Berlins Zoo-Chef Blaszkiewitz vor einer Elefantenstatue. (Bild dpa)

Karriere eines Zoo-Direktors - Der Herr der Hauptstadt-Tiere

Pragmatischer Tiermanager, ruppiger Machtmensch: Seit über 20 Jahren prägt Bernhard Blaszkiewitz die Berliner Zoos. Das Berliner Urgestein ist ein Mann der klaren Worte - von denen nicht jedes gut ankommt. Nach öffentlicher Kritik hat der Aufsichtsrat der Berliner Tiergärten nun beschlossen, seinen Vertrag 2014 nicht zu verlängern.

Seit über zwei Jahrzehnten ist Bernhard Blaszkiewitz Berlins "Herr der Tiere". 1991 wurde er zunächst Chef des Tierparks in Ostberlin. 2007 übernahm der studierte Biologe zusätzlich noch die Leitung des Zoologischen Gartens im Westen der Stadt und wurde somit zu einem der mächtigsten Zoodirektoren Deutschlands. Für den Ur-Berliner aus Schöneberg war es der Höhepunkt einer bereits steilen Karriere. Doch diese Ära wird nun zu Ende gehen, denn nach öffentlicher Kritik an Blaszkiewitz' Arbeit  hat der Aufsichtsrat der Berliner Tiergärten am Mittwoch (07.08.2013) beschlossen, den Vertrag von Blaszkiewitz 2014 nicht zu verlängern.

Nach dem Abitur am katholischen Canisius-Kolleg studierte Blaszkiewitz erst an der Freien Universität Berlin. Nach Stationen in mehreren anderen Zoos kam er schließlich 1984 als Kurator zum Zoologischen Garten zurück. Von dort konnte der inzwischen promovierte Blaszkiewitz nach der Wiedervereinigung die Diskussionen über den Tierpark in Friedrichsfelde genau verfolgen. Der ehemalige DDR-Vorzeigezoo stand auf der Kippe, schließlich hatte Berlin mit dem Zoologischen Garten bereits eine gut etablierte Einrichtung. 1991 wurde schließlich der legendäre Tierpark-Direktor Heinrich Dathe in die Pensionierung gedrängt – und Blaszkiewitz übernahm.

Umstrittener Zoo-Direktor Blaszkiewitz (Bild dpa)
Für Blaszkiewitz sind viele Tierschützer naive Romantiker.
Er setzte auf Wachstum: Anlagen wurden erweitert oder neu gebaut. Im Jahr 2000 kam zum Beispiel ein neues Affenhaus hinzu. Auch bei der Zucht feierte der Tierpark große Erfolge. 1999 kamen mit Matibi und Tutume die ersten beiden in Berlin geborenen Afrikanischen Elefanten zur Welt. Außerdem ist der Tierpark nach eigenen Angaben der einzige Zoo weltweit, der Takine züchtet, eine asiatische Ziegenart. Als schließlich 2007 der Chef des Zoologischen Gartens, Jürgen Lange, in Rente ging, übernahm Blaszkiewitz auch dessen Posten.

Damit hatte Blaszkiewitz auf einen Schlag mehr Tiere unter seinem Kommando als jeder andere Zoodirektor auf der Welt. Und er fuhr die traditionelle Schiene: "Ich will keine Spaßparks", sagte er damals in einem Interview. "Die primäre Aufgabe eines Tierparks ist es, Tiere für Menschen zu zeigen." Die Eisenbahn im Tierpark empfand er schon als kleine Zumutung, auf den Event-Charakter anderer Zoos reagierte Blaszkiewitz regelrecht allergisch. Modernisierer saßen woanders: Zum Beispiel im Leipziger Zoo, wo sein Rivale Jörg Junghold die riesige Tropenhalle "Gondwanaland" aufbaute - und dafür schon mal großformatige Werbung am Bahnhof Zoo aufhängen ließ. "Ungehörig" sei das, schimpfte Blaszkiewitz danach.
Blaszkiewitz zeigt abgebissenen Finger. (Bild dpa)
2009 biss ihm Schimpanse "Pedro" einen Finger ab.
Klare Worte und direkte Ansprachen scheut der Manager selten. Am liebsten legt er sich mit Tierschützern an, denen er "viel Emotionen, wenig Wissen" bescheinigt. Besonders groß war der Aufschrei 2008. Damals wurde bekannt, dass Blaszkiewitz 1991 jungen Katzen bei einem Rundgang im Tierpark das Genick gebrochen hatte. Die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling zeigte ihn sogar bei der Polizei an, weil er angeblich vier Kragenbären und ein Zwergflusspferd dem Schlachter übergeben hatte. Später hieß es, er würde im Tierpark illegal jagen lassen. Die Tierschutzorganisation PETA zählt zu seinen heftigsten Kritikern. Sie monierte in den vergangenen Jahren immer wieder, dass die Anlagen im Tierpark zu klein seien. "Moralische Gebote", erwiderte Blaszkiewitz einmal trotzig, "sollten beim Umgang mit Tieren von biologischem und praktischem Wissen flankiert werden."

Auch mit den eigenen Mitarbeitern pflegt der doppelte Zoodirektor gelegentlich einen eher ruppigen Umgang. Nachdem 2007 eine Pflegerin von einem Moschusochsen getötet worden war, sagte Blaszkiewitz, der Paarhufer sei eben "kein Schmusetier". Bei einer Betriebsratsversammlung Anfang 2013 zitiert ihn das Protokoll mit der Erklärung, das Weihnachtsgeld stehe nur Christen zu. "Das Leitbild bin ich", fügte der gläubige Katholik demnach hinzu.
Die Glücksschweine im Berliner Tierpark (Bild: dpa)
Die offiziellen "Glücksschweine" des Tierparks 2013: Im Februar läuft Blaszkiewitz' Vertrag aus.

Ende Januar wurde schließlich bekannt, dass er in Emails gerne die Anrede "Frau" mit der wissenschaftlichen Bezeichnung "0,1" ersetzt. Nun laufen neben den Tierschützern auch die Gleichstellungsbeauftragten Sturm. Blaszkiewitz fühlt sich hingegen missverstanden.

An den Knuddelfaktor seines bisher größten Zoo-Stars, Eisbär Knut, kam Direktor Blaszkiewitz nie heran. Wollte er aber auch nicht. Den Hype um Knut empfand er als naive Verniedlichung eines gefährlichen Raubtieres. Zwischenzeitlich wollte er den Bären sogar abgeben, nachdem sein Eigentümer Forderungen gestellt hatte. 430.000 Euro ließ Blaszkiewitz springen, damit Knut in der Hauptstadt bleibt – nachdem sich sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in den Vorgang eingeschaltet hatte.

Nach Knuts Tod bilanzierte Blaszkiewitz, der Eisbär habe "an Beliebtheit sogar unser Flusspferd Knautschke übertroffen“. Wohl kein einfaches Zugeständnis für den knorrigen Zoo-Chef: Der heute als Bronzestatue verewigte Dickhäuter gehört zu seinen ersten Kindheitserinnerungen.

Beitrag von Sebastian Schöbel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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