Blick über die Oder auf die polnische Grenzstadt Slubice. (Quelle: imago/Ralph Peters)
Video: Brandenburg aktuell | 16.07.2017 | Wioletta Weiss

20 Jahre nach der Oderflut - Polen baut erst jetzt den Hochwasserschutz aus

Die Oderflut von 1997 wird in Polen das "Jahrhundert-Hochwasser" genannt. Viele polnische Dörfer entlang der brandenburgischen Grenze wurden überschwemmt, mehr als 50 Menschen starben. Jetzt soll - zumindest in Slubice - der Deich-Bau vorankommen. Von Wioletta Weiss

20 Jahre nach der großen Oderflut sind die Deiche auf der polnischen Seite immer noch veraltet. Ein Hochwasser würde die Stadt Slubice heute genauso stark bedrohen wie 1997. Ab September soll aber alles anders werden. 

Slubice plant einen 14 Kilometer langen Deich, weit über die Stadtgrenzen hinaus. 30 Millionen Euro wird das Vorhaben kosten, das Geld kommt von der Weltbank. Der Bürgermeister von Slubice, Tomasz Ciszewicz, ist überzeugt, dass der Deich künftig "die Stadt zu 99 Prozent schützen wird". Eine Firma aus Stettin werde das Vorhaben umsetzen, so Ciszewicz weiter. In der Stadt soll der Deich demnach aus hohen Spundwänden bestehen, die mit Erde zugeschüttet werden. "So werden wir auf dem Deich eine Promenade bauen können", erklärt der Bürgermeister. "Wir träumen auch von einer Marina, damit wir uns an der Oder erholen können. Wir wollen der Oder wieder etwas Positives abgewinnen."

Priorität hat bislang der Ausbau der Wasserstraßen

Dass die Bauarbeiten an den Deichen in Slubice erst jetzt losgehen, ist bezeichnend. Die Oder war bisher nicht im Blickwinkel der polnischen Politiker. Hochwasserschutz ist wichtig - aber noch wichtiger ist der Ausbau der Oder zur internationalen Wasserstraße. Polen wünscht sich einen Korridor von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, mithilfe eines Kanals Richtung Donau. Polen habe die Oder lange Zeit als preiswerte Wasserstraße vernachlässigt, heißt es aus dem Binnenschifffahrtsamt in Breslau. Ihre Schiffbarkeit habe sich deutlich verschlechtert. Die westlichen Länder hingegen modernisierten ihre Flüsse. Das wolle Polen auch machen, man wolle die Oder dem Schiffstransport wiedergeben.

Umweltschützer: Ausbaupläne an der Oder gefährden Hochwasserschutz

Das heißt, dass die Oder über die gesamte Breite auf 1,80 Meter vertieft werden soll - und zwar von Buhnenkopf zu Buhnenkopf. Das sind die in den Fluss ragenden Landzungen, die der Fahrrinnenvertiefung und dem Uferschutz dienen. Deutsche Naturschützer sehen das skeptisch, die polnischen Pläne gefährden nach ihrer Ansicht den Hochwasserschutz an der Oder. "Natürlich sehen wir die Gefahr von Eis-Hochwasser, natürlich auch von Sommer-Hochwasser", sagt der Oder-Experte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Potsdam, Sascha Maier. "Wir glauben nicht, dass die Eisbrecher immer diese Situation bändigen können." Die Umweltschützer fürchten, dass die Oder weiter ausgebaut wird, "für eine Sicherungssituation, die nicht unbedingt hundertprozentig ist."

Der neue Deich in Slubice kann diese Gefahr nicht übertünchen.

Rückblick: 20 Jahre Oder-Flut

Archivbild: Eine Kuhherde ist vom Hochwasser in Brandenburg umschlossen (Quelle: rbb)

Beitrag von Wioletta Weiss

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