Symbolbild: Ein Wolf beobachtet Kolkraben am 08.10.2013 in einem herbstlichen Gehege im Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck (Brandenburg). (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 23.03.2017 | Amelie Ernst

Nerven in Brandenburg liegen blank - Der Wolf kommt nicht im Schafspelz

Lange verdrängt, jetzt wieder da: Wölfe. Das freut die Naturschützer und ärgert die Weidetierhalter. Das Land Brandenburg will nun zwei Wolfsbeauftragte einstellen, um die Konflikte zu entschärfen – denn noch liegen oft die Nerven blank. Von Amelie Ernst

Es war wieder soweit: 22 Schafe hat der Wolf gerissen, auf einer Wiese bei Frankenfelde im Oderbruch. "Da steht eine Schafherde, auf jeder Seite Zäune, und ein Wolf springt drüber und fängt an zu schlachten. Die Schafe können nicht weg, und der kann sich darin bedienen, wie er möchte." Knut Kucznik vom Landesschafzuchtverband macht seinem Ärger Luft – im Umweltausschuss des Potsdamer Landtags. Den Weg für Entschädigungen haben die Abgeordneten bereits frei gemacht. Trotzdem: "Sie können mir soviel Geld geben, wie sie wollen. Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen."

Schäfer Knut Kucznik mit Schaafherde und seinen Schutzhunden (Bild: rbb Inforadio/Markus Streim)
Schäfer Knut Kucznik ärgert sich über die Wölfe

Wolf in Rathenow

Doch der Wolf soll wieder heimisch werden in Brandenburg – und er ist es auch schon: Von 46 Rudeln in ganz Deutschland lebt die Hälfte in Brandenburg. Das sind schätzungsweise zwischen 120 und 140 Tiere. Auch CDU-Umweltexperte Dieter Dombrowski ist das zu viel – er könnte sich auch Präventiv-Jagden vorstellen: "Ich komme aus der Kreisstadt Rathenow, da lief ein Wolf über Tage und Wochen quer durchs Stadtgebiet. Er war im Schulgarten der Grundschule Rathenow-West unterwegs, hat ein achtjähriges Mädchen im Abstand von zwei Metern umkreist und beschnuppert."

Aber ein so auffälliger Wolf hätte auch schon jetzt legal geschossen werden dürfen, sagt Alexander Just. Er beobachtet das Thema Wölfe für die EU-Kommission. Allerdings hätte es in Rathenow gar nicht so weit kommen dürfen: "Wenn ein Wolf die Scheu zum Menschen verliert, dann ist irgendwas gravierend falsch gelaufen. Entweder haben wir den Wolf angefüttert oder der Wolf ist tatsächlich verhaltensauffällig."

Prävention soll auch bezahlt werden

Verhaltensauffällig oder nicht – das macht für Schäfer Knut Kucznik keinen Unterschied. Entscheidend sei, ob der Wolf sich von Schafen und anderen Weidetieren fernhalte. "Wenn die sich um 33 Prozent vermehren im Jahr, dann muss ich mich schon wundern, wenn ich höre, dass der Erhaltungszustand noch nicht erreicht ist."

Da helfe auch keine Extra-Förderung für den Bau von Zäunen oder die Anschaffung eines Herdenschutzhundes, so Kucznik. Denn für Aufbau, Unterhalt und die laufenden Kosten seien die Tierhalter weiterhin allein verantwortlich - inklusive eines Stundenlohns weiterhin unter Mindestlohn: "Mit Gefahren können wir Hirten umgehen. Aber nur, wenn wir die Prävention bezahlen können."

Genau darüber, über die Prävention, soll beim nächsten Brandenburger Wolfsplenum Ende April erneut beraten werden.

Beitrag von Amelie Ernst

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16 Kommentare

  1. 16.

    Genau - immer die großen Zahlen voran stellen, um andere damit zu schocken! 9000 hört sich viel an - aber in 500 Jahren - das sind ja nur 18 Menschen pro Jahr!
    Schwund gibt es schließlich überall!
    Ich überlege eine neue Schutzinitiative für den Eichenprozessionspinner ins Leben zu rufen - das sind schließlich auch Geschöpfe Gottes, die von Menschen gnadenlos verfolgt ja evtl. sogar ausgerottet werden sollen.
    Wer setzt sich für diese Spezies ein? Niemand! Es ist eine Schande!

  2. 15.

    Sie vermitteln einen sehr kompetenten und engagierten Eindruck, sodass mit konstruktiven Lösungen gerechnet werden kann. Die Wolfsproblematik darf man auf gar keinen Fall allein den Bürokraten überlassen, weil Schreibtisch und Naturschutz zwei verschiedene Realitäten darstellen. Viel Glück und Erfolg!

  3. 14.

    Wer tatkräftige Hilfe beim Schutz vor Wölfen benötigt, kann sich auch gern an Wikiwolves wenden.
    Wir organisieren und helfen kostenlos! Ich bin dabei!
    Wer uns dabei unterstützen möchte ist herzlich Willkommen!
    Alle Anfragen an:
    http://www.wikiwolves.org/
    Viel Wissenswertes gibt es auch hier:
    https://woelfe-in-lds.jimdo.com/mensch-nutztiere-wolf/

  4. 13.

    Ja mir tut es um jedes gerissene Schaf leid und ich habe Verständnis für Schäfer. Das Problem ist, dass es ihnen auch ohne Wölfe schon finanziell recht schlecht ging. Der Wolf rückt das nun in die Öffentlichkeit! Er ist vielleicht auch der Tropfen...
    Ich finde es traurig, dass der Schafskäse aus Bulgarien und der Hammelbraten aus Neuseeland in den Supermärkten liegt.
    Soweit mir bekannt wurden die Geldmittel für die Flächenpflege vielerorts gekürzt. Die Wolle bringt nichts.
    Das sind die Probleme! Natürlich sollen Prävention und Schäden bezahlt werden. Dazu gibt es aber den Wolfsmanagementplan bereits. Herdenschutzhunde werden schon bezuschusst und auch die Antragsstellung dazu wurde nun bereits vereinfacht! Es muss einfach der Wille aller Beteiligten vorhanden sein und auch die Vermarktung der Schäfereiprodukte verbessert werden. Sie sind zu unterstützen: http://www.schafzuchtverband-berlin-brandenburg.de/markt/ Ich kaufe Ziegen- un Schafskäse von heimischen Erzeuger.

  5. 12.

    Sie gehen auf eine wesentliche Tatsache des Artikels nicht ein: Da helfe auch keine Extra-Förderung für den Bau von Zäunen oder die Anschaffung eines Herdenschutzhundes, so Kucznik. Denn für Aufbau, Unterhalt und die laufenden Kosten seien die Tierhalter weiterhin allein verantwortlich - inklusive eines Stundenlohns weiterhin unter Mindestlohn: "Mit Gefahren können wir Hirten umgehen. Aber nur, wenn wir die Prävention bezahlen können."

  6. 11.

    Was wird gern verschwiegen? Dass:- sich Wölfe zu 99 % von meist alten, kranken oder jungen unerfahrenen Wild ernähren, - es in Sachsen und Brandenburg Schäfer gibt, die seit Jahren mitten im Wolfsgebiet ohne Risse leben, weil sie mit Elektrozaun und Herdenschutzhunden schützen,- sie durch diesen Schutz auch weniger Verluste durch Diebstahl, Hunde oder Füchse haben, - es in Sachsen trotz steigender Wolfszahlen weniger Risse gibt, bzw. die Risszahlen pro Wolfsrudel sinken, -es meist vermehrt Wolfsrisse gibt, wo Wölfe neu zu wandern, weil nicht richtig geschützt wurde, - Wölfe erheblich zur Gesunderhaltung des Wildes beitragen und die Artenvielfalt in Wald und Flur fördern, - in Europa ca. 12 000 Wölfe leben, ohne dass es in den letzten Jahrzehnten Übergriffe auf Menschen gab - dass das Entnehmen einzelner Wölfe völlig kontraproduktiv ist, da dann die Jagdlehrer fehlen.Seit Wölfe die Mufflons jagen, müssen im Wald keine Zäune mehr gebaut werden (spart viel Geld). Wölfe sind nützlich!!!

