Grafische Darstellung einer schwarzen Mücke auf rotem Hintergrund. (Quelle: imago/Robert Hanson)
Audio: Inforadio | 21.07.2017 | Interview mit Doreen Walther

Besonders viele Mücken unterwegs - Gekommen, um zu stechen

Culicidae ist wieder unterwegs. Und diesmal scheint es, als sei sie gekommen, um uns ein für alle Mal zu vernichten. Oder zumindest mal so richtig zu piesacken. Denn gerade sind besonders viele ihrer Art in Berlin und Brandenburg unterwegs: Stechmücken. Von Mara Nolte

Schwül, heiß und viel Regen. Traumhafte Wetterbedingungen für Stechmücken. "Das Wetter ist fast schon tropisch und das finden Mücken großartig", sagt Eva Goris, Mückenexpertin bei der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Dort musste Ende Juni sogar schon die Feuerwehr wegen eines Mückenschwarms ausrücken. Ein Beobachter hatte den Notruf gewählt, weil er dachte, bei dem dichten schwarzen Mückenschwarm handele es sich um Rauchschwaden.

Bei der Berliner Feuerwehr ist in diesem Sommer zwar noch kein Mücken-Alarm eingegangen, im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren sei das Mücken-Vorkommen aber extrem, bestätigt Derk Ehlert, Wildtierexperte bei der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Allerdings seien wir in den Sommern zuvor weitestgehend verschont geblieben, weil es kühler und trockener war. Deshalb könnte es jetzt auch den Anschein haben, dass besonders viele Mücken unterwegs sind.

Stehende Gewässer meiden

Es sind auf jeden Fall genug, um einen lauschigen Abend in Gewässer-Nähe zackig zu beenden. Denn an stehenden Gewässern, Teichen, Seen, langsam fließende Kanälen, aber auch Regentonnen und vollgelaufene Blumenuntersetzern tummeln sich die weiblichen Mücken, um ihre Eier abzulegen. Man kann also davon ausgehen, dass das Risiko, dort gestochen zu werden, besonders hoch ist. Denn nur weibliche Mücken stechen auch. Sie ernähren sich zwar nicht von Blut, brauchen die darin enthaltenen Proteine aber zur Versorgung ihres Nachwuchses. 80 bis 200 Eier produziert so ein Mücken-Weibchen im Schnitt - pro Tag. Die Larven schlüpfen dann nach etwa zwei Wochen, sagt Eva Goris. 

Unterwegs auf der Duftstraße

Mücken leben laut der Expertin in einer Parallelwelt. Denn die Insekten nehmen hauptsächlich Gerüche wahr und sind somit auf einer Art Duftstraße unterwegs. Darauf können sie ihr Opfer auf bis zu 50 Meter erschnüffeln. Unschlagbar ist dabei Schweißgeruch. Der Geruch von Ammonium und Buttersäure, der beim Zerfall von Schweiß entsteht, zieht Mücken besonders an. Angelockt werden sie aber auch durch das Gas Kohlendioxid, das der Mensch ausatmet. Wer beispielsweise viel Reis isst, hat tendenziell auch höhere Kohlendioxid-Werte im Atem.    

Licht an oder aus? Egal!

Was zuhause sicher gegen Mücken schützt, sind deshalb geschlossene Fenster. Denn Mücken finden auch in der Dunkelheit ihre Opfer durch den Geruch. Ob in einem Zimmer dann Licht brennt oder nicht, sei egal, sagt Goris. Dadurch angezogen würden eher Nachtfalter. Mücken fliegen eben hauptsächlich auf Kohlendioxid und Schweißgeruch.  

Abhilfe gegen die Insekten schafft bei offenen Fenstern ein Mückennetz. Außerdem sollten Regentonnen oder Teiche abgedeckt werden. Zugluft mögen die Insekten auch nicht, ein Ventilator kann also dabei helfen die Mücken zu vertreiben. Bei Mückensprays helfen laut Stiftung Warentest vor allem Mittel mit den chemischen Wirkstoffen DEET und Icaridin. Diese können allerdings Augen und Schleimhäute reizen, außerdem sollten sie nicht für Babys und Kleinkinder verwendet werden. Mückensprays sollte man auch auf die Kleidung auftragen, empfiehlt Goris. Denn Mücken riechen mit den Füßen. Landen sie also auf Stoff und nur die Haut darunter ist mit einem Mittel geschützt, dann wird die Mücke nicht abgewehrt und kann mit ihrem Mundwerkzeug auch durch dünne Kleidungsstücke stechen.  

Ätherische Öle nutzen laut Stiftung Warentest kaum etwas gegen Mücken und können teils zu allergischen Reaktionen führen. Wirkungslos sind laut der Stiftung Apparate für Steckdosen, Gartenfackeln oder Duftkerzen.  

Spucke drauf und nicht kratzen

Hat die Mücke zugestochen, dann sondert sie durch ihr Mundwerkzeug ein Sekret ab, dass das Blut verdünnt. So fällt es dem Insekt leichter zu saugen. Menschen reagieren auf dieses Sekret allerdings allergisch, da es körperfremde Eiweiße enthält. Deshalb juckt ein Mückenstich. Gegen den Juckreiz helfen zum Beispiel Kühlpads oder Eiswürfel, aber auch Zitronen- oder Zwiebelscheiben, die für einige Minuten auf die Einstichstelle gelegt werden. Unterwegs kann auch ein bisschen Spucke Abhilfe schaffen. Bei schlimmen Reaktionen helfen Antiallergika.

Und auch wenn sich die meisten sowieso nicht daran halten werden: Besser nicht kratzen! Denn so verlängert sich der Heilungsprozess, es kann sogar zu Infektionen kommen.

Beitrag von Mara Nolte

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1 Kommentare

  1. 1.

    Ich konnte dieses Jahr auf meinem Balkon 5 verschiedene Stechmückenarten fangen (Wen es interessiert: Culiseta annulata, Aedes cataphylla, Aedes annulipes/cantans/riparius, Aedes geniculatus, Aedes punctor). Zuvor habe ich aber dutzende Zuckmücken eingeschickt, die sich dadurch kennzeichnen, dass sie nun eben keine Stechmücken sind und kein Blut saugen. Jetzt weiß ich Bescheid. Tun wir es mal als Kollateralschaden ab - für den Mückenatlas nicht zu gebrauchen. Ebensowenig wie das Bild der Wintermücke in der Rubrik "Mehr zum Thema - Mückenatlas" Der Mückenatlas kartiert nämlich Stechmücken. Die Wintermücke macht sich auf einem Eiswürfel gut, aber stechen wird sie deshalb trotzdem nicht.

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