Ein Arzt zeigt einer Patientin ein Röntgenbild (Quelle: imago/Westend 61)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.06.2017

Große Unterschiede zwischen Landkreisen - Rücken-Operationen sind seltener in Berlin und Brandenburg

Berliner mit Rückenschmerzen lassen sich verglichen mit anderen Deutschen nur selten operieren. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die die Bertelsmann-Stiftung am Montag veröffentlichte. Demnach ließen sich 2015 von 100.000 Berlinern nur 144 an den Bandscheiben operieren (bundesweit: 199). 142 Eingriffe gab es in Berlin wegen der Entfernung knöcherner Anbauten am Wirbelkanal, auch hier liegt Berlin unter dem Bundesdurchschnitt (155). Wegen einer Verblockung der Wirbelsäule kamen pro 100.000 Einwohner 95 unters Messer, deutschlandweit waren es 102.

Bei den rückenbedingten Krankenhausaufenthalten liegt Berlin ebenfalls auf den hinteren Rängen: Insgesamt 472 Aufenthalte wegen der häufigsten Diagnosen pro 100.000 Berliner zählte die Stiftung für 2015. Nur in Hamburg lag dieser Wert noch niedriger (437), im Bundesschnitt waren es 701.

Trotz der niedrigen Werte stellte die Stiftung auch in Berlin einen signifikanten Anstieg der Operationen seit 2007 fest. So stieg die Zahl der Eingriffe am Wirbelkanal um 73 Prozent, die wegen einer Verblockung von Wirbeln um 26 Prozent.

Brandenburg: 85 statt 155 OPs wegen Versteifung

In Brandenburg werden ebenfalls viel weniger Menschen wegen Rückenschmerzen operiert als im Bundesdurchschnitt. Der Studie zufolge gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Landkreisen.

Wegen einer Verblockung oder Versteifung der Wirbelsäule wurden von 100.000 Brandenburgern nur 85 operiert (Bundesschnitt: 155). In Frankfurt (Oder) lag dieser Wert mit 27 niedriger als in allen anderen deutschen Landkreisen und Städten. Im Landkreis Uckermark gab es dagegen 127 derartige Eingriffe.

Auch bei der Entfernung knöcherner Anbauten am Wirbelkanal gibt es in Brandenburg mit 105 nur wenige Operationen, verglichen mit dem Bundesdurchschnitt von 155. Bei der Entfernung von Bandscheibengewebe ist Brandenburg mit 151 Eingriffen noch etwas näher am Durchschnitt aller Bundesländer (199).

Die Studienergebnisse stützen sich maßgeblich auf Sonderauswertungen von Daten des Statistischen Bundesamtes. Untersucht wurde die Häufigkeit von drei ausgewählten Rückenoperationen in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands.

"Patienten und Ärzte reagieren oft übertrieben"

Die Bertelsmann Stiftung mahnt als Konsequenz einheitliche Behandlungsrichtlinien sowie mehr Transparenz über die Therapie-Entscheidungen an. Fehlende Leitlinien führten zu
Behandlungsspielräumen, die regional unterschiedliche Versorgungsgewohnheiten entstehen lassen könnten.

Wenn der Rücken schmerzt, reagieren Patienten und Ärzte häufig übertrieben, heißt es im "Faktencheck Gesundheit" der Stiftung weiter. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass Rückenschmerzen "oft einfach kommen und wieder gehen". Wörtlich heißt es: "Die Unkenntnis und überhöhten Erwartungen der Patienten räumen Ärzte aber nicht immer aus. Dadurch kommt es neben übermäßig vielen Arztbesuchen auch zu teils unnötigen Bildaufnahmen."

In Schleswig-Holstein habe beispielsweise die flächendeckende Einrichtung von Notfallpraxen bewirkt, dass deutlich weniger Patienten wegen der Diagnose Rückenschmerzen als Notfall stationär aufgenommen würden, erklärte die Stiftung.

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