  7. 10.

    »"das Lesen von "Rotkäppchen und der Wolf " wird unter Grünenprotest zur Pflichtlektüre"«

    Das Märchen Rotkäppchen ist denkbar schlecht geeignet, um über dieses Thema Witzchen zu machen.

    Band 1 der Hausmärchen der Gebrüder Grimm mit dem Märchen Rotkäppchen erschien 1812.

    1810/ 1811 wurden im Raum Viersen/ Roermond 12 Kinder von Wölfen getötet. Die Geschehnisse mit allen grausamen Details sind beschrieben im Heimatbuch des Kreises Viersen von 2002.

    1814/15 wurden Im Kreis Wongrowitz (Provin Posen)28 Kinder von Wölfen getötet.

    Im Jahr 1820 waren es in derselben Gegend noch 16 Kinder und 3 Erwachsene, die von Wölfen getötet wurden.

    (Quelle: unzählige zeitgenössische Zeitungen und Veröffentlichungen sowie Brehms Tierleben)

  8. 9.

    Wieder falsch.

    Die Zahl 9.000 ist schon lange nicht mehr aktuell. Ihr Artikel ist von 2014. Wenn ich 10.0000 schreibe, dann waren es 10.000. Das war - wie ich bereits schrieb - Stand April 2016. Und glauben Sie bitte nicht, daß das Team um Prof. Moriceau in den letzten Monaten geschlafen hat.

    https://www.amazon.fr/Histoire-m%C3%A9chant-loup-attaques-XVe-XXIe/dp/2818505054/ref=la_B001JOXN8M_1_1/256-6025192-9910453?s=books&ie=UTF8&qid=1490422834&sr=1-1

    Abgesehen davon habe ich geschrieben "historische Aufzeichnungen". Sie sollten sich künftig befleißigen, deutlich aufmerksamer zu lesen.

    Und glauben Sie bloß nicht, daß man früher jede Wolfsattacke dokumentiert hat, oder daß auch nur die Hälfte aller Aufzeichnungen erhalten geblieben wäre. Diese gefundenen 20 pro Jahr können also höchstens ein Bruchteil der tatsächlichen Wolfsattacken gewesen sein.

  9. 8.

    Warum schlachtet der Wolf so viele Schafe auf einmal? Ich wurde erzogen, mir nur soviel auf den Teller zu nehmen, wie ich auch wirklich esse. Der Wolf schlachtet aber so viel auf einmal, wie er gar nicht fressen kann. Wenn man ihn gewähren lassen würde, würde der Großteil der Schlachtung vergammeln und von Maden und Aasgeiern gefressen werden. Wenn der Wolf dann wieder Hunger hat, ist nichts mehr davon da, aber auch kein Nachwuchs dieser Herde. So rottet der Wolf nur die Schafe aus, hat aber nicht all zu viel davon zu fressen. Warum macht das der Wolf? Ist er genauso dumm wie die Menschen, die riesige Tierherden über Abgründe jagten, alle umbrachten und mehr vergammelte, als sie essen konnten, und so viele Tierarten ausrotteten?

  10. 7.

    Sie dürfen aber auch gerne erwähnen, dass diese rund 9000 Fälle (nicht über 10.000) innerhalb von 500 JAHREN passiert sind - nämlich zwischen 1400 bis 1900.

    https://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/vom-daemon-zur-oeko-ikone-1.18364953

  11. 6.

    Falsch. Es war keine politisch-ideologische sondern eine wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Entscheidung, den Wolf in Mitteleuropa auszurotten. Der Wolf hat nicht nur unter Weidetieren erheblichen Schaden angerichtet. So hat z.B. Jean-Marc Moriceau in Frankreich - wo der Wolf noch etwas länger sein Unwesen trieb als bei uns - historische Aufzeichnungen von über 10.000 (in Worten: zehntausend)Wolfsangriffen auf Menschen zusammengetragen (Stand 2016).

    Ihre Formulierung "gut geschützte Schafe" belegt, daß Sie auch über die Fähigkeiten von Wölfen nicht besonders gut informiert sind. Offensichtlich wissen sie nicht mal, was ein wolfssicherer Zaun ist. So etwas finden Sie im Tierpark: 3 Meter hoch und mit Untergrabschutz! Glauben Sie ernsthaft, daß Sie dafür im Außenbereich eine Baugenehmigung bekommen? Glauben Sie ernsthaft, daß es realistisch ist, alle Weiden so einzuzäunen?

  12. 5.

    Es war eine "politisch-ideologische Entscheidung", den Wolf in Mitteleuropa auszurotten... Wer dogmatisch,einseitig die immerselben Phrasen, Behauptungen und Ammenmärchen vom bösen Wolf wiederholt, sollte wirklich nichts mit Nutztierhaltung zu tun haben.

    Dass es durch Wölfe Verluste unter Nutztieren gibt, ist leider Teil der Realität. Hier ist die Rissstatistik durch (nicht auszuschließen) Wölfe in Brandenburg seitens Brandenburger Umweltministerium:
    http://www.lfu.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/wolf_nutztierschaeden.pdf.
    In 2016 gab es statistisch deutlich mehr Schafsverluste, aber auch proportional höhere Entschädigungen an die Besitzer, die noch immer nicht genau Wolfsrisse zuordnen können:
    http://www.lfu.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/wolf_nutztierschaeden.pdf

    Wölfe haben ein großes Beutespektrum und könnten auf gut geschützte Schafe verzichten, endlich Schalenwild auf vernünftige Bestände reduzieren und so wirklich bedeutsamen Schaden verhindern.

  13. 4.

    weitere mögliche Schlagzeilen:
    "das Lesen von "Rotkäppchen und der Wolf " wird unter Grünenprotest zur Pflichtlektüre
    "Klassenfahrten mit Wolfswanderungen werden zur Pflicht " die zusätzlichen Lehrerstunden und der Lehrerkostenanteil kann nicht erstattet werden!
    "Eltern fordern: Lehrer müssen Kinder vor dem Wolf auf den Schulwegen schützen"
    usw.

  14. 3.

    fiktive Zukunftsschlagzeile:
    "Kind von grüner Wolfbefürworterin beim Pilzesammeln gerissen"
    Aw:
    Ups - das hat er ja noch nie getan, da hätten die Eltern wohl besser aufpassen müssen. Der Wolf hat sich nur artgerecht verhalten, man darf diesen Einzelfall nicht auf alle übertragen. Das Land hat alles Erdenkliche getan und vorher die artgerechten Hinweise zum Waldspaziergang veröffentlicht.

  15. 2.

    Ich empfehle die ZDF-Reportage "Der Wolf vor der Haustür". Da wird endlich mal ideologiefrei dargestellt, was es bedeutet, Wölfe* in der Nachbarschaft zu haben.

    Zum Thema "Erhaltungszustand": das ist nichts anderes als eine rein politisch-ideologische Entscheidung. Es existiert keine sogenannte "Mitteleuropäische Flachlandpopulation". Tatsächlich handelt es sich hierbei nur um den westlichen Ausläufer einer nordosteuropäisch-baltischen Population, die weit bis nach Rußland reicht und so ziemlich die größte Wolfspopulation überhaupt darstellt. Das ist der aktuelle Stand der Forschung.

    *) Canis Lupus jagt üblicherweise im RUDEL. Das wird gerne mal unterschlagen oder verniedlicht.

  16. 1.

    Prima Idee: Wolfsbeauftragte, die mit den Wölfen sprechen und an deren Gewissen appellieren.

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