Christian Toll (Quelle: dpa/ Andreas Landwehr)

Interview | Panda-Kurator Christian Toll - "Wir werden versuchen, Englisch mit ihnen zu sprechen"

Pandas sind flauschig und wirken auf Menschen wie Magnete - dazu sind sie selten und nur in China zu haben. Der Berliner Zoo hat zwei Exemplare ergattert. Betreut werden sie von Christian Toll, der sein erstes Date schon hatte. Er freut sich auf die neuen Berliner Bären.

Herr Toll, Sie haben die beiden Pandas Meng Meng und Jiao Qing hier in China zum ersten Mal getroffen, wie war die erste Kontaktaufnahme?

Ich war an sich sehr zufrieden, gerade das Männchen Jiao Quing hat ruhig reagiert. Er ist liegen geblieben und hat mich gar nicht beachtet. Bei Meng Meng habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht, weil sie anfing nervös zu laufen und zu rufen. Aber später im Käfig, als wir den direkten Kontakt hatten, habe ich ihr einen Apfel zugesteckt und dann wurde sie ruhiger und ich konnte sie an ihrer Tatze anfassen. Das lief dann alles sehr entspannt ab und sie hat sich das gefallen lassen. Ich glaube, dass wir sehr gut miteinander klarkommen werden.

Sie sind hier Chengdu auf der größten Panda-Aufzucht-Station in China, mit weit über 100 Tieren. Wie ist Ihr Eindruck

Der Eindruck ist ein sehr guter. Die Kollegen sind sehr bemüht, mir alle Fragen zu beantworten. Wenn ich etwas anschauen will, brauche ich nur Bescheid zu sagen. Die Panda-Anlagen und die Panda-Käfige sind hier auf einem Standard, der sehr hoch ist. Wir brauchen uns da in Berlin sicher nicht verstecken. Aber man merkt, dass hier seit vielen Jahren Pandas gehalten werden. Alle Bedürfnisse der Pandas werden von der Anlage und den Käfigen abgedeckt- die Haltung ist hier in meinen Augen sehr gut.

Was konkret sollen Sie hier von Ihren Kollegen lernen?

Ich selber lerne hier den Umgang mit den Pandas und speziell mit diesen beiden Pandas. Ich kann mir bei den Kollegen die ersten Tipps und Tricks abholen, wie man sich Verhalten muss, wenn die beiden nicht so wollen oder einen schlechten Tag haben. Mit welchen Leckerlies man sie aufgemuntert bekommt, dass sie dann so laufen, wie man es gern hätte.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen im Umgang mit den Pandas?

Die größte Herausforderung wird sein, erstmal immer ruhig zu bleiben, weil Pandas empfindlich auf Stress und Lautstärke reagieren. Andererseits, wenn sie mal nicht wollen, muss man auch mal energischer werden. Aber  dafür gibt es zur Belohnung ein Stück Apfel oder ein Panda-Brot. Wenn sie dann ihr Leckerli bekommen und dann wissen, dass sie eine Belohnung bekommen, dann stehen sie freiwillig auf.

Panda-Brot als Belohnung - was ist das genau?

Das Panda-Brot ist eine Spezialität aus Chengdu. Es wurde für die Bedürfnisse der Pandas entwickelt. In dem Brot sind spezielle Mehlsorten enthalten: Haferflockenmehl, Weizenmehl, Erdnussöl und verschiedene andere Sachen, die dann Zusatzstoffe enthalten, die wir mit der normalen Bambusfütterung nicht zuführen können, die aber für die Verdauung wichtig sind und mehr Energie liefern als der Bambus.

Die Pandas kommen

Die Pandas werden ja bislang auf Chinesisch erzogen und betreut, wird die Umstellung auf Deutsch schwierig?

Auf Deutsch wird das weniger stattfinden, wenn dann werden wir versuchen ins Englische zu gehen, damit das international gehandhabt wird. Rufe habe ich von den chinesischen Kollegen noch nicht gelernt. Wenn man die Pandas ein- oder aussperren will,  dann werden sie beim Namen gerufen und dann reagieren sie darauf  im Normalfall auch ganz gut. Alles weitere wird sich dann in Berlin ergeben.

Warum sind die Pandas jetzt noch getrennt?

Weil Pandas generell Einzelgänger sind. Auch bei uns in Berlin ist es so, dass Weibchen und Männchen getrennte Außenanlagen haben. Sie haben getrennte Käfige vor und hinter den Kulissen. Das ist für Pandas ganz normal, als Einzelgänger zu leben, die sich dann tatsächlich nur einmal im Jahr für wenige Tage begegnen und miteinander paaren. Insofern wird das auch versucht, in unserer Haltung nachzubilden.

Nachwuchs bei Pandas ist sehr schwierig. Wie wollen Sie da nachhelfen?

Indem man die Tiere möglichst gut aneinander  gewöhnt. Wir haben nur eine sehr, sehr kurze Fruchtbarkeit des Weibchens, die circa drei bis vier Tage dauert. Umso besser wir die Tiere im Vorfeld aneinander gewöhnen können, dass sie sich lange vorher schon riechen, sehen und hören können, umso besser sind sie dann aufeinander eingespielt. Wenn es dann in die heiße Phase geht, kennen sich die Tiere dann schon gut. Dann müssen sich nicht erst miteinander auseinandersetzen, sondern können harmonisch miteinander agieren.

Was bedeuten die neuen Pandas für den Berliner Zoo?

Pandas haben auf Grund ihrer Seltenheit und auf Grund des politischen Willens, der hinter dem Umzug steht, sicherlich einen ganz anderen Wert. Wobei sie natürlich nur Tiere sind, wie viele andere Zootiere auch. Die anderen Zootiere werden nicht anders oder schlechter betreut, 'nur'  weil es Zebras oder Giraffen sind. Die werden mit der gleichen Leidenschaft von allen Kollegen betreut wie auch die Pandas. Der politische Wille, der dahintersteht und der finanzielle Aufwand - auf Grund der Futterspezialität - lassen die Pandas mehr im Fokus stehen.

Panda Mengmeng (Quelle: ARD)

Panda-Weibchen Mengmeng ("Träumchen")

Beim Eisbären Knut gab es ein riesiges öffentliches Interesse. Hofft der Berliner Zoo, daran künftig mit den Pandas Meng Meng und Jiao Qing anknüpfen zu können?

Ich glaube, die Hoffnung ist irgendwo immer da, wenn so ein Hype ausgelöst wird. Das Medieninteresse ist da und das Interesse bei der Bevölkerung ist auch groß: Das bedeutet für diese Tierarten eine Unterstützung. Insofern ist die Hoffnung da, dass das Interesse auf die Pandas gelenkt wird und man damit eine große Zielgruppe erreichen kann, die sich dann für Natur- und Tierschutz in aller Welt einsetzen.

Das Interview mit Tierpfleger Christian Toll führte Axel Dorloff, ARD-Korrespondent in Peking.

Sendung: Inforadio, 18.06.2017, 09:45 Uhr

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