Audio: Studio Cottbus | 10.01.2016 | Thomas Krüger

Modellprojekt startet Ende Februar in Cottbus - Brandenburgs erste Schul-Krankenschwester trägt keinen Kittel

Eine gute Idee: Sogenannte Schul-Gesundheitsfachkräfte sollen Schüler und Lehrer in Brandenburg direkt im Schulgebäude verarzten. Doch bevor das Projekt wirklich zum Laufen kommt, wird ausführlich getestet, ob alles funktioniert. Von Thomas Krüger

Krankenschwester an der Schule: Nach langen Studien, vielen Gesprächen und theoretischer Vorarbeit ist dieses neue Projekt jetzt kurz vor dem Start: Am 23. Februar 2016 soll es richtig losgehen. Am Dienstag fanden letzte Absprachen an der Fröbel-Grundschule in Cottbus statt - das ist eine der 20 Schulen in Brandenburg, die beim Testlauf mitmachen.

Schulkrankenschwester Sybille Rudnik (rbb/Thomas Krüger)
Einen Kittel will sie nicht tragen - Sibylle Rudnik

Da sein für Lehrer und Eltern

Sybille Rudnik gehört zum Test-Team, und eines ist schon mal klar: Einen Kittel will sie nicht anziehen. "Eventuell ein T-Shirt von der Schule, damit man mich besser erkennt – aber keinen Kittel", sagt die selbstbewusste junge Frau. Rudnik ist ausgebildete Krankenschwester, wie alle anderen neun Testteilnehmer zwischen Prignitz und Südbrandenburg, zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus.

Sie sollen da sein für Lehrer und Eltern, vor allem aber für die Schüler. Niklas aus der 4b an der Cottbuser Fröbel-Grundschule findet das "cool". Er und seine Mitschülerin Leila haben ganz genaue Vorstellungen davon, wann sie eine Krankenschwester brauchen würden: "Wenn ich hingefallen bin und blute, oder wenn ich Kopfschmerzen habe."

Doch zu ihrer Arbeit gehöre es nicht nur, "Alltags-Wehwechen" zu verarzten, sagt Rudnik: "Es kommen immer mehr Kinder mit Krankheiten und eventuell auch körperlichen Beeinträchtigungen in die Schule. Da ist eine medizinische Fachkraft nötig. Auch für die Eltern ist es sehr beruhigend, zu wissen: Ich muss nicht sofort die Arbeit verlassen, sondern da ist jemand, der mein Kind fachlich gut betreut."

Fröbel-Grundschule in Cottbus (rbb/Thomas Krüger)
Beteiligt am Modellprojekt - die Cottbuser Fröbel-Grundschule

Mehr als ein Pflaster

In zehn Brandenburger Modell-Regionen wird das Krankenschwester-Projekt bis Oktober 2018 auf Tauglichkeit getestet. Schon jetzt haben andere Bundesländer ihr Interesse an den Ergebnissen bekundet. Gemeinsam mit Hessen leistet Brandenburg hier Pionierarbeit – Schulgesundheitsfachkräfte gibt es bisher nämlich noch nicht.

Die Cottbuser Fröbel-Grundschule ist eine von 20 Test-Schulen in Brandenburg. Direktorin Andrea Gründer ist davon überzeugt, dass sich das Modell sehr schnell etablieren wird: "Es ist nicht nur das Pflasterkleben, sondern gerade nach den Hofpausen kann es auch ernstere Verletzungen geben. Und dort eine Sicherheit zu erwirken – was tue ich, wie reagiere ich – das ist ganz wichtig."

Ach ja - und nur als Pflaster-Kleberin versteht sich Schulkrankenschwester Sybille Rudnik sowieso nicht: "Wenn einfach nur mal ein bisschen Angst vor einer Arbeit ist, dann hören wir zu, können Vertrauen schaffen, damit die Kinder wissen: Da können wir hingehen – was immer uns plagt."

Beitrag von Thomas Krüger, Studio Cottbus

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