In der Sonne badende Menschen auf der Admirlabrücke (Quelle: imago/Gerhard Leber)

Facebook-Veranstaltung erstellt - Kollektives Urinieren an der Admiralbrücke angekündigt

Der Streit um die Nachtruhe an der Admiralbrücke in Berlin-Kreuzberg nimmt groteske Formen an. Weil in den warmen Monaten jeden Abend auf der Brücke laut Party gemacht wird, will jetzt eine Aktivistengruppe gemeinschaftlich auf die Brücke urinieren.

Die Anwohner der Admiralbrücke in Berlin-Kreuzberg mögen den Berliner Winter. Die kalten Monate sind die einzige Zeit, in denen sie angemessene Nachtruhe bekommen. Vor einigen Jahren begann eine Tradition, die ihnen zwischen April und Oktober die Abende verdirbt. Den Sonnenuntergang von der Kreuzberger Admiralbrücke aus anzusehen, haben zunächst ein paar vereinzelte Berliner gemacht. Inzwischen sind es immer mehr aus aller Herren Länder. Das internationale Touristen-Publikum wird angezogen durch entsprechende Einträge in Reiseführern. Bis tief in die Nacht lässt man mit Bier und Live-Musik den Tag ausklingen.

#occupeeadmiralbrücke gegen Gentrifizierung

Einige Gentrifizierungsgegner haben deshalb Anfang der Woche eine Veranstaltung bei Facebook erstellt: "Das große Admiralbrücke-Anpinkeln!". Sie wollen am 20. April zwischen 22.30 und 1.30 Uhr auf der Brücke Wasser lassen, so viel die Blasen hergeben. In ihrer Begründung auf der Seite heißt es: "Kennt ihr den Moment, wenn ihr über die Admiralbrücke lauft, hippe Menschen auf dem Boden sitzen, schlechte Singer-Songwriter (die ihren Vor- und Nachnamen als Künstlernamen benutzen) Gitarre spielen und alle sich darauf feiern, wie "amazing" Berlin ist? Wäre dieser Moment nicht viel schöner, wenn ihr wüsstet, dass am Abend zuvor 200 Menschen, leicht angetrunken, alles vollgepinkelt haben?"

Die Aufforderung, sich kollektiv zu entleeren, gilt für alle Interessierten und vor allem für diejenigen, die den Slogan von Veranstaltungsorganisator "entellegent" unterschreiben würden: "Gentrifizierung pisst uns an, am 20. April pissen wir zurück!"

Die Veranstaltung ist mit dem Hashtag #occupeeadmiralbrücke versehen. Als Tipp für alle Beteiligten heißt es weiter: "Trinkt ordentlich Bier vorher! Der Pissmob geht auf Puller-Patrouille!"

Bis zum Sonntagnachmittag haben mehr als 230 Facebook-User ihre Teilnahme angekündigt. Mehr als 1.000 zeigen sich interessiert.

Terminwahl Absicht oder Zufall?

Die Reaktionen bei Facebook sind gespalten. Die meisten User lehnen die Aktion konsequent ab. Andere geben aber Tipps, wie man Urin vorher in Flaschen abfüllen könnte - für Menschen, die Schwierigkeiten haben in der Öffentlichkeit zu urinieren. Bislang ist nicht zu erkennen, ob es sich bei der Aktion um Satire handelt oder ob tatsächlich kollektiv auf die Admiralbrücke uriniert werden soll.

Ein Rolle in den Kommentaren spielt allerdings auch das Datum, an dem auch Hitlers Geburtstag ist. Die Aufforderung "zurückzupissen" klinge nach dessen Satz "seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen", den er in einer Rede im Reichstag aus Anlass des deutschen Überfalls auf Polen sagte. Mit dem Angriff hatte der Zweite Weltkrieg in Europa begonnen.

Die Admiralbrücke überspannt den Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg. Das Bauwerk wurde 1882 fertiggestellt, in den 1930er-Jahren baulich verstärkt, 1984 saniert und steht seither unter Denkmalschutz. Es verbindet das Fraenkelufer mit dem Planufer.

15 Kommentare

  1. 15.

    Das wahre Berlin: :-)

    https://www.youtube.com/watch?v=2Vzhd-wvOeA

  2. 14.

    "Ekelhaft" und "widerlich" sind schnell gesagt und eingetippt. Der gute Bürger, der gerne die sauber geleckten Straßen Münchens in der Metropole hätte, die bei den Mietpreisen der Neuvermietungen auch bald an München heran kommt. Mit einem Tonfall ähnlich dem Urinieren: von oben herab. Allerdings mit weniger Humor und Kreativität.

