Zwischen der Friedenskirche und Uferpromenade hätte sich ein Trump Tower besonders hübsch gemacht (Quelle: imago/Jürgen Ritter | Collage: rbb|24)
Video: zibb | 2004

Make Frankfurt (Oder) great again - Als Donald Trump in Frankfurt (Oder) ein Kasino bauen wollte

Kein Witz, Donald Trump wollte einst ein Kasino mit Blick über die Oder bauen. Das internationale Flair des brandenburgischen Frankfurts sowie ein einmaliger Umstand im Spielbankgesetz sollten zum Jackpot für alle werden. Von Oliver Noffke

Ehefrau Nummer drei, Melania, stöckelt mit Lieblingstochter Ivanka durch die Lennépassage. Die Söhne Donald Jr. und Eric lassen sich am Brunnenplatz die Haare zurück gelen. Während das zehnjährige Nesthäkchen Barron im Wildpark Ponys für sich tanzen lässt, wird Tiffany, das vermeintliche schwarze Schaf der Familie, zum Zigarettenholen nach Polen geschickt. Um solche Szenen wäre das Leben in Frankfurt (Oder) bereichert worden, hätte Donald Trump, wie vor 13 Jahren angekündigt, dort ein Kasino gebaut.

Echt wahr. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wollte 2004 im Oderbruch was ganz Großes aufziehen. Damals war in Frankfurt (Oder) die letzte Lizenz für eine Spielbank in der Bundesrepublik frei. Nur hier durften noch Roulette- und Black-Jack-Tische aufgestellt werden. Ein Glückstreffer für Trump und für die Stadt, hoffte man. Win-Win, sozusagen. Nun ja …

Make Frankfurt (Oder) great again!

Trumps Firma wollte 60 Millionen Euro investieren, hieß es. Neben einem großen Kasino wäre in der Stadt ein neues Hotel gebaut worden – mit vier Sternen. Mindestens. Im Rathaus freute man sich besonders auf die in Aussicht gestellten 100 neuen Arbeitsplätze. Für den berühmten Bauherrn wiederum wären die Kosten für das Unterfangen, sagen wir mal, Peanuts gewesen. In sein Trump Taj Mahal im Spielerparadies Atlantic City an der US-Ostküste habe er einst eine Milliarde investiert. Für diese Unsumme wurde die Welt mit dem achten Weltwunder beglückt, fand Trump. Heute ist es wegen Insolvenz geschlossen.

Immerhin funkelt der Familienname noch in Las Vegas am Trump International Hotel, einer Art 190 Meter hohem Goldbarren zum Rausschauen. Überhaupt Las Vegas: Frankfurt (Oder) brauche sich hinter der Glitzerstadt nicht zu verstecken, stellte die rbb-Sendung Zibb 2004 fest. Das Erscheinungsbild beider Städte wird - zumindest tagsüber - von der Neubauarchitektur bestimmt. Erst wenn die Sonne untergeht, erstrahlt die eine, während es in der anderen duster aussieht.

Ein Sprecher der Stadt beschrieb Frankfurts Vorzüge damals so: "Die Art und Weise, wie Donald Trump seine Spielstätten betreibt - das sind ja dann geschlossene Systeme, die auch ohne Umwelt und ohne Umland leben können." Zudem sei die letzte brandenburgische Metropole vor der Grenze ja das Tor zu Osteuropa und dadurch nun wirklich international. Man muss nicht immer alles negativ sehen. Chapeau!

Hätte man mal die Berliner nach Trump gefragt...

Allerdings hätte man in Frankfurt (Oder) 2004 etwas misstrauischer sein können. Nicht nur, dass Trump bereits mit unzähligen Klagen von Angestellten überzogen worden war und diverse Insolvenzverfahren an der Backe hatte, nein, 80 Kilometer weiter westlich in Berlin hatte man bereits Erfahrungen mit Ankündigungen für goldene Türme gemacht. Im Jahr 2000 wollte Trump am Alexanderplatz ein Hochhaus bauen.

Der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) war sogar bereit, dem US-Milliardär (Selbstauskunft) von der lästigen 150 Meter Höhenbeschränkung an diesem Ort zu befreien. "An ein paar Metern soll das Projekt nicht scheitern", wurde Diepgen zitiert. Denn unter 200 Meter Höhe baut Trump nicht, sagte ein Sprecher seines Deutschlandbüros. (Man sollte besser aber auch nicht in Las Vegas nachmessen.)

Am Ende stieg Donald Trump aus seiner eigenen TD Trump Deutschland AG aus, wurde dafür von der Firma verklagt, die später wegen eines Bestechungsskandals aufgelöst wurde. Seither trauern die Berliner über den nicht errichteten Goldbarren zum Rausschauen. Ob Donald Trump irgendwann die Zeit finden wird, Berlin oder Frankfurt (Oder) great again zu machen, wird sich zeigen. Jetzt will er sich ja erst einmal um Amerika kümmern.

Beitrag von Oliver Noffke

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