Schülerlotse in Berlin (Quelle: imago/Petra Schneider)
Audio: RadioBerlin 88,8 | 26.04.2017 | Anke Michel

Fahrverbote für Diesel gefordert - Greenpeace misst hohe Stickoxid-Werte vor Berliner Schulen

In Schulen und Kitas an großen Berliner Straßen ist die Luft offenbar oft schadstoffbelastet: Messungen von Greenpeace ergaben, dass Stickoxid-Werte häufig deutlich überschritten werden.

Die Luft vor vielen Schulen und Kitas in Berlin ist nach Angaben von Greenpeace zu stark mit gesundheitsschädlichem Stickoxid belastet. An 34 der 46 Messstellen seien die EU-Grenzwerte überschritten worden, teilte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch mit.

NOx erhöht Asthma-Risiko

Stickstoffoxide, oder kürzer Stickoxide, entstehen etwa in Feuerungsanlagen oder Verbrennungsmotoren - in Städten sind Diesel-Autos die Hauptquelle. Die oft mit der Formel NOx abgekürzten Gase tragen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei. Dies ist auch für Menschen gefährlich. "Lang andauernde Exposition kann zu Beeinträchtigung der Lungenfunktion und zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen", heißt es beim Bundesumweltministerium.

Kinder gelten als besonders gefährdet. Laut einer Greenpeace-Studie erhöht sich das Asthmarisiko von Kindern schon bei zehn Mikrogramm um 15 Prozent.

Für die Stichprobe hängte die Umweltschutzorganisation in Berlin, aber auch in Düsseldorf, Frankfurt a.M., Hamburg, Hannover und München Messgeräte vor Schulen und Kitas an größeren Straßen auf. Gemessen wurde im vergangenen Jahr zwei Wochen lang im September. Die Laboranalyse ergab Greenpeace zufolge, dass der Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm an 72 Prozent der insgesamt 143 Messstellen überschritten wurde - "teilweise um knapp das Doppelte".

In Berlin wurden besonders hohe Werte an einer Kita in der Oranienstraße in Kreuzberg gemessen (63,8 Mikrogramm), sowie in der Kaiserin-Augusta-Allee in Charlottenburg (62,9) oder auch in der Schivelbeiner Straße in Prenzlauer Berg (60,8). (Alle Ergebnisse auf greenpeace.de)

Greenpeace: Diesel-Pkw aus Städten verbannen

"Kinder dürfen nicht die fatalen Folgen von schmutziger Autos ausbaden", erklärte Greenpeace-Verkehrsfachmann Daniel Moser. Bürgermeister müssten regelmäßige NO2-Messungen an Schulen anordnen und bei zu hohen Werten Kinderschutzzonen durchsetzen - notfalls auch mit Fahrverboten.

Moser forderte die Verkehrsminister auf, bei ihrer Konferenz am Donnerstag die Einführung der blauen Plakette zu beschließen, um "schmutzige Diesel-Pkw aus Städten" fernzuhalten. Gäbe es eine solche blaue Plakette auf Bundesebene, könnten Städte strengere Umweltzonen ausweisen.

Am Dienstag hatten neue Daten des Umweltbundesamts gezeigt, dass auch neue Diesel auf der Straße sehr viel mehr Stickoxid ausstoßen als nach der EU-Abgasnorm Euro 6 erlaubt ist. Gegen geltendes Recht verstoßen die Pkw allerdings nicht, weil die EU-Vorgaben für Diesel bislang ausschließlich bei Labortests erfüllt werden müssen.

Sendung: rbb aktuell, 26.04.2017, 13.00 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Was ist eigentlich mit den vielen LKW's, die immer quer durch die Stadt donnern? Sind die nicht viel gefährlicher?

  2. 3.

    Kein Wunder, Tempo 30, 2. GANG , erhöhte Drehzahl, Helikoptereltern, das alles zusammen lässt ausgerechnet dort NOX Werte kräftig ansteigen.

  3. 2.

    Wenn dem wirklich so ist ,dann müssen alle Dieselbesitzer nicht nur von dem Autofirmen ,sondern auch vom Staat entschädigt werden.
    Denn der hat uns Jahre lang mit betrogen.

  4. 1.

    Wird Zeit, das in der Sache endlich mal gehandelt wird! Konsequenzen!!! Wenn diese hochgelobte Technologie einfach nicht die Standards erfüllt, sollte man nicht die Standards senken, sondern über die Technologie in Frage stellen. Es betrifft schließlich unsere Gesundheit! Die deutsche Automobilindustrie hat nur den Vorteil, dass die Gase nicht sichtbar sind. Hätten wir hier ähnliche Verhältnisse, wie in Smog-belasteten Städten, wären die Leute sehr viel sensibler.

    @greenpeace: Die Kinder zu instrumentalisieren ist anscheinend die letzte Möglichkeit noch irgendjemand zu erreichen. Die Messung hätte auch überall anders ähnliche Ergebnisse produziert.

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