Archivfoto: Eingang zum U-Bahnhof Schönleinstraße in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Steinach)
Video: Abendschau | 25.12.2016 | Heike Bettermann

Vorfall im U-Bahnhof Schönleinstraße - Unbekannte wollten in Berlin Obdachlosen anzünden

U-Bahnhof Schönleinstraße, in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag: Fünf bis sechs Unbekannte versuchen, einen Obdachlosen anzünden. Zeugen schreiten ein, der Mann bleibt zum Glück unverletzt. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes.

Unbekannte haben in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag am Berliner U-Bahnhof Schönleinstraße versucht, einen Obdachlosen anzuzünden. Dem "sofortigen und beherzten Eingreifen" von Zeugen sei es zu verdanken, dass der Obdachlose nicht verletzt wurde, teilte die Polizei am Sonntag mit.

 

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag gegen 2 Uhr. Die Polizei geht derzeit von fünf bis sechs Tätern aus. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren es Jugendliche. Der Obdachlose habe auf einer Bank geschlafen, als er mit einem brennenden Gegenstand attackiert worden sei. Die Helfer hätten die Flammen an dem Papier gelöscht, mit dem sich der Mann offenbar zugedeckt hatte.

Anderen Angaben zufolge hatte der Obdachlose die Gefahr selbst bemerkt und seinen Schlafplatz verlassen. Der Fahrer einer U-Bahn sah den Brand und kam mit einem Feuerlöscher zu Hilfe. Die Habseligkeiten des Obdachlosen hätten aber gebrannt.

Innensenator Geisel dankt den Helfern

Weil das Opfer gezielt angegriffen worden sei, handele es sich um sogenannte Hass-Kriminalität. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen; die Tat werde als Mordversuch gewertet, hieß es. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich entsetzt: "In diesen Tagen sollten wir Nächstenliebe erwarten. Stattdessen erleben wir Menschenverachtung." Er danke allen, "die beherzt geholfen haben. Das ist Mitmenschlichkeit."

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) öffnen im Winter nachts traditionell einige U-Bahnhöfe für Schutz- und Wärmesuchende. In der Weihnachtsnacht herrschte am U-Bahnhof Schönleinstraße aber ganz regulärer Betrieb, denn die Züge fahren während der Feiertage rund um die Uhr.

U-Bahn-Treter mit Videobildern überführt

Erst kürzlich hatte der Fall des U-Bahn-Treters in Berlin-Neukölln bundesweit für Empörung gesorgt. Ein Mann hatte eine Frau im Bahnhof Hermannstraße, der ebenfalls videoüberwacht wird, unvermittelt auf einer Treppe in den Rücken getreten. Die Polizei hatte Kritik auf sich gezogen, weil sie erst nach mehreren Wochen mit Videobildern nach dem Täter suchte. Der Tatverdächtige wurde inzwischen gefasst.

Dass es innerhalb kurzer Zeit zwei solche Fälle gegeben habe, sei aber kein Beleg für allgemein steigende Zahlen. "Solche Gewaltvorfälle häufen sich nicht", betonte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Sonntag. Den Höhepunkt vergleichbarer Fälle habe die BVG 2011 mit 880 Gewalttaten gegen Menschen registriert. Seitdem seien die Zahlen stark zurückgegangen - 2015 seien es noch 484 Fälle gewesen. "Es spricht sich herum, dass die Bahnhöfe videoüberwacht sind", sagte Reetz. Oft komme es nur noch zu Taten im Affekt.

Immer wieder Übergriffe auf Obdachlose

Doch auch außerhalb von Bahnhöfen kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Obdachlose. Erst Mitte Dezember war ein Obdachloser in Berlin-Mitte von Unbekannten mit einem Messer bedroht und ausgeraubt worden. Ein Mann hatte den 41-Jährigen an der Weidendammer Brücke zunächst nach einer Zigarette gefragt. Plötzlich habe er sein Opfer mit einem Messer bedroht und das Handy sowie Geld gefordert. Zwei Komplizen kamen dem Räuber zu Hilfe und entwendeten zudem einen Beutel, in dem sich der Schlafsack des Obdachlosen befand. Sie flüchteten mit ihrer Beute in unbekannte Richtung.

"Was passiert ist, tut mir sehr leid. Aber aus meiner Sicht häuft sich das nicht", sagt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, die in der Hauptstadt vielen Menschen auf der Straße hilft. In Berlin haben Tausende Menschen keine Wohnung. Die genaue Zahl ist unbekannt - geschätzt wird sie je nach Quelle und Definition auf 3.000 bis 10.000. Experten gehen von zunehmender Obdach- und Wohnungslosigkeit in der Hauptstadt aus. Die Berliner Kälthilfe bietet in diesem Winter rund 700 Schlafplätze.

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