Der Eingang des Café Beispiellos in der Wartenburgstraße (Quelle: Caritas/Petra Lehe)

Zum Weltglückstag am 20. März - Berliner "Café Beispiellos" hilft Spielsüchtigen

Die allermeisten Deutschen haben schon mal das Spiel mit dem Glück versucht, mit Lotto oder Roulette zum Beispiel. Doch bei einigen wird das Spiel zur Sucht: Helfen kann ihnen das "Café Beispiellos", eine Einrichtung des Caritasverbandes. Von Sigrid Hoff

Eine Erdgeschosswohnung in einem Altbau in Kreuzberg, nicht weit vom Gleisdreieck. "Café Beispiellos" prangt in großen Lettern über den Fenstern. Im Empfangsraum stehen ein großer Tisch und eine Kaffeemaschine, doch dies ist kein gemütliches Kiezcafé, sondern die erste Anlaufstelle für Glücksspielsüchtige.

Wie Gordon Schmid, der Leiter der Beratungsstelle, sagt, kommen die süchtigen Glücksspieler erst dann, wenn sie nicht mehr ein, noch aus wüssten und enormen Druck hätten. Vielfach sei der Lohn gepfändet, die Familie zerstört und die Wohnung weg. Dann erst kämen die Süchtigen, um ihr Leben zu ändern, so Schmid.

Zurück ins Real Life

Veränderung, das heißt zunächst einmal zu lernen, sich vom Pokertisch, der Automatenhalle, dem Wettbüro, kurz: dem "Suchtbereich" fern zu halten und abstinent zu werden. Schwierig ist das insbesondere für Computerspielsüchtige. Sie werden hier ebenfalls beraten, wie sie den Weg zurück in den Alltag - ins "Real Life", wie die Mitarbeiter sagen - finden.

"Auch hier arbeiten wir ganz klar mit dem Abstinenz-Gebot", so Gordon Schmid. Das heiße aber nicht, dass die Betroffenen kein Smartphone benutzen oder nicht an den Rechner dürften. "Wir schauen uns genau an, was die Betroffenen am Computer süchtig konsumieren. Dann heißt Abstinenz, dass ich kein Spiel mehr spiele, aber Dokumente erstellen kann oder Briefe schreiben", wie Schmidt weiter erklärt. Abstinenz bedeutete: Abstinenz von dem Problembereich.

Depressionen können Nebenwirkungen sein

Das Café Beispiellos bietet eine kostenlose Erstberatung in Einzel- und Gruppengesprächen, auch für Angehörige der Betroffenen. Dann wird weitervermittelt an ambulante oder stationäre Therapieeinrichtungen oder Selbsthilfegruppen. Schwierig ist die Behandlung von Entzugserscheinungen.

Nach der Erfahrung vom Gordon Schmidt ist das oft eine Ängstlichkeit, auch eine depressive Verstimmung, die dann bei den Betroffenen sehr stark im Vordergrund stehen könne. Dann müsse man überlegen, ob die Depression behandelt werden sollte oder im Laufe der Abstinenz verschwindet.

Seinen Namen trägt das "Café Beispiellos" übrigens nicht von ungefähr. Beispiellos war eine Idee eines Klienten vor vielen Jahren. Es könnte nämlich bedeuten: bei Spiel los – wegrennen! Wie Gordon Schmidt sagt, passt der Name aber auch so seht gut. "Wir waren vor 30 Jahren die erste Einrichtung, die zum Thema Glücksspiel gearbeitet hat und damals schon ein beispielloses Projekt."

Beitrag von Sigrif Hoff

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