Straßenschilder an der Ecke Petersallee/Nachtigalplatz im afrikanischen Viertel in Berlin (Quelle: imago/Jürgen Ritter)
Audio: rbb | 31.05.2017 | Knut Müller

Afrikanisches Viertel in Berlin - Neue Namen für drei Straßen in Wedding geplant

Aus der Petersallee in Berlin-Wedding könnte die Miriam-Makeba-Straße werden: Im Wedding sollen drei Straßen, die ursprünglich nach deutschen Kolonialisten benannt wurden, neue Namen bekommen. Aus fast 200 Vorschlägen wurden jetzt sechs ausgewählt.

In Berlin sollen erstmals in größerem Umfang Straßen umbenannt werden, die mit dem deutschen Kolonialismus im Zusammenhang stehen. Kulturbezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) sagte am Mittwoch, angedacht seien neue Namen für drei Straßen im sogenannten Afrikanischen Viertel im Ortsteil Wedding. Dafür lägen jetzt sechs alternative Namensvorschläge vor, teilte Weißler mit.

Dabei handelt sich um sechs afrikanische Persönlichkeiten, darunter vier Frauen, die sich für Menschenrechte und gegen Kolonialismus engagiert haben: Yaa Asantewaa, Martin Dibobe, Nzinga von Ndongo und Matamba, Manga Bell, Miriam Makeba und Wangari Maathai.

Umbenannt werden sollen den Angaben zufolge die nach den beiden Kolonialisten Adolf Lüderitz und Gustav Nachtigal benannten Straßen sowie die Petersallee. Diese wurde ursprünglich nach Carl Peters benannt, der als Mitbegründer von Deutsch-Ostafrika gilt. Wie Weißler rbb|24 am Donnerstag bestätigte, wurde die Straße 1986 nach einem Bezirksbeschluss bereits umgewidmet: Die Petersallee sollte von da an Hans Peters ehren, einen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Weißler betonte aber, eine Veränderung sei im Namen nicht erkennbar.

196 Vorschläge eingereicht

In den vergangenen Jahren hatten sich zahlreiche Berliner mit und ohne afrikanische Wurzeln für eine neue Namensgebung stark gemacht. Anfang des Jahres waren von Bürgern dazu 196 Vorschläge eingereicht worden. Daraus sei nun die Vorschlagsliste mit den sechs Namen hervorgegangen, hieß es.

Ein Termin für die Umbenennung steht noch nicht fest, betonte Weißler. Zunächst solle es einen intensiven Austausch mit den Anwohnern in Bürgerversammlungen geben. Die finale Entscheidung werde in der Bezirksverordnetenversammlung getroffen.

Insgesamt gibt es in Berlin rund ein Dutzend Straßennamen, die möglicherweise mit Kolonialismus oder Rassismus im Zusammenhang stehen. Eine davon ist die Mohrenstraße im Berliner Regierungsviertel. Eine Namensänderung ist hier bislang nicht geplant. Mehrere afrikanische Initiativen setzen sich aber seit längerem dafür ein.

Die Berliner Initiative Pro Afrikanisches Viertel (I.PAV) fordert hingegen die Namen in Wedding zu belassen, aber umzuwidmen, nach dem Modell der Petersallee. So solle die Lüderitzstraße beispielsweise die namibische Hafenstadt Lüderitz ehren, die Nachtigalstraße den Theologen Johan Karl Christoph Nachtigal.

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Die Kolonien gingen Kraft Verwaltungsakt samt Bewohner in den Eigentum der Kolonialmacht über. Die Bewohner hatten dann entpr. Zwangsarbeit zu leisten. Besonders schlimm war es in Belgisch Kongo, was Privateigentum des Königs war. Dort bestand die Anordnung, Ehefrauen als Geiseln zur Arbeitsmotiuvation zu halten - Strafe bei geringsten vergehen, wie Kautschukpalme beschigen oder zu spaet kommen: Tötung der Ehefrau. Als Nachweis für verschossene Munition hatten die königlichen Soldaten die Abgehackte Hand des beschossenen vorzulegen, in der Folge hackten die für verloreneverschossene Munition einem lebenden die Hand ab.

    Viele luxuriöse Königshäuser hier wurden so finanziert.

    Haette die europäische Industrie dort Bodenschätze klassisch im Einkauf besorgen müssen (Anfrage, Preisverhandlungen), hätte Afrika sicherlich bessere Startkonditionen zu Beginn der Undustrialisierung gehabt.

  2. 17.

