Elch in der Schorfheide (Quelle: dpa)

Zuwandernde Großhirsche - Erst Biber, dann Wölfe: Kommen jetzt die Elche?

In den letzten Jahren scheinen verstärkt Elche aus Polen und Tschechien einzuwandern. Seitdem kommt es  – wenn auch eher selten -  zu gefürchteten Verkehrsunfällen. Nun soll ein Management-Plan Abhilfe schaffen.

Gut 800 Kilo Lebendgewicht bringt ein durchschnittlicher Elch in etwa auf die Waage. Wer mit einem der großen Hirsche im Straßenverkehr kollidiert, fährt damit praktisch in eine Wand. Und tatsächlich: Seit in den letzten Jahren verstärkt Elche aus Polen und Tschechien einwandern, kommt es immer öfter zu Elch-Begegnungen und – wenn auch eher selten - zu den gefürchteten Unfällen im Straßenverkehr. Das hat inzwischen Elchfreunde und –feinde auf den Plan gerufen.

Elche gelten nicht als Dauergäste

Lassen sich jetzt also nach Wölfen und Bibern auch Problem-Elche in der Mark nieder? Über die genaue Anzahl der in der Region lebenden Tiere gibt es bisher nur Vermutungen – doch ihre Zahl scheint zu wachsen. Um die Lage zu überblicken wird in Brandenburg schon an einem Entwurf für einen so genannten Elch-Management-Plan gearbeitet. Als zweites Bundesland nach Bayern will Brandenburg das Thema zuwandernder Elche so wissenschaftlich begleiten. Ursprünglich sollte der Bericht bis Jahresende 2012 vorliegen. Inzwischen ist klar, dass mit dem von der Forschungsstelle Wildökologie und Jagdwirtschaft beim Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde begleiteten Managementplan frühestens im April 2013 zu rechnen ist. Im Fokus stehen vor allem die von den Tieren verursachten Schäden auf Feldern und in Wäldern, und die Verkehrssicherheit. Außerdem soll geprüft werden, ob die Elche sich dauerhaft in Brandenburg ansiedeln wollen oder nur temporär durch die Lande ziehen.

Die Mark soll wegen ihrer Zersiedelung nicht als dauerhafte Heimat für Elche geeignet sein. Schon zu DDR-Zeiten wurden zugewanderte Elche erlegt. Heute gilt eine ganzjährige Schonzeit für die größten unter den Hirschen. Doch wegen der erhöhten Unfallgefahr fordert der Landesjagdverband bereits, dass Elche künftig geschossen werden dürfen.

Unfälle mit Elchen sind selten

Die letzten Begegnungen von Mensch und Tier verliefen in Brandenburg nicht glimpflich. Zuletzt starb Anfang September 2012 auf dem östlichen Berliner Ring A10 ein Elchbulle, der angefahren worden war. Ein Autofahrer wurde dabei verletzt. Im August 2000 verendete ein Elch nach einem Zusammenstoß mit einem Linienbus im Spreewald. Der Bus musste anschließend aus dem Verkehr gezogen werden.

Verglichen mit den insgesamt rund 1.200 Wildunfällen im Jahr, die Brandenburg zu verzeichnen hat, sind das zwar keine hohen Zahlen. Doch könnten sie sich mehren. Denn von 1990 bis zum Jahr 2012 sind in Brandenburg 72 Mal Elche beobachtet worden. Schwerpunkt dabei waren die ostbrandenburgischen Landkreise entlang von Oder und Neiße, insbesondere der Landkreis Oder-Spree, teilte das brandenburgische Landwirtschaftsministerium Potsdam im vergangenen Jahr mit.

Oberförster Martin Kahl aus Kolkwitz bei Cottbus beobachtet hier seit Anfang des Jahres 2013 einen Elch, den es aus Polen über die Oder nach Brandenburg verschlagen hat. Der Förster war zwar überaus überrascht, einen Elch in seinem Revier anzutreffen, filmte diesen aber geistesgegenwärtig mit seiner Handykamera. Dass sich die bis zu zwei Meter großen Pflanzenfresser hier wieder ansiedeln könnten, hält er für unwahrscheinlich, so Kahl gegenüber dem rbb.
Elch an der Autobahn (Quelle: dpa-Archivfoto)
Immer häufiger auch am Straßenrand zu sehen: Elche.

Unauffällig gefärbt und ohne Angst

Auf ihren ausgedehnten Wanderungen zur Futteraufnahme müssen Elche immer wieder Verkehrswege überqueren. Wegen ihrer unauffälligen Färbung und ihrer behäbigen Bewegungen sind sie für Autofahrer leider schwer auszumachen. Daran wird auch ein noch so guter Management-Plan nichts ändern können.

Besonders gefährlich für Autofahrer sind Elche übrigens zum einen durch ihr pures Gewicht, zum anderen aber auch durch ihr ungewöhnlich stoisches Verhalten: Anders als das heimische Rehwild laufen diese größten Hirsche nämlich nicht vor Autos davon, sondern sie bleiben stehen. Vermutlich aus Mangel an Feinden. Brandenburgs rasante Autofahrer und die heißblütigen Jäger nicht mitgerechnet.

Beitrag von Sabine Priess (mit Material von dpa/rbb)