
Obstblüte und -weine - Werder feiert - mit Baumblüten
Es war knapp, aber letztendlich geschah es doch: Pünktlich zum Baumblütenfest blühten in Werder die Obstbäume - trotz des harten Winters und des späten Frühlingsbeginns.
"Es ist schon erstaunlich, was die Natur so schafft. Vor zwei Wochen habe ich hier noch den letzten Schnee weggeschippt", sagt Walter Kassin. Er ist der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Werder - und kann erleichtert verkünden: Die Kirschbäume blühen, die Pfirsiche blühen, auch bei den Kastanien und den Fliederbäumen sind die Knospen aufgebrochen. "Das einzige, was noch nicht blüht, sind die Äpfel - aber die kommen immer etwas später. Es ist gut und richtig, wenn es nach und nach blüht, weil sonst die Bienen mit dem Bestäuben nicht hinterherkommen."
Schon zum 134. Mal wird das Baumblütenfest in diesem Jahr gefeiert. Jahr für Jahr kommen Gäste von nah und fern in die bei Potsdam gelegene Stadt, um Obstwein zu trinken und sich den idyllisch auf einer Insel in der Havel gelegenen Kern von Werder anzusehen. Doch mit der puren Idylle ist es während der neun Tage nicht weit her: Das Baumblütenfest ist eines der größten Volksfeste in Deutschland. Hunderttausende Besucher werden auch in diesem Jahr erwartet.
Werder lockt mit Baumblüten und Obstwein
Sicherheitsvorkehrungen wurden noch einmal vom TÜV geprüft
Vor zwei Jahren wurde ein Leitsystem eingerichtet, das die Besucher durch die Stadt führt und die Menschenströme entzerrt. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen laut Angaben von Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (parteilos) dem neuesten Stand. "Wir haben unser Sicherheitskonzept noch mal vom TÜV prüfen lassen. Wir sind gut aufgestellt und können unseren Gästen ein sicheres Fest bieten", sagte sie dem rbb.
"Die Betriebe sind teilweise überaltet und runtergewirtschaftet"
Der Obstanbau in Brandenburg steckt seit einiger Zeit in der Krise. In den vergangenen Jahren ist die Anbaufläche von Baumobst landesweit um etwa 30 Prozent geschrumpft. In der Hochburg Potsdam-Mittelmark, zu der auch Werder gehört, liegt der Rückgang sogar bei 45 Prozent. "Die Frosteinbrüche vor zwei Jahren haben uns sehr zu schaffen gemacht", sagt der Werderaner Obstbauer Stefan Lindicke. Doch nicht nur das: "Die Betriebe sind teilweise überaltet und runtergewirtschaftet."
"Es ist auf jeden Fall schwerer geworden. Die Unkosten werden immer höher – ob es jetzt Diesel ist oder Strom für die Kühlhäuser oder Düngemittel", sagt auch Lindickes Kollege Heiko Wels. Bürgermeisterin Saß setzt zur Unterstützung der Bauern nicht zuletzt auf den Tourismus:
"Wir versuchen auch die Touristen in die Obstplantagen zu bringen. Wir haben den Obstpanoramaweg angelegt, dass man mit dem Rad durch die Plantagen fahren kann – und dass die Obstbauern so auch die Möglichkeit haben, sich im Tourismusbereich ein Zubrot zu verdienen."
Und dann ist da natürlich noch das Baumblütenfest, das Saß einen wichtigen Faktor bei der Unterstützung der Bauern nennt. "Es ist für die Obstbauern ja die erste Möglichkeit im Jahr, Geld zu verdienen, nämlich mit ihrem flüssigen Obst."
