Wasserqualität am Tegeler See

Wasserqualität in Berlin und Brandenburg - Zum Baden ausgezeichnet, ökologisch verheerend

Blaualgen im Tegeler See haben dazu geführt, dass mehrere Hunde gestorben sind. Das beängstigt die Badegäste. Dennoch gilt die Badequalität meistens als ausgezeichnet. Viel schlimmer sieht es für kleine Lebewesen in den Seen aus. Von Vanessa Klüber

Durch Cyanobakterien, sogenannte Blaualgen, sind am Tegeler See in Berlin mehrere Hunde umgekommen. Das kann beängstigen und die Badequalität der Seen in der Region infrage stellen. Doch diese Qualität ist offenbar trotzdem allgemein sehr gut: Weiterhin kann in fast allen Seen in der Region gebadet werden, ohne dass für den Menschen eine Gefahr auf Durchfall, Übelkeit, Hautausschlag oder sogar Lähmungen bis hin zu Atemstillstand besteht. Das ist den Angaben der Badewässer-Profile des Landesamtes für Gesundheit und Soziales zu entnehmen.

Auch das Bundesumweltamt bestätigt: Fast alle Seen sind zum Baden geeignet für Menschen – oft ist die Badequalität ausgezeichnet.

Berlin mit schlechtester ökologische Wasserqualität

Ganz anders jedoch sieht es mit der ökologischen Qualität der Gewässer aus – also mit den Lebensbedingungen für kleine Lebewesen und die Umwelt insgesamt: "Die ökologische Qualität der Gewässer in Deutschland ist verheerend", sagt etwa Volker Mohaupt vom Umweltbundesamt.

So haben in Brandenburg 24 der 190 Seen eine sehr gute oder gute Wasserqualität, der Rest liegt im Bereich "mäßig" bis "schlecht". In Berlin ist kein einziger der zwölf bewerteten Seen ökologisch sehr gut oder gut, wie aus der Antwort einer kleinen Anfrage der Grünen an den Bundestag hervorgeht. Berlin gehört damit zusammen mit Hamburg, Bremen zu den Bundesländern mit der schlechtesten ökologischen Wasserqualität.

Wie kommt das?

"Die Badequalität hat wenig mit der ökologischen Qualität des Wassers zu tun", sagt Mohaupt.

Vor allem viel Phosphor

Wenn Wissenschaftler die Qualität der Gewässer ermitteln, vergleichen sie die im Wasser lebenden Organismen mit dem Bestand, der natürlicherweise dort vorhanden sein sollte.

Das Problem bei den Seen: Dort schwimmt vor allem viel Phosphat.

Phosphat ist wichtig für das Wachstum von Organismen. Aber in zu hoher Konzentration ist es umweltschädlich. Es beschleunigt dann das Algenwachstum zu sehr - auch wiederum das der Blaualge.

Das übermäßige Algenwachstum schadet anderen kleinen Lebewesen und verdunkelt das Wasser. "Irgendwann bekommen die Algen selbst dann nicht mehr genügend Licht, was ihr eigenes Wachstum stoppt", so Mohaupt. Aber bis dahin ist das Wasser schon ziemlich trübe, "mit Sicht bis zu nur noch 50 Zentimetern Tiefe", so Mohaupt.

Wasserqualität am Tegeler See
Warnung des Lageso vor Blaualgen

Menschen baden trotz Warnung im Tegeler See

Phosphat komme zur Hälfte durch die Düngung in der Landwirtschaft, zur anderen Hälfte durch nicht ausreichende Klärung des Abwassers in die Gewässer.

Solange das Phosphat nicht für ein übermäßiges Wachstum an Blaualgen sorgt, dürfte es die Badegäste in den Seen nicht weiter stören. So badeten am Donnerstag einige Menschen trotz Blaualgen-Warnung des Landesamts für Gesundheit und Soziales im Tegeler See. Ein Badeverbot gibt es derzeit ohnehin nicht.

Hier eine Übersicht einiger Stoffe, die in den Seen vorkommen, aber - mit Ausnahme der Blaualge - die Badequalität eher nicht beeinträchtigen:

  • Fäkalien

  • Abfälle

  • Blaualgen

  • Andere Algen

  • Phosphat

  • Eisen und Sulfat

Sendung: Inforadio|15.05.2017|13.30 Uhr

Beitrag von Vanessa Klüber

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ich bin da jetzt schon etwas verunsichert.
    Hunde können sterben, wenn sie im Tegeler See planschen, aber für Menschen ist das Schwimmen dort weiterhin unbedenklich? Oder geht man davon aus, dass die verstorbenen Hunde im See aus Durst viel von dem Wasser getrunken haben?
    Ab welchen "große Mengen" der neuen Blaualge treten voraussichtlich Krämpfe und Atemstillstand ein?
    Ohne nun gleich in Panik zu verfallen würde ich mich zur Badesaison doch über weitergehende Informationen zu diesem Thema freuen.

  2. 4.

    Ich stimme voll und ganz zu!!!
    Eines vergessen Sie aber, auch eine kranke Menscheit ist für die Wirtschaft ein tolles Geschäft. Die Pharmaidustrie freut es. Nicht ohne Grund gibt es kaum Forschung bei Erkrankungen, deren Heilung kein Profit bringt oder billige Lösungen werden nicht weiter erforscht. Interessant ist dazu das Thema Methadon in der Krebstherapie. Bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien aber wenn man sich mal ernsthaft und ehrlich zu sich selbst unsere Welt anschaut, ist das Gesamtbild ganz schön traurig.

  3. 2.

    Liebe Redaktion, wenn Sie von Phosphor als Ursache für das Gedeihen von Cyanobakterien (sog. Blaualgen)berichten, ist dies etwas irreführend, kommt dieser Stoff doch nie elementar im Wasser vor. Vielmehr handelt es sich um im Wasser gelöste Phosphat-Ionen (PO4), die in größerer Konzentration die Ausbreitung von Cyanobakterien fördern. Elementares Phosphor ist an der Luft leicht selbstentzündlich.

  4. 1.

    Na, hauptsache, der Mensch kann ins Wasser und in einer ökologisch stark dezimierten Brühe planschen. Woher dann Immunprobleme, Entzündungen, Allergien, Krebs u.s.w. entstehen, überlassen wir dann den Experten, die sich dagegen sträuben, einen direkten zusammenhang herzustellen, da ja Wirtschaft (Landwirtschaft) geschützt werden muss, egal, was es kostet. Bin mal gespannt, ob Mensch das endlich kapiert, dass der eingeschlagene Weg ein falscher ist auf Dauer. Wenn immer nur die Wirtschaft gestärkt wird, aber nicht die Natur, stirbt auch die Wirtschaft irgendwann, bzw. der Mensch wird krank, was wiederum zu ernormen Kosten in der Gesundheitsversorgung führt. Denkt doch mal langfristig und nicht immer nur kurzfristig. Dann haben wir auch endlich mal langfristig stabile Gegebenheiten, sprich Gesundheit und Vielfalt.

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