Lange Schlange von Besucherinnen vor Männergefängnis Sarita Colonia in Callao, Lima, Peru (Quelle: rbb/Bettina Rehmann)

Hintergrund - Gefängnisalltag in Peru

Überbelegung, Dreck, Gewalt, Korruption: In peruanischen Gefängnissen haben die Insassen mit vielen Problemen zu kämpfen. Deutschen, wie Marcel Witte, geht es dabei noch verhältnismäßig gut. Ihnen steht Sozialhilfe zu. Viel ist es nicht, aber es hilft dabei, im harten Gefängnisalltag zu überleben.

Marcel Witte sitzt im peruanischen Männergefängnis „Sarita Colonia“  in Callao. Die Stadt gehört zur Metropolregion Lima mit knapp neun Millionen Einwohnern, hier liegt der Hafen und der internationale Flughafen Limas.

Das Gefängnis wurde ursprünglich für 572 Insassen gebaut und beherbergