Gestatten, Problembiber (Quelle: dpa)
Ein Biber in Düren nahe Köln

Wasserland Brandenburg - Problembiber auf dem Vormarsch

Der Biber ist ein streng geschütztes Tier. Seine Burgen dürfen nicht beseitigt, er selbst nicht gejagt werden. Ende des 19. Jahrhunderts galten die fleißigen Nager in Deutschland als nahezu ausgerottet. Im dünn besiedelten Brandenburg mit seinen vielen Gewässern finden die scheuen Tiere heute jedoch optimale Bedingungen und vermehren sich rasant. Und das sorgt zunehmend für handfeste Probleme, weil Biber  in ihren Grabe- und Nagegewohnheiten auch nicht vor Feldern, Gärten der Anwohner oder vor Staubohlen der Schleusen halt machen.

Das Wort Problembiber macht die Runde: Denn an den Deichen im Oderbruch sorgen die Tiere regelmäßig für Böschungsabrutsche. Experten schätzen, dass dort in einer einzigen Biberburg im Deich bis zu 2500 Sandsäcke Platz finden würden. In Wittstock (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) war erst im Dezember 2012 eine Straße wochenlang nicht befahrbar, weil eine Biberfamilie ein Durchflussrohr verstopfte und die Straße damit unter Wasser setzte.

Unmut gibt es auch bei Brandenburgs Fischern. Der Biber fühlt sich in künstlich angestauten Fischzuchtseen wohl und baut seine Burgen in den Deichen. Als Folge davon brechen diese, das Wasser läuft aus und die Fische verenden. Finanziellen Ausgleich für die Teichwirte gibt es bislang nicht. Der Ruf nach Abschüssen wird laut. Längst gibt es auch in anderen Gebieten Brandenburgs Bürgerwehren gegen Biber, die in der Vergangenheit sogar mit Plakatakionen auf die "Biberinvasion" aufmerksam machten.

Der Biber – ein Nutztier

Tatsächlich, in Brandenburg leben geschätzte 2300 der in Deutschland heimischen 20.000 Biber. Auch Naturschützer sprechen von einer flächendeckenden Ausbreitung der im Familienverband lebenden Tiere, die keine natürlichen Feinde haben. Der Biber ist mit bis zu 25 Kilogramm Gewicht und einer Gesamtlänge von etwa 125 Zentimetern das größte europäische Nagetier

Die Biber sind nicht nur ein symbolisches Zeichen dafür, dass sich die Natur erholt. Sie stehen in ganz Europa unter Schutz und dürfen nicht gejagt werden. Denn das von ihnen angestaute Wasser renaturiert den Boden, dadurch werden beispielsweise Reserven für trockene Perioden geschaffen. In von Bibern bewohnten Gebieten verbessern sich zudem die Lebensbedingungen für viele andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Die Mark kann sogar eine eigene Unterart des gemeinen Bibers vorweisen: Den Elbebiber. Er überlebte auch das 19. und 20. Jahrhundert im Bereich der Elbe und der Schwarzen Elster in kleiner Anzahl und breitet sich heute wieder aus. Und das rasant.

Maßnahmen für und gegen den Biber

Gegen den Biber ist kein Kraut gewachsen. Bedingt Abhilfe schaffen nur recht aufwändige Maßnahmen wie breite Uferlandstreifen, die nicht bewirtschaftet werden, Gittermatten, Schutzzäune, die tief in den Boden eingegraben werden, Elektrolitze - und vorsätzlich in Ufernähe liegen gelassenes Schnittgut. Es gibt auch Versuche, den Wasserfluss an Biberdämmen mithilfe von Kunststoffrohren zu erhalten.

Biberdämme selbst dürfen nur mit einer Genehmigung durch die Naturschutzbehörde abgerissen oder verändert werden. Meist ist dies ohnehin nicht die beste Lösung, da die Tiere ihre Dämme binnen kürzester Zeit zu reparieren versuchen.

Fakt ist, der Biber erhitzt die Gemüter. Während Biberfreunde mit Biberführungen, Biberpositionspapieren, Bibermanagement und -monitoring und ehrenamtlichen Biberbetreuern den Erhalt der Biber in einer Natur, die dem Tier entgegenkommt, anstreben, wollen andere nur noch eins: Dem Biber ans Fell. Eine Lösung ist nicht wirklich in Sicht. Vielleicht könnte ja nach Kölner Vorbild ein Streitschlichter, ein so genannter Biberschutzbeauftragter, eine Brücke zwischen Mensch und Biber schlagen.

Beitrag von Sabine Priess

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