Außenansicht des Berliner Bahnhofes Südkreuz (Quelle: imago/Klaus Martin Höfer)
Audio: radioBerlin 88,8 | 20.04.2017 | Miriam Keuter

Bahnhöfe in Berlin | Südkreuz - Am Südkreuz entwirft die Bahn die Zukunft

Über das Südkreuz spricht in Berlin eigentlich kaum einer. Der Bahnhof liegt unauffällig zwischen Kleingärten und Industriegebiet. Doch genau hier hat die Bahn einen der modernsten Kreuzungsbahnhöfe mit Fern- und Regionalanschluss gebaut. Von Miriam Keuter

Seit einigen Jahren ist der Bahnhof Südkreuz, der bis 2006 Bahnhof Papestraße hieß, so etwas wie eine Teststrecke der Deutschen Bahn, auf dem Weg in ein vernetztes und digitales Zeitalter. Hier wird modernste Technik bei laufendem Betrieb erprobt. Ein Dutzend Projekte sind derzeit im Test, vor allem auf dem Gebiet der alternativen Energieversorgung. So stehen vor dem Bahnhofsgebäude bewegliche Solaranlagen und Windräder, um den Bahnhof unabhängig mit Strom versorgen zu können.

Schließfächer mit Kühlfunktion und USB-Anschlüsse

Moderne Technik soll außerdem den Reisekomfort verbessern, so wie die Wagenstandanzeiger am Ferngleis, die bei unplanmäßiger Wagenreihung das Auffinden des reservierten Platzes erleichtern sollen. Am Südkreuz steht auch ein Selbstbedienungsterminal für Informationen rund um die Zugverbindung. So können beispielsweise Beschwerdeformulare schon beantragt werden, wenn ein Zug Verspätung hat.

Im Test sind auch neue Wartebereiche mit besser geformten Sitzen und USB-Anschlüssen zwischen den Sitzschalen, zum Aufladen von Mobilgeräten. Intelligente Schließfächer mit Kühlfunktion, oder abschließbare Fahrradboxen sind weitere Testfelder. Auf dem Vorplatz finden Reisende Elektro-Fahrzeuge zum Mieten. Über die Akzeptanz ist noch wenig bekannt. Doch all diese Anwendungen könnte in naher Zukunft Standard auf Deutschlands Bahnhöfen werden.

Umstrittenes Projekt Gesichtserkennung

Viele dieser Techniken fallen den täglich mehr als 150.000 Fahrgästen, vor allem den S-Bahnkunden, nicht wirklich auf. Heftig umstritten ist unter anderem auch deshalb derzeit der Plan, ab Herbst mit einer neuen Überwachungstechnik zu arbeiten, die Gesichter erkennen kann. Das Projekt wird von der Bundespolizei geleitet. Die Bahn bietet dafür am Südkreuz die Plattform. In der Probephase sollen Freiwillige Lichtbilder in einer Datenbank hinterlegen, die dann mit den Aufnahmen aus der Videokamera abgeglichen werden können.

Das Südkreuz ist wie ein Turm gebaut, täglich laufen hier 150.000 Fahrgäste durch. Oben fährt die Ringbahn unter einem großen Dach aus Glas. Im Untergeschoss verkehren die S-Bahnzüge in Nord-Südrichtung. Außerdem fahren hier die Fern- und Regionalbahnen. Auf dem Bahnsteig gibt es nur zwei Kioske, der Bahnbetrieb ist damit sehr übersichtlich.

Drumrum fehlt das Leben

Wie der Hauptbahnhof leidet das Südkreuz auch an der mangelhaften Wohnbebauung im Umfeld. Um die Attraktivität zu erhöhen sollen rund um den Standort am Sachsendamm und an der Gotenstraße 1.400 neue Wohneinheiten entstehen. Außerdem wollen die Städteplaner den Tempelhofer Weg, der am Bahnhof entlang führt, für Radfahrer aus- und umbauen.

Die Bahnhöfe Berlins

Beitrag von Miriam Keuter, radioBerlin 88,8

5 Kommentare

  1. 5.

    Der "Bahnhof "Südkreuz", dessen Name suggeriert, daß es sich bei dieser Stadtbrache am Rande Schönebergs tatsächlich um ein wichtiges Verkehrskreuz handeln würde, ist eine einzige architektonische Katastrophe. Wer dort landet und den idiotischen Etagenwechsel hinter sich gebracht hat, findet im "Ambiente" der unteren Bahnsteige jederzeit optimale gestalterische Bedingungen zum Drehen eines Horrorfilms...

  2. 3.

    Die Gegenwart des "Bahnhofes der Zukunft" sieht leider so aus: Automatische Türen, die nicht automatisch funktionieren. Rolltreppen, die nicht rollen und Fahrstühle, die nicht fahren. Vorsichhinbibbern in Herbst und Winter: Es ist nämlich saukalt in diesem Bau, und beheizte Wartezonen gibt es nicht. Schnorrer, die ihrem Broterwerb nachgehen. Ein vermülltes Umfeld. Trauben von Fernbusreisenden, die im Regen stehen. Fahrkartenautomaten, deren Nutzerführung einen zur Verzweiflung bringt. Habe ich was vergessen? Sicher. Liebe Bahn: Kümmere dich doch bitte erst einmal um die Gegenwart, bevor du uns mit Zukunftsvisionen kommst! Ein langjähriger Fahrgast

  3. 2.

    Im Fernbahnhof Südkreuz sind im Prinzip alle Fehler des Bhf. Kassel-Wilhelmshöhe wiederholt worden, am Südkreuz nur eben mit Jahrzehnten Verspätung und wider besseres Wissen. Menschen, die mit Zeitkalkulationen locker umgehen können, halten sich in der großen Glashalle am Ringbahnsteig auf, Menschen, die ängstlich immer schon eine Viertelstunde vor Abfahrt ihres Zuges am Bahnsteig stehen, fühlen sich unten regelrecht eingeklemmt und ziemlich verloren. Auf den CAD- (Computer Aided Design-)Versionen mag´s Architekten und Bahnleuten unten gleich hell wie oben erschienen sein, die Wirklichkeit für den, der dort unten steht, sieht indes wesentlich anders aus.

  4. 1.

    Nunja, Südkreuz zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblings(aufenthalts)bahnhöfen. Für Fernreisen nutze ich ich gern. Aber auch nur wegen der guten Erreichbarkeit von Plänterwald aus. Während der breeeiiiiite Ringbahnsteig hell ist und Imbissangebote bereithält, zeigen sich die unteren Fern-/Regionalbahnsteige, sowie der S-Bahnsteig als eher unwirtlich. Düster und zugig. Wenn ich da ab und zu auf die Ablösung meines Zuges (besonders in Richtung Priesterweg) warte, gehe ich relativ kurz vorher erst hinunter. Durch das große "Fenster" dort, wo man auf die Bushaltestellen schauen kann, weht einem eigentlich immer ein starker Wind ins Gesicht. Huuuuuuuh ...

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