Löscharbeiten der Berliner Feuerwehr bei einem Kleinbrand in der Silvesternacht in Berlin-Wedding (Quelle: imago/snapshot-photography/RussellxPrice)
Video: Abendschau | 01.01.2016 | Rainer Unruh

Polizei zieht positive Bilanz - Berliner Feuerwehr registriert mehr Brände in der Silvesternacht

Hunderttausende haben auf der Berliner Festmeile am Brandenburger Tor friedlich den Jahreswechsel gefeiert. Größere Zwischenfälle gab es nicht, aber tödliche Unglücke und viele Brände - mehr als im vergangenen Jahr. In den Morgenstunden begann das Aufräumen auf den Straßen. In Brandenburg war der Start ins neue Jahr insgesamt friedlich.

Die Berliner Feuerwehr hat in der Neujahrsnacht mehr Brände als beim letzten Jahreswechsel registriert - insgesamt 432. "Nach dem Rückgang im vergangenen Jahr waren wir dieses Mal wieder auf dem Niveau von 2013", sagte Landesbranddirektor Winfried Gräfling dem rbb. Auch das feuchte Wetter, das normalerweise dazu beiträgt, dass weniger brennt, konnte diesen Trend nicht stoppen. Gräfling begründete das mit der großen Menge von Feuerwerkskörpern, die schon vor Mitternacht und weit in die Nacht hinein gezündet worden seien.

Gräfling konstatierte zudem "eine neue Qualität" hinsichtlich Angriffen auf Feuerwehrleute. "Einsatzkräfte aus Rudow berichteten, dass sie regelrecht in einen Hinterhalt gelockt wurden und dann aus einer Gruppe von 30 Leuten mit Pyrotechnik beschossen wurden", sagte er in der "Abendschau". Angriffe auf Einsatzkräfte kämen vor allem in den bevölkerungsreichen Bezirken vor.

Die Berliner Polizei in zog am Neujahrsmorgen eine positive Bilanz gezogen. Es sei angesichts der vielen Feiernden eine "erstaunlich ruhige Nacht"  gewesen, sagte ein Sprecher rbb online am Freitagfrüh. "Die Nacht ist weitgehend friedlich geblieben", erklärte auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU). Das Sicherheitskonzept am Brandenburger Tor sei aufgegangen, so dass Hunderttausende Menschen ungetrübt feiern konnten. Die Sicherheitskräfte hätten gute Arbeit geleistet.

Zu Silvester wird ein Höhenfeuerwerk am 01.01.2016 am Brandenburger Tor in Berlin gezündet. (Quelle: dpa)
Feuerwerk am Brandenburger Tor

Etwas mehr Notrufe als in der vorigen Silvesternacht

Dennoch gab es in der Nacht einzelne Vorfälle mit Verletzten: Vor dem Hauptbahnhof stach ein Mann nach einem Streit mit einer abgebrochenen Flasche auf einen 25-Jährigen ein und und verletzte ihn schwer. In Schöneberg beschossen Passanten Polizisten mit Raketen. Eine Beamtin erlitt Verbrennungen. "Helfer sind keine Zielscheibe", kritisierte Henkel den Vorfall. "Für dieses erbärmliche und unfassbar dumme Verhalten fehlt mir jedes Verständnis."

Insgesamt registrierte die Polizei am Silvesterabend und Neujahrsmorgen fast 3.600 Notrufe (nach 3.285 im Vorjahr). Rund 1.750 Mal rückten die Beamten aus (Vorjahr rund 1.250). Meist ging es um Schlägereien, Streitigkeiten oder Sachbeschädigungen. Sanitäter mussten rund 170 Menschen auf der Festmeile helfen.

Das Unfallkrankenhaus Marzahn berichtete am Freitagmorgen, ab Mitternacht seien rund 50 Patienten behandelt worden - mehr als 20 von ihnen hätten sie sich durch Sprengkörper verletzt, im Gesicht oder an den Händen. Einem zwölfjährigen Jungen mussten mehrere Finger amputiert werden.

Zwei Menschen kamen in der Nacht in Berlin ums Leben: An den U-Bahnhöfen Kaulsdorf-Nord in Hellersdorf und Scharnweberstraße in Reinickendorf verunglückten zwei junge Männer.

Feuerwerkskörper im Keller gehortet

In einem Mietshaus in Hellersdorf beschlagnahmte die Polizei eine große Menge von Feuerwerkskörpern. Darunter sind laut Angabe der Behörde vom Freitag auch illegale Böller. Die Pyrotechnik sei in zwei Kellerräumen gelagert gewesen. Nach Recherchen der "Berliner Zeitung" soll es um eine Tonne Feuerwerk gehen. Die Polizei bestätigte die Menge zunächst nicht, sprach aber von "sehr, sehr viel" Feuerwerkskörpern, die nun von der Polizei abtransportiert worden seien und später vernichtet werden sollten. Anwohner hätten auf die Kellerräume aufmerksam gemacht und sich bei den Beamten gemeldet. Der Mann, dem die Knaller gehören sollen, sei zunächst nicht angetroffen worden.

Festmeile am Brandenburger Tor gut besucht

Zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule in Berlin hatten zuvor mehrere hunderttausend Menschen das Jahr 2016 begrüßt. Pünktlich um Mitternacht begann über Deutschlands größter Silvesterparty ein Feuerwerk mit mehreren tausend Raketen. Zuvor hatte die wiedervereinigte 1990er-Jahre-Boyband Caught in the Act den Countdown zum neuen Jahr eingeläutet.

Die Party am Brandenburger Tor war allerdings zunächst nur langsam in Fahrt gekommen, möglicherweise auch weil es zeitweise regnete. Am späten Abend waren laut Polizei "deutlich mehr als 200.000" Menschen versammelt. Wie Einsatzleiter Jörg Wuttig dem rbb sagte, wurden schließlich die Zugänge zur Fanmeile geschlossen.

2016 ist da - und Caught in the Act sind zurück

Anders als in München, wo die Polizei am Silvesterabend vor einem möglichen Terroranschlag warnte (mehr dazu auf tagesschau.de), hatten die Sicherheitsbehörden in Berlin keine Hinweise auf Anschlagspläne. "Die Sicherheitseinschätzung ist unverändert", sagte ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung am Silvesterabend. Die Terrorwarnung für München löste auf der Festmeile am Brandenburger Tor keine größere Unruhe aus.

Allerdings hatten die Behörden die der Hauptstadt auch strenge Einlass- und Sicherheitskontrollen für die Fanmeile verhängt. So durften keine Rucksäcke oder große Taschen mit auf die Festmeile gebracht werden. Rund um die Festmeile waren mehr Polizisten unterwegs: 900 statt 750 wie im vergangenen Jahr. 600 Ordner waren auf dem Gelände im Einsatz, dessen Eingänge zwei Stunden vor Mitternacht gesperrt wurden, weil es voll war.  Böllern war auf dem Gelände wie üblich verboten.

Einsatzleiter Jörg Wuttig berichtete, die Besucher der Fanmeile hätten auf die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen mit "wunderbarem Verständnis" reagiert. "Wir sind mit dem Verlauf sehr zufrieden", so Wuttig.

BSR im Großeinsatz

Am Neujahrstag hatte vor allem die Berliner Stadtreinigung (BSR) zu tun. 600 Beschäftigte sollen die Hauptstadt von den Spuren der Silvesternacht wie Raketenresten, Böllern und Müll befreien. Kurz nachdem die große Party am Brandenburger Tor gegen 2 Uhr zu Ende gegangen war, begann das große Aufräumen. Zunächst nahmen die Reinigungskräfte die vielbesuchten Plätze in Angriff. Vom 2. Januar an will die BSR im übrigen Stadtgebiet den Unrat beseitigen.

Einige Straßen in Berlin sind noch bis Freitagnacht gesperrt: Die Straße des 17. Juni ab Großer Stern bis zum Platz des 18. März, die Ebertstraße zwischen Behrenstraße und Scheidemannstraße sowie die Yitzhak-Rabin-Straße zwischen Scheidemannstraße und Straße des 17. Juni sind erst ab 0 Uhr in der Nacht zu Samstag wieder befahrbar.

Ruhiger Start ins Jahr in Brandenburg

Brandenburg startete nach Einschätzung der Polizei relativ ruhig ins neue Jahr. Die Beamten seien vor allem wegen Sachschäden und kleineren Bränden gerufen worden, aber auch zu Streitereien, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Polizeipräsidiums am Freitag. Von 18 Uhr an Silvester bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen wurden landesweit rund 700 Einsätze registriert. Schwer verletzt wurde niemand. Nähere Angaben lagen zunächst nicht vor. In Strausberg
(Märkisch-Oderland) und in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) ereigneten sich Brände in Mehrfamilienhäusern.

Feiern auch am Schloss Sanssouci

In Brandenburg begrüßten viele Menschen das neue Jahr wieder auf der Terrasse vor Schloss Sanssouci in Potsdam. In der Silvesternacht öffnete die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Mühlentor zum Park Sanssouci. Raketen und Böller durften allerdings nicht mitgebracht werden.

Abgesagt wurde das traditionelle Nachmittags-Feuerwerk auf Gut Zeisigberg bei Müllrose. Die Initiatoren beklagten ein Übermaß an Gebühren und Auflagen. Zu dem Vorsilvester-Feuerwerk waren im vergangenen Jahr etwa 5.000 Besucher gekommen.

Auch die Polizei in Potsdam meldete keine größeren Ausschreitungen. In der Silvesternacht habe es rund 80 Einsätze gegeben - ohne "Überraschungen", wie es hieß.