Schutt steht am 30.11.2016 vor einem autonomen Wohnprojekt in der Köpenicker Straße in Berlin. Auf dem Gelände wurde eine tote junge Frau entdeckt. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)

Todesfall in alternativem Wohnprojekt "Köpi" - Haben Hausprojekt-Bewohner Rettungskräfte behindert?

In dem autonomen Hausprojekt "Köpi" ist in der Nacht zu Mittwoch eine tote Frau gefunden worden. Herbeigerufene Rettungskräfte alarmierten die Polizei. Berichte, wonach sie nicht zur leblosen Person vorgelassen wurden, bestätigen sich nach Recherchen von rbb|24 nicht. Von Robin Avram

Rettungskräfte sind in der Nacht auf Mittwoch gegen 23 Uhr in den Hof des Hausprojekts "Köpi" zu einer leblosen Frau gerufen worden. Die Rettungskräfte konnten nur noch ihren Tod feststellen. Sie war laut einem Polizeisprecher 27 Jahre alt und stammt nicht aus Berlin. Die Todesursache soll nun bei einer Obduktion geklärt werden.

Wie die B.Z. meldete, sollen die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert worden sein, deshalb hätten sie die Unterstützung von Polizisten anfordern müssen. Nach Recherchen von rbb|24 ist es aber zumindest fraglich, ob das zutrifft. Laut Frank Drewes vom Lagedienst der Berliner Feuerwehr habe ein Hausbewohner selbst den Notarzt gerufen, weil die 27-jährige Frau einen Kreislaufstillstand erlitten habe. Mit telefonischen Anweisungen der Leitstelle hätte der Bewohner eine Laienreanimation versucht, bis der Notarzt eintraf. Der Notarzt-Wagen sei ohne Behinderungen auf das Gelände gelassen worden.

Nachdem der Notarzt den Tod der Frau feststellte, alarmierten die Rettungskräfte die Polizei - ein Standard-Verfahren bei ungeklärter Todesursache. Allerdings baten die Rettungskräfte anders als in einem Standardfall um eiliges Eintreffen der Polizei. Ob die Rettungskräfte dies taten, weil sie sich bedroht fühlten, gehe laut Drewes aus dem Einsatzprotokoll nicht hervor.

Polizei fühlte sich nicht behindert - GdP-Sprecher übt dennoch Kritik

Auf Anfrage von rbb|24 bestätigte Polizeisprecher Martin Dams, dass die Polizei mit etwa 20 Beamten und mehreren Polizeifahrzeugen zur Köpenicker Straße gefahren seien. Anschließend habe es ein Gespräch zwischen dem Einsatzleiter und einem Sprecher der Bewohner des Hausprojekts gegeben. Dann einigte man sich darauf, dass drei Polizeibeamte das Gelände betreten durften. "Behinderungen, die einen Einsatz der Polizei erforderlich gemacht hätten, hat es nicht gegeben", so Dams.

Die Medienberichte, dass die Rettungskräfte "Polizeischutz" anforderten, haben unterdessen zu einer erregten Debatte geführt. "Es ist nicht das erste Mal, dass solche Behinderungen stattfinden, wenn es Einsätze vor alternativen Wohnprojekten gibt. Es kann nicht sein, dass Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert werden. Und es geht auch nicht, dass Polizisten in einem solchen Fall erst darüber verhandeln müssen, ob sie ein Wohnprojekt betreten dürfen", sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, rbb|24.  

Schreiber kommentierte offenbar voreilig das Geschehen

Der SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber kommentierte per Twitter: "Unerträglich, dass Linksautonome billigend in Kauf nehmen, dass ein Mensch stirbt, weil sie die Rettungskräfte nicht in die Köpi 137 lassen." Die Grünen-Politikerin Canan Bayram konterte dem neuen Koalitionskollegen auf Twitter: "Geht's noch? Unklug wer nicht belegte Behauptung benutzt,um ihm unliebsame Menschen zu diskreditieren."

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Nein, wenn kein richterlicher Beschluss vorliegt oder eine Gefahrenlage besteht, darf die Polizei nur mit Erlaubnis des Besitzers ein Grundstück betreten. Das ist die Rechtslage, an die sich auch die Polizei halten muss. Punktum.

  2. 4.

    Gerade sind in Mitteldeutschland Welche deswegen zu langjaehrigen Haftstrafen verurteilt worden.
    Aber ich glaube, die hatten die "falsche" Gesinnung.

  3. 3.

    Mal wieder eine ekelerregende Verleumdungsaktion von BILD, BZ und co. Auch laut Zeugenberichten war das Gegenteil der Fall. So sollen die Bewohner unsere Rettungsräfte zur Hilfe gebeten haben und auch die Kollegen von der Polizei ohne Einschränkungen ihren Einsatz durchführen lassen. Die Berichterstattung der erwähnten Schmierblätter kann man nur als Sensationsgier deuten und sollte streng hinterfragt werden. Das die Frau bereits tot war und die Bewohner dadurch die Rettungsmaßnahmen gar nicht behindert hätten können wird hier bewusst verschwiegen. Das durch diesen Schreibstil erzeugte Klima ist sicher nicht was wir in diesem Land gerade brauchen können. Einfach abscheulich und nichts als Verleumdung!!!

  4. 2.

    Genau, davon wird unsere Republik noch zu Grunde gehen...Als hätten wir nicht wirklich Wichtigere Probleme....

  5. 1.

    Man einigte sich darauf das drei Polizeibeamte das Gelände betreten dürfen. Das ist ein mehr als übler Vorgang. Die Beamten, egal wie viele es sind nehmen hoheitliche Aufgaben wahr. Diesem haben sich alle zu beugen. Punktum.

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