  3. 13.

    Auch hier nochmal, bitte keine Verallgemeinerung, "Berlin" ist nicht peinlich. Und widerlich schon mal gar nicht.

  4. 12.

    Berlin ist absolut nicht peinlich und wäre super, wenn Sie nicht verallgemeinern, danke.

  5. 11.

    Berlin ist schon peinlich. Sie ist auch aus anderen Gründen eine widerliche Stadt. Das hier ist aber wieder eine weitere Krone oben drauf.

  6. 10.

    Hauptsache die kommen nicht zu uns in den Wedding. Weitermachen!

  7. 9.

    Meine Güte ist das peinlich... vlt- liest ja das Ordnungsamt wenigstens mit....

  8. 8.

    Pissen für den Weltfrieden? *rofl*

  9. 7.

    Ganz neue Erkenntnis: Wenn der Staat dauerhaft versagt, wird zur Selbsthilfe (Selbstjustiz) geschritten.

    Doch keine Sorge: Die Gentrifizierung wird auch damit nicht aufzuhalten sein. Und wenn erstmal die meisten Behausungen rund um die Admiralbrücke in teure Eigentumswohnungen umgewandelt sein werden, bewohnt von den Kindern wohlhabender Westdeutscher, werden die schon um 22 Uhr (oder 21) mithilfe ihrer Anwälte für Ruhe sorgen - Prenzlauer Berg weist den Weg. Schließlich müssen Maximilian Julian Alexander Konstantin und Lea Lena Lara Sarah Sophia am nächsten Morgen ausgeschlafen sein, um in die Kita oder (Ober-) Schule gefahren zu werden, wo sie der nächste vollzeitbeaufsichtigte Zwölfstundentag erwartet.

    Im übrigen plädiere ich dafür, daß wir den 20. April aus dem Kalender streichen. Als Zeichen unserer Reue.

  10. 6.

    Ziemliche Schweinerei. Wie einfallslos.

  11. 5.

    Der Termin wäre thematisch besser auf den 26.4. gelegt, dem Internationalen Tag gegen Lärm http://www.tag-gegen-laerm.de/ Wäre ich dort Anwohnerin, würde ich es mehr begrüssen, statt ol­fak­to­rischer, optische Zeichen zu setzen. Wie wäre es z.B. mit schwarzen Tüchern, dass haben die Mal­lor­qui­ner letztes Jahr gemacht um gegen die Ballermannisierung zu protestieren: Por un turismo civico en S'Arenal! https://www.facebook.com/amicsdesarenal/photos/a.125947287436784.14655.117357128295800/1215293975168771/?type=3&theater

  12. 4.

    Warum, um himmels willen, hat Berlin soviel verständnis für "geistig kranke oder Verwirrte" Leute ?
    Jeder darf hier tun und lassen was er sie es will. So langsam finde ich es als "normalbürger" unerträglich, was alles als "Kunst" oder "Aktivismus" durchgeht.
    Allein die Idee ist doch schon ein Indiz dafür, das sich lieber ein Psychologe damit auseinander setzen sollte, oder zur Not auch ein Gericht.
    Ich habe meine Kindheit in diesem Bezirk verbracht, bin jeden Abend mit meinem Hund genau dort langgelaufen, über die Admiralbrücke, und da gab es nicht diese seltsame Szene. Es gab den 1. Mai und damit war es dann auch gut. Aber es nimmt überhand. Das ist traurig und macht mich echt Wütend.
    Und genau diese Leute, sind die, die diese hohen Szene-Kiez Mieten zahlen können ? Unglaublich !

  13. 3.

    und was kommt als nächstes ? häufchen machen wie die hunde ? in berlin wundert mich nichts mehr.

  14. 2.

    Wo pissen die Trinker dort denn bisher ;) Die latschen ja bestimmt nicht alle zum Kotti, wo es schon an jeder Ecke stinkt. Heute Morgen hab ich sowohl dort als auch im U-Bhf Südstern mehrere Männer gesehen, die auf die Bahnsteige urinierten. Zudem steht an der Admiralbrücke an warmen Tagen ab 22 Uhr immer eine Einsatzwagen der Polizei.

  15. 1.

    Passt doch zu Berlin, aber wozu noch Kollektivpullern, wenn das eh überall und ständig gemacht wird? einfach ekelhaft, so wie die ganze Stadt inzwischen ist!

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