NSA-Abhöranlage Teufelsberg, Foto: Jörg Pitschmann

Lost Places in Berlin und Brandenburg - Unheimliche Schönheiten

Vergessen, verlassen, verloren - aber so schön! "Lost Places" sind stillgelegte Gebäude und Industrieanlagen. Ihr zerklüfteten Mauern und zersplitterten Fenster sind stille Zeugen der Vergangenheit und Motive für spektakuläre Fotografien. 

"Lost Places" werden sinngemäß als "vergessene" oder "verlassene Orte" übersetzt. Verlassen sind sie in jedem Fall. Seit Jahrzehnten werden die Gebäude und Stätten nicht mehr bewohnt oder in ihrem ursprünglichem Sinne genutzt. Im Inneren zeugen abgerissene Tapeten, verrostete Bettgestelle und andere Relikte von dem, was einmal war.

Vergessen sind diese Orte trotzdem nicht. Die Ruinen sind ein beliebtes Ziel von Touristen und Fotografen. Bei manch einem Besucher rufen die unheimlichen Relikte einen angenehmen Grusel-Schauer hervor. In jedem Fall aber verharrt man und staunt über die Vergänglichkeit des Lebens.

Lost Places - Vergessene Orte der Region

Wir stellen Ihnen einige der spektakulärsten "Lost Places" in der Region vor. 

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1. Abhörstation Teufelsberg

Der Teufelsberg in Berlin-Charlottenburg besteht aus fast 30.000 Kubikmetern Schutt. Auf der Spitze bauten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Abhörstation auf. Bis zum Ende des kalten Krieges spionierten hier die Amerikaner ihre Feinde aus.

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Seitdem rotten die Antennenkuppeln vor sich hin. Diverse Pläne, das Areal anderweitig zu nutzen, sind bisher gescheitert. Für Touristen ist das Gelände trotzdem ein beliebtes Ausflugsziel, das mittlerweile sogar Eintritt kostet: Acht Euro pro Person sind fällig.

2. Heilstätte Grabowsee

Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete das Rote Kreuz die Lungenheilstätten am Grabowsee - zunächst um herauszufinden, ob Lungenkrankheiten wie Tuberkulose auch auf dem platten Land geheilt werden können. Zuvor führte man Luftkuren vor allem in Höhenkliniken in den Bergen durch.

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Im Zweiten Weltkrieg wurden die Heilstätten dann von der Wehrmacht und später von der Roten Armee bezogen. Seit den Neunzigern stehen die Gebäude leer, werden aber häufig als Kulisse genutzt. George Clooney und Matt Damon drehten hier 2013 zum Beispiel "Monuments Men".

3. Infanterieschule Wünsdorf Waldstadt

Wünsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming. Die Waldstadt war das Hauptquartier der russischen Garnison in der DDR. Bis zu 75.000 sowjetische Männer, Frauen und Kinder sollen hier gelebt haben.

Russische Schriftzeichen im Kommandobunker UK 20 für Europa der Sowjetischen Streitkräfte in Wünsdorf bei Berlin. (Quelle: imago | Ingo Schulz)
Russiche Schriftzeichen in einem ehemaligen Bunker in Wünsdorf.

Seit 1994 allerdings stehen große Teile der Kaserne leer: die ehemalige Offizierskaserne, die ehemalige Infanterieschule und die Bunkeranlage. Andere Teile des Areals wurden saniert. In Teile der Hallen zogen Antiquariate ein und beherbergen inzwischen rund 350.000 Bücher.

4. Beelitz-Heilstätten

Längst kein Geheimtipp mehr, trotzdem einen Besuch wert: die Beelitz-Heilstätten im Westen von Berlin. Die ehemaligen Lungenheilstätten umfassen 60 Gebäude. Der Bau begann Ende des 19. Jahrhunderts.

Verfallene Heilstätten in Beelitz (Quelle: imago/biky)
Ein Krankenhaus, das schon mal bessere Tage gesehen hat - die Beelitz-Heilstätten.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden die Heilstätten als Sanatorium für Soldaten genutzt. 1990 soll sich auch Erich Honecker in den Heilstätten aufgehalten haben. Als Filmkulisse sind die Beelitz-Heilstätten ebenfalls beliebt. Für den Dreh des Horror-Streifens "A Cure for Wellness" wurden drei Häuser der ehemaligen Heilstätten saniert.

5. Kraftwerk Vockerode

Das ehemalige Braunkohle- und Gasturbinen-Kraftwerk Vockerode liegt zwar nicht direkt in der Region - gilt aber trotzdem als spektakulärer "Lost Place" westlich von Brandenburg, in Sachsen-Anhalt. Das Kraftwerk wurde 1937 gebaut und sollte eigentlich Berlin mit Strom versorgen, doch wegen des Zweiten Weltkriegs wurden diese Pläne nie umgesetzt. Seit 1994 steht das Kraftwerk still. Seitdem rostet die Industrieruine vor sich hin.

Heizkraftwerk Vockerode, Foto: Jörg Pitschmann
Stillgelegter Schaltraum im ehemaligen Kraftwerk Vockerode.

6. Heilanstalten Hohenlychen

Auch in Lychen in der Uckermark wurden Anfang des 19. Jahrhunderts Heilanstalten gebaut. In den Heilanstalten Hohenlychen sollte vor allem die Infektionskrankheit Tuberkulose geheilt werden. Die Anlage wurde stetig erweitert, im Sommer waren bis zu 500 Betten belegt. Heute verfällt ein großer Teil der ehemaligen Erholungsstätte. Einige Villen auf dem Gelände wurden jedoch saniert und dienen heute als Wohnhäuser.

Heilstätten Hohenlychen, Foto: Jörg Pitschmann
Das Schwimmbad in den ehemaligen Heilanstalten Hohenlychen wird schon lange nicht mehr genutzt.

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