    Na ja, so ganz harmlos war Dimitroff nun auch nicht. Die Frage ist aber berechtigt, warum er denn schlechter z.B. als Rommel gewesen sein soll.
    Ich halte generell nichts vom Benennen öffentlicher Plätze nach politischen Amtstrgern, was machen sie denn anders als das Erfüllen der vom Schicksal gestellten Aufgaben, wie jeder andere Arbeitnehmer auch? Alte Frauen, Omas, die ihr ganzes Leben, leise und ohne murren, nur für die Familie da waren, ohne Ruhm oder Dank, sie wären eine Option.

    Wenn ich Trump, Orban, Gabriel etc. betrachte - Ausgestattet mit einer Authorität wie Castro, Honecker oder z.B. Lenin damals: Gute Nacht Erde, Alter, letzteren ging es wenigstens noch um die Sache als Wert, ersteren nur noch tricksend und falsch um die eigene Karrierre.

    "Peter" einfach umwidmen ist respektlos zu den Betroffenen, warum dann nicht Mohrenstraße Umwidmen als Erinnerung an die ganzen Mohrgebiete hier früher.

  3. 16.

    Leider ein Versäumnis in dem Artikel nicht, zumindest in einem Nebensatz, auf die äußerst brutale Geschichte dieser drei Persönlichkeiten einzugehen und diese in den Kontext des deutschen Genozids an den Herero und Nama zu stellen.
    Vielleicht würden dann einige Kommentare anders ausfallen oder sich gar erübrigen. Der Großteil der verbleibenden Kommentare wäre dann auch sehr eindeutig einer gewissen Gesinnung zuzuordnen: Argumentieren zwecklos.

  4. 15.

    Das mit den Grenzziehungen mag vielfach stimmen, muß aber noch nicht viel sagen, denn in den USA ist es ja auch so.
    Alles in allem ist das Thema auf jeden Fall komplexer, als es durch das Diskutieren von Straßennamen erscheint.
    Dabei will ich es hier belassen.

    Ihren Bezug auf die ehemaligen DDR-Bezirke verstehe ich(bin immerhin alter Ossi) so nicht.

  5. 13.

    Das Problem liegt tiefer.
    Es ging schlicht auch darum, anderen Kulturen den bei uns gewachsenen Staat überzuhelfen, mit dem sie - vom grundsätzlichen Denken her wie auch von den Handelsbeziehungen her gesehen - zuvor überhaupt nichts zu schaffen hatten. Ein Staat mit fest markierten und bewachten Grenzen und mit Hauptstadt. Die Künstlichkeit der gezogenen Grenzen, quer zu Stammesgebieten lässt sich heute noch an jeder Landkarte ablesen.

    Das ist ein wesentlicher Quell der heutigen Stammeskonflikte.

    Ich stelle mir grad vor, eine größere Macht als wir es seinerzeit waren, hätte eine schnurgrade Linie durch hiesige Land gezogen und seitdem gehen die Auseinandersetzungen mal so herum und mal so herum. Immerhin und zum Glück: Die DDR und die Zugetanheit zu ihr war so sehr am Ende, dass die Auflösung der Bezirke und die Neugründung von Bundesländern vor Okt. 1990 ohne große Probleme abging.

  6. 12.

    Bleiben Sie bitte sachlich! Die Kolonialmächte waren auch damals schon erfolgreiche Industriestaaten, und zwar zwangsläufig, denn nur prosperierende Ländern gründen Kolonien. Das war schon im antiken Griechenland so, als „die Griechen um das Mittelmeer saßen, wie die Frösch um den Teich“. Mit den Phöniziern war es ähnlich - und und und.
    Es ging eben um Handel und der Erschließung von Ressourcen und Märkten und das ging damals nicht anders, als daß Staaten Einflußsphären versuchten zu schaffen. Heutzutage wird dies über internationale Organisationen geregelt.

  7. 11.

    Das ist ja wohl die Absolute Frechheit!

  8. 10.

    Für eine Miriam-Makeba-Straße wäre ich schon, das liest sich gut, das schreibt sich gut und bekannt ist sie auch, bei den anderen Namen würde ich das etwas tiefer hängen. In Potsdam gab es in der Innenstadt und Umgebung zudem eine Politik der Umbenennung ohne Umbenennung: Aus der Friedrich-Ebert-Straße (Sohn und Befürworter des Zusammenschlusses von SPD und KPD) wurde die Friedrich-Ebert-Straße (Vater und Reichspräsident), aus dem Platz der Einheit (von SPD und KPD) wurde der Platz der Einheit (der deutschen Einheit) und aus der Feuerbachstraße (Ludwig, der Philosoph) wurde die Feuerbachstraße (Anselm, der Maler).

    Statt einer vom Hundertprozentigen geprägten Umbenennung des Afrikanischen Viertels würde ich vorschlagen, dass Yitzak Rabin mit seinem Ansinnen, Menschen zu versöhnen, endlich eine Straße mit Adresse bekommt. Mit guter Adresse hoffentlich. Anstatt aus Kostengründen ihn im Tiergarten adressenlos zu lassen, weil die Kosten einer Umbenennung seinerzeit gescheut wurden.

  9. 9.

    "Die Aktivisten sind nicht zufällig die gleichen, die vor 25 Jahren herumjammerten, wenn Lenin, Thälmann oder Dimitroff von den Straßenschildern verschwänden, wäre das eine verwerfliche Geschichtsfälschung?"

    Das wäre dann selbstwidersprüchlich, aber die sind dazu wahrscheinlich zu jung. Dass Lenin damals wegkam war OK, aber Thälmann und Dimitroff hätten bleiben können. Damals ist manches Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden, den Fehler sollte man nicht wiederholen.

  10. 8.

    Wenn alle Straßennamen nach der jeweils aktuellen Auffassung von politischer Korrektheit benannt werden, bleiben nach ein paar Generationen nur noch Blumennamen übrig. Der Kolonialismus war Geschichte, und daran zu erinnern ist absolut in Ordnung. Man kann die Namen ja heute in anderem Licht sehen als sie damals gemeint waren, aber deswegen muss man sie nicht gleich abschaffen. Ansonsten bin ich sehr für eine Miriam-Makeba-Straße, aber vielleicht woanders? Hiyo mama ahiyo mama, nants' iPata Pata ...

  11. 7.

    Man vergreift sich immer nur am unwichtigsten und problemlosesten. Richtig wäre es, den Kolonialismus wirklich zu beenden. Ohne Begriffe aus dem Sozialismus zu verwenden, behaupte ich, das die Wirtschaft heute die Länder der sogenannten dritten Welt schlimmer schädigt als in der Kolonialzeit. Heute benutzt man dazu einheimische Regime, die das sichern. Schaffen sie es nicht, schickt man mal schnell eigene Soldaten.

  12. 6.

    Ja, ja... Autobahnen sind auch etwas tolles, nicht wahr? Dass fast alle heutzutage erfolgreichen Industrienationen auch Kolonialmächte waren, ist auch sicher nur Zufall...

  13. 5.

    Martin Dibobe geht doch wohl gar nicht. Laut Wikipedia hat er sich nach dem Ersten Weltkrieg dafür eingesetzt, dass Deutschland seine Kolonien zurückbekommt. Haben das die Gesinnungspolizisten noch nicht mitgekriegt?

    Im übrigen gilt: Seit der Silvio-Meier-Straße sollte einen in Berlin nichts mehr erschüttern.

  14. 4.

    Das Begehren, den Straßen ihre historischen Namen zu belassen, sie aber umzuwidmen, wird natürlich keinen Erfolg haben. Schließlich würden die Aktivisten, Hüter der political correctness und die "zahlreichen" Berliner (zehn? zwanzig? hundert? - wirklich clever, da schön im Ungenauen zu bleiben), die sich für eine Straßenschildsäuberung stark gemacht haben, sonst nicht Vollzug und damit Erfolg melden können und sich bestätigt fühlen in ihrem ebenso heldenhaften Kampf für eine Verbesserung der Welt. Da hat der Widerstandskämpfer Hans Peters dann eben Pech gehabt (zumal der ja noch nicht mal 'ne Frau ist).

    Aus dem gleichen Grund konnte ja auch die Einemstraße nicht Gottfried von Einem, bedeutender Komponist und nebenbei Gerechter unter den Völkern, gewidmet werden.

    P.S.: Die Aktivisten sind nicht zufällig die gleichen, die vor 25 Jahren herumjammerten, wenn Lenin, Thälmann oder Dimitroff von den Straßenschildern verschwänden, wäre das eine verwerfliche Geschichtsfälschung?

  15. 3.

    Ich bin für eine Nzinga-von-Ndongo-und-Matamba-Straße. Könnten wir so bitte auch eine U-Bahn-Station nennen?

  16. 2.

    Bin gespannt ob in Namibia demnächst die Lüderitzbucht umbenannt wird.

  17. 1.

    Der Kolonialismus hatte nicht einfach nur Schlechtes, insbesondere wenn man auf das Schulwesen schaut. Überdies war das auch eine andere Zeit. Und warum sollten Straßen nicht auch nach streitbaren historischen Personen benannt werden?
    Sie sind es im übrigen auch.
    Und schaut man sich die heutige Situation in Afrika an, so ist dafür ganz sicher nicht der Kolonialismus verantwortlich.

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