"Wild-Geflügelpest Sperrbezirk" steht am 20.11.2016 in Berlin auf dem Schild an einem Laternenpfahl im Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Sechs tote Vögel geborgen - Weitere Verdachtsfälle auf Vogelgrippe in Berlin

Am Landwehrkanal wurde vergangene Woche der erste Vogelgrippe-Fall in Berlin entdeckt: Ein mit dem Virus H5N8 infizierter Schwan. Nun gibt es offenbar weitere Verdachtsfälle: Am Samstag sind insgesamt sechs tote Tiere geborgen worden.

In Berlin gibt es offenbar immer weitere Verdachtsfälle von Vogelgrippe. Wie die Feuerwehr dem rbb am Sonntag bestätigte, wurden am Samstag insgesamt sechs tote Vögel geborgen, darunter mindestens ein toter Schwan. Vergangenen Mittwoch war am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg ein toter Schwan entdeckt worden, der mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert war. Bekannt geworden war das allerdings erst am Freitag. Es war der erste Fall der Geflügel-Pest in Berlin.

Die Polizei sowie Joachim Wenz, der Leiter des Ordnungsamtes von Friedrichhain-Kreuzberg, hatten rbb|24 bereits am Samstag den Fund eines zweiten toten Schwans an der Mehringbrücke bestätigt. Der Fundort liegt nur etwa einen Kilometer von dem des mit H5N8 infizierten Schwans entfernt.

Ob die geborgenen toten Vögel ebenfalls mit dem Virus infiziert sind, müsse jetzt das Landeslabor überprüfen, sagte Peter Beckers, Ordnungsamt-Stadtrat von Kreuzberg-Friedrichshain, rbb|24. Dort wird die Todesursache der Tiere festgestellt. Sollte sich ein neuer Fall bestätigen, dann "sei das kein Problem von Kreuzberg mehr, sondern ein Problem für die gesamte Region Berlin", so Beckers.

Fundorte der Schwäne

"Viele tote Vögel in Berlin"

Der Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, Lars Hoffmann, sagte gegenüber rbb|24 am Sonntagvormittag, dass er derzeit keine Information darüber habe, ob es sich um eine sogenannte "Seuchenlage" handelt. Diese wird durch den zuständigen Veterinär des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg festgelegt. Erst dann würde der Wochenend-Notdienst des Landeslabors damit beauftragt, tote Vögel auf den H5N8-Virus zu überprüfen.

"Wir finden jeden Tag tote Vögel in Berlin. Es findet auch ein Monitoring statt, also die Tiere werden immer untersucht. Momentan gibt es aber meines Wissens keine akute Seuchenlage, so dass das Landeslabor frühestens am Montag nähere Untersuchungen durchführen wird", so Hoffmann.

Sperrkreise, Warnung an Hunde- und Katzenhalter

Der am Freitag bekannt gewordene Fund hatte zur Folge, dass in der Hauptstadt verschärfte Schutzbestimmungen in Kraft traten. Um die Baerwaldbrücke wurde noch am Freitag ein Sperrkreis von drei Kilometern gezogen. Dort dürfen Hunde und Katzen nicht frei herumlaufen. Für Geflügel gilt in ganz Berlin eine Stallpflicht: Gehaltenes Geflügel darf ab sofort nur noch in geschlossenen Ställen oder unter einer Schutzvorrichtung gehalten werden. Einige Bezirke hatten die Stallpflicht bereits vorsorglich verhängt. Zudem wurde die Durchführung von Geflügelausstellungen und -märkten untersagt.

Ein weiterer Sperrkreis hat einen Radius von zehn Kilometern. In diesem Gebiet wird die weitere Entwicklung in den kommenden 15 Tagen intensiv beobachtet. Es schließt den Zoologischen Garten in Tiergarten und knapp auch den Tierpark in Friedrichsfelde mit ein. Berlin ist das zehnte Bundesland, in dem die Vogelgrippe und der Virus H5N8 nachgewiesen werden konnten. Die meisten Fälle gibt es derzeit am Bodensee.

Sperrkreis nach dem Fund an der Baerwaldbrücke

Auf einer Berlinkarte ist ein Sperrkreis mit drei Kilometern Radius eingezeichnet (Quelle: rbb/Bing Karten)

Derzeit keine Auswirkungen auf Brandenburg

Der erste Vogelgrippe-Fall in Berlin hat bislang keine Auswirkungen auf Brandenburg. Der Sperrbezirk reiche nicht über die Hauptstadtgrenze hinaus, teilte eine Sprecherin des märkischen Verbraucherschutzministeriums am Samstag auf Anfrage mit. "Da es bereits jetzt eine risikoorientierte Aufstallung bei uns gibt, gibt es zurzeit keinen weiteren Handlungsbedarf für Brandenburg."

In Brandenburg gibt es bislang keine Verdachtsfälle. Dennoch gilt hier schon seit Tagen eine Stallpflicht - und zwar flächendeckend für Hühner, Gänse, Enten und Puten in den Landkreisen Barnim, Havelland, Oberhavel, Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Uckermark.

In fast allen restlichen Landkreisen gilt die Maßnahme nur in ausgewiesenen Risikogebieten, so unter anderem in einigen Ortsteilen von Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Märkisch-Oderland, Oberspreewald-Lausitz und Oder-Spree, oder etwa in der Stadt Beelitz (Potsdam-Mittelmark) und im Teichgebiet Peitz (Spree-Neiße). Eine detaillierte Auflistung hat das Brandenburger Ministerium für Verbraucherschutz im Internet veröffentlicht.

Infektionsrisiko für den Menschen ist äußerst gering

Bekannt ist das H5N8-Virus schon seit Jahrzehnten. Eine für Wildvögel sehr gefährliche Variante tauchte nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zum ersten Mal Anfang 2014 bei Geflügel in Südkorea auf. Mehrere Millionen Vögel mussten sicherheitshalber getötet werden. Auch infizierte Wildenten wurden entdeckt, die aber weniger stark erkrankten. Im November 2014 wurden solche H5N8-Viren auch in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt.

Im Gegensatz zum Virustyp H5N1 sind Infektionen beim Menschen durch H5N8 laut FLI bislang nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung zwar "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Das könnte Sie auch interessieren