ARCHIVBILD - Charité-Campus in Berlin-Mitte. (Quelle: imago/Schöning)

Ab 2018 zahlt die Krankenkasse - Charité setzt Pädophilie-Therapie für Jugendliche fort

Pädophile, das sind nicht nur erwachsene Männer - auch Jugendliche können sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Für sie gibt es seit 2014 ein spezielles Therapie-Angebot an der Berliner Charité. Die Finanzierung des Pilotprojekts ist nun gesichert.

Die Berliner Charité setzt Therapien mit Jugendlichen fort, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Die erste Pilotphase läuft Ende März aus. Das Bundesfamilienministerium werde die Finanzierung dieses Pilotprojekts für besseren Kinderschutz bis Ende des Jahres mit 200.000 Euro überbrücken, kündigte Staatssekretär Ralf Kleindiek am Dienstag in Berlin an. Ab 2018 greife dann ein Modellprojekt der gesetzlichen Krankenkassen, um die Behandlungen zu finanzieren. Diese können auf Wunsch auch anonym durchgeführt werden.

Das Projekt der Charité und der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Berliner Vivantes-Kliniken gibt es seit 2014. Es richtet sich an 12- bis 18-jährige Jugendliche. Sie lernen in Therapien zum Beispiel in Rollenspielen, ihre sexuellen Fantasien zu verstehen und ihre Handlungen zu kontrollieren. Das Ministerium finanzierte das Pilotprojekt bisher mit mehr als 600.000 Euro.

Bisher meldeten sich 134 Teenager oder ihre Eltern hilfesuchend an die Charité. Es ging allein um Jungen. 41 von ihnen begannen eine Therapie. Bisher habe nach der Therapie keiner dieser im Schnitt 15 Jahre alten Jungen angegeben, Übergriffe begangen oder weitere Missbrauchsdarstellungen angeschaut zu haben, sagte Projektleiter Klaus M. Beier. Er plädiert dafür, das Angebot bundesweit anzubieten.

Therapieangebot für Männer schon seit mehr als zehn Jahren

Alle Teenager haben ein umfangreiches Testverfahren für die Diagnose durchlaufen. "Rund die Hälfte zeigte eine klare Ansprechbarkeit für das kindliche Körperschema", so Beier. Von Pädophilie möchte er in diesem Alter noch nicht sprechen. Rund ein Drittel fühlte sich sexuell zu Kindern hingezogen - aber nicht ausschließlich. Auf rund ein Fünftel traf diese Neigung nicht zu - aber sie begingen trotzdem Übergriffe auf Kinder. Bei manchen Jugendlichen seien psychische Erkrankungen ins Gewicht gefallen, ergänzt Jugendpsychiater Tobias Hellenschmidt vom Berliner Vivantes-Klinikum im Friedrichshain, darunter Depressionen, Suchtstörungen und Autismus.

Ein ähnliches Therapieangebot gibt es seit 2005 für Männer mit pädophilen Neigungen, die keine Übergriffe begehen wollen. Auch sie können ab 2018 eine Behandlung auf Krankenschein bekommen. "Kein Täter werden" gibt es inzwischen an elf Standorten in Deutschland. Die Therapieerfahrung zeigt, dass pädophile Männer erst durchschnittlich mit 40 Jahren Hilfe suchen, mit ihrer Neigung aber seit dem Teenageralter leben. Deshalb startete die Charité in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der kommunalen Vivantes-Kliniken das Angebot für Jugendliche. Es geht darum, mögliche Täter früh zu erreichen.

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