältehilfe zum Ziel gesetzt, mindestens genauso viele Schlafplätze bereitzustellen wie im vergangenen Winter. Ob das zu schaffen ist, bezweifelt Robert Veltmann von der GEBEWO - Soziale Dienste, einer der Organisatoren der Berliner Kältehilfe: "Es ist für uns in den letzten Jahren immer schwerer geworden, bezahlbare Räume zu finden, die wir für die kalten Monate von November bis März anmieten können." Das liege einerseits daran, dass viele leerstehende Gebäude als Notunterkünfte für Flüchtlinge gebraucht werden, sagt Robert Veltmann rbb24. Andererseits entwickle sich der Berliner Immobilienmarkt so rasant, dass mittlerweile auch Mieten für Gewerbeflächen in die Höhe schnellen.

Das ist einer der Gründe, aus dem die Kältehilfe eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse fordert: Statt bisher 15 Euro pro Schlafplatz und Übernachtung seien mindestens 25 Euro nötig, um die Obdachlosen zu betreuen und zu verpflegen. Diese Forderung wird der Senat aber nicht erfüllen - die Zuschüsse steigen zwar, aber nur auf 17 Euro pro Nacht und Schlafplatz.

Immer mehr Wohnungslose in Berlin

Nicht nur die steigenden Mieten sind eine Herausforderung für die Kältehilfe - auch die Zahl der Wohnungslosen in Berlin wächst: Ende 2015 erfasste die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales rund 16.700 Menschen, die keinen eigenen Mietvertrag haben, sondern von den Bezirken in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe oder Hostels untergebracht werden. 2014 gab es nur 9.600 Wohnungslose in Berlin. Den rapiden Anstieg erklärt die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales unter anderem damit, dass auch anerkannte Asylberechtigte, die noch keine Wohnung gefunden haben, zu den Wohnungslosen gezählt werden.  

3.000 bis 6.000 der Berliner Wohnungslosen - so schätzt die Diakonie - leben auf der Straße und sind obdachlos. Statistisch werden sie nicht gesondert erfasst. Die Obdachlosen ohne Erfrierungen über den Winter zu bringen, ist das Ziel der Kältehilfe. Im vergangenen Januar war - trotz der Angebote des Netzwerks - ein Mann in der Nähe des Kurfürstendamms erfroren.

Beitrag von Anne Kohlick

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