Der Bahnhof in Wusteritz (Quelle: Auktionshaus Karhausen)

Versteigerung - Brandenburger Bahnhöfe unterm Hammer

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: 14 ehemalige Bahnhofsgebäude in Brandenburg standen Anfang Dezember 2012 zur Versteigerung. Mitbieten konnte jeder, ob privat oder geschäftlich. Und tatsächlich kamen 13 Gebäude unter den Hammer.

Der alte Bahnhof in Wusterwitz, circa eine Zugstunde von Berlin entfernt. Ein roter, denkmalgeschützter Klinkerbau, Baujahr unbekannt. An seiner Fassade Graffiti-Schmierereien. Die Feuchtigkeit hat sich in das Gemäuer gefressen. Das Gebäude ist stark sanierungsbedürftig, doch schon um die dreißig Interessenten haben das Bahnhofsgelände besichtigt. Sie haben am Freitag im Borsigturm bei einer Winterauktion des Auktionshauses Karhausen mitgesteigert. Das Berliner Auktionshaus hatte zahlreiche Objekte wie das in Wusterwitz im Angebot. Davon befinden sich 14 in Brandenburg, so zum Beispiel in Ludwigsfelde, Beelitz/Heilstätten oder Ziesar. Bis auf das stark sanierungsbedürftige Gebäude in Lauchhammer fanden sich für alle Bahnhöfe Interessenten. Am meisten wurde für das Bahnhofsgebäude in Wittstock/Dosse geboten - es kam für 38.000 Euro unter den Hammer. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Ergebnis der Auktion sehr zufrieden.

Schlechter Zustand - der Bahnhof in Lauchhammer fand keinen Käufer.

Von der Bahn zum Bieter

Die Deutsche Bahn hatte um die Jahrtausendwende begonnen in ganz Deutschland Bahnhöfe abzustoßen. Die Londoner Firma "Patron Capital Advisers" erstand als Investor viele dieser Gebäude, darunter auch die in Brandenburg. Diese möchte sie nun in einer Auktion meistbietend an den Mann bringen. In den letzten zwei Jahren wechselten so bereits um die 60 Bahnhöfe in Brandenburg den Eigentümer. Die Startpreise variieren diesmal zwischen 1.500 und 12.000 Euro, erfahrungsgemäß wird am Ende meist das Zwei- bis Dreifache bezahlt.

Für die Bahnhöfe interessierten sich ganz unterschiedliche Käufergruppen: Privatleute, Städte und Gemeinden, Künstler und Vereine. Oder Gewerbetreibende, die ganz klar vom Standort profitieren wollen. "Den Bahnhof findet schließlich jeder", so Auktionator Matthias Knake. Zum Teil kaufen das Gelände auch wieder neue Investoren, die es dann entweder weiterverkaufen oder vermieten. Im Übrigen auch an die Deutsche Bahn, die einige der Gebäude weiter als Mieter nutzt.

Kommt die Versteigerung zu spät?

Wer hofft, auf diese Weise ein Schnäppchen zu machen und schon bald einziehen zu können, der irrt: Die Bahnhöfe müssen umfassend restauriert und modernisiert werden. "Die meisten Gebäude sind inzwischen in so einem desolaten Zustand, dass eigentlich nur noch die Abrissbirne hilft", beklagt beispielsweise Frank Böhnke vom Deutschen Bahnkunden-Verband. Die Grundstücke seien völlig verwahrlost und dem Vandalismus ausgesetzt gewesen. Seiner Meinung nach habe die Deutsche Bahn zu lange an den Bahnhöfen festgehalten und horrende Summen für ihre angeblichen "Filetgrundstücke" verlangt. Deshalb wurden lange keine Käufer gefunden.

Trotz der hohen Sanierungskosten und des Lärmpegels - viele der Objekte liegen an Bahnstrecken, die noch befahren werden - finden die Bahnhöfe mittlerweile großen Zuspruch. Bei den vergangenen Auktionen fiel bei allen Objekten der Hammer. Die neuen Eigentümer entscheiden dann, ob aus der ehemaligen Bahnhofshalle ein Restaurant, ein Hotel, ein Vereinsraum, ein Fahrradverleih oder eben ein Wohnzimmer wird.

Beitrag von Anke Werner