Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hält die Neujahrsansprache zum Jahreswechsel 2015/16. (Quelle: rbb Fernsehen/Abendschau)

Neujahrsansprache | Dietmar Woidke, Brandenburger Ministerpräsident - "Auch die Leistungsfähigkeit Brandenburgs kennt Grenzen"

Wie umgehen mit den Flüchtlingen, die auch 2016 nach Brandenburg kommen werden? Das ist die zentrale Herausforderung, die Ministerpräsident Dietmar Woidke für das neue Jahr sieht. In seiner Neujahrsansprache wendet er sich stärker als im vergangenen Jahr gegen rechte Hetze. Einige große Themen bleiben aber unausgesprochen. 

Dietmar Woidkes Neujahrsansprache in der wordle-Grafik (Quelle: rbb/wordle.com)
Diese Wörter kamen am häufigsten in Woidkes Neujahrsansprache vor.

Liebe Brandenburgerinnen und Brandenburger,

Der märkische Autor Sten Nadolny schrieb einst von der Entdeckung der Langsamkeit. Zwischen den Jahren entdecken vielleicht auch Sie die Langsamkeit für sich, erst recht nach einer langen Silvesternacht.

Aber ganz im Ernst: Ein bisschen Ruhe haben wir uns alle verdient. Verdient, weil auch 2015 ein jeder seine ganz persönlichen Herausforderungen zu meistern hatte. Sei es im Beruf, sei es als Eltern oder bei der Pflege von Angehörigen. Aber auch weil 2015 ein politisch aufreibendes Jahr war: Europäische Schuldenkrise, Ukrainekonflikt und islamistischer Terror. Es sind ernsthafte Dinge, die uns in diesem Jahr bewegt haben.

Sie lösen sich leider zum Jahreswechsel nicht in Luft auf. Fakt ist, Krisen und Konflikte hat es immer schon gegeben. Und doch leben wir Brandenburger heute in einem sicheren und stabilen, in einem gerechten und wohlhabenden, und in einem wunderschönen Land.

Wir leben in einem Land, dem es so gut geht, wie nie zuvor. 2015 haben wir unser 25-jähriges Landesjubiläum gefeiert. Das Motto "Am Mute hängt der Erfolg" stammte von Theodor Fontane. Doch gemeint waren Sie, liebe Brandenburgerinnen und Brandenburger. Ihr Mut, Ihre Beharrlichkeit und Ihr Durchhaltevermögen. Wir alle haben gemeinsam den schwierigen Aufbruch unseres Landes gemeistert.

Die heutige Generation unserer Landeskinder steht vor guten Zukunftsperspektiven, nicht zuletzt dank der tollen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Aber auch sie hat ihre Herausforderungen.

Die erste lautet: Demografischer Wandel. Sprich: Wir Brandenburgerinnen und Brandenburger werden zwar immer weniger, dafür werden wir aber immer älter. Das stellt uns vor Herausforderungen, nicht nur bei der Sicherung der Sozialsysteme.

Die zweite Herausforderung lautet: Integration. Viele Flüchtlinge vor allem aus Syrien suchen dieser Tage Zuflucht und Perspektive hier bei uns in Brandenburg. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, sie mit offenen Armen aufzunehmen. Denn Vielfalt und Veränderung sind nicht Bedrohung sondern Chance. Auch hier gilt: "Am Mute hängt der Erfolg." Und doch gehört zu einem Herz immer auch Verstand. Ich sage ganz klar: Auch die Leistungsfähigkeit Deutschlands und Brandenburgs kennt Grenzen. Die Verfahren in Europa müssen geordnet werden. Wir bleiben bei unserem Bestreben nach einem europaweiten Lastenausgleich.

Ich sage aber auch, wir dürfen keine neuen Mauern errichten. Nicht an den Grenzen und nicht in den Köpfen. Denn hinter Mauern wachsen weder Wohlstand noch kulturelle Blüte, ob hier oder weltweit, das hat die Geschichte gezeigt, und das zeigt die Gegenwart. Umso schöner ist es, dass sich in Brandenburg eine breite gesellschaftliche Allianz gebildet hat. Eine Allianz, die Integration anpackt.

Das Bündnis für Brandenburg vereint Politik, Kultur, Wirtschaft, Glaubensgemeinschaften, Verbände und Vereine. Es repräsentiert die ganze Breite unserer Gesellschaft. Es steht also nicht allein für Integration im Sinne der Flüchtlinge. Es steht auch für Integration im Sinne Brandenburgs. Liebe Bürgerinnen und Bürger, es bleibt nicht aus, dass sich Brandenburg verändert. Aber Sie können mit Ihrem Optimismus und Ihrer Menschlichkeit dazu beitragen, dass es zum Besseren geschieht. Also lassen Sie sich nicht von Anlaufschwierigkeiten entmutigen. Und lassen Sie sich nicht blenden von populistischen Parolen und kurzfristigen Schlagzeilen.

Denn eines steht fest: Integration ist eine langfristige Aufgabe. Nicht Aufgeregtheit, sondern nur ein langer Atem führt am Ende zum Erfolg. Aber wer wüsste das besser, als wir Brandenburgerinnen und Brandenburger. Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten alles Gute, Gesundheit und Erfolg für das Jahr 2016.

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