Landarzt Amin Ballouz (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 09.01.2017 | Riccardo Wittig

Mediziner hilft Flüchtlingen in der Uckermark - Angriff auf Haus des Landarztes Amin Ballouz

Man kennt ihn in der Uckermark: Der libanesische Landarzt Amin Ballouz kam vor 40 Jahren als Flüchtling und hilft heute selbst Flüchtlingen in Schwedt. Nun wurde er Ziel eines Angriffs. Ob ein fremdenfeindliches Motiv vorliegt, wird geprüft.

Das Haus des libanesischen Landarztes Amin Ballouz in Angermünde (Uckermark) ist am Wochenende angegriffen worden. Das bestätigte die Polizei auf Nachfrage dem rbb. Demnach wurde in der Nacht zum Sonntag im Ortsteil Frauenhagen ein Stein mit aufgemaltem Hakenkreuz gegen ein Hausfenster geworfen. Zudem wurden die Reifen mehrerer Autos zerstochen.

"Kurz vor zwei habe ich einen Krach gehört. Dann bin ich sofort gerannt. Ich habe laut geschrien. Ich habe nicht das Licht angemacht, ich habe mich nicht raus getraut. Vielleicht ist da jemand der auf mich lauert. Und dann habe ich gesehen, dass das Glas im Wohnzimmer kaputt ist", sagte Ballouz am Montag dem rbb. Seine Nachbarn kamen Ballouz sofort zu Hilfe - von dem Täter oder den Tätern aber fehlte jede Spur.

Schuhabdrücke am Tatort

Die Polizei machte bislang noch keine Angaben zum Hintergrund des Angriffs. Der Staatsschutz ermittelt wegen eines möglichen fremdenfeindlichen Motivs.

Einen Bericht der "Märkischen Oder-Zeitung" vom Montagmorgen, wonach eine psychisch kranke Frau tatverdächtig sein soll, wollte die Polizeidirektion Brandenburg-Ost auf Anfrage von rbb|24 nicht bestätigen. Es seien Schuhabdrücke und weitere Spuren am Tatort sichergestellt worden, die die Kriminalpolizei derzeit auswerte, hieß es am Dienstag. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Fremdenfeindliches Handeln?

Der Arzt ist in der Uckermark bekannt und gilt bei vielen Patienten und Nachbarn als beliebt. In Pinnow und Schwedt betreibt er Hausarztpraxen. Außerdem fährt er mit seinem Auto die Dörfer der Umgebung ab, um Hausbesuche zu machen.

"Sollte es wirklich fremdenfeindliches Handeln sein, muss ich das entschieden verurteilen. Das Hakenkreuz macht sehr nachdenklich", sagte Gerhard Scholze, der Ortsbürgermeister von Frauenhagen, am Montag dem rbb.

Ballouz kam als Flüchtling - vor 40 Jahren

Ballouz' Lebensgeschichte könnte kaum aktueller sein: Er floh als 17-Jähriger vor dem Bürgerkrieg im Libanon in die DDR. Nach weiteren Stationen England und Schottland zog es den heute 58-Jährigen zurück nach Deutschland - in die Uckermark. Dort arbeitet er seit sechs Jahren als Landarzt und engagiert sich außerdem für Flüchtlinge in Schwedt.

Im vergangenen Oktober hatte Ballouz dem Deutschlandradio Kultur in einem Interview gesagt, er sei in Deutschland nie angefeindet worden: "Ich bin voll akzeptiert, die haben mich gerne, ich habe die auch gerne. Ich fühle mich in meiner Heimat - und das ist meine Heimat - sehr wohl."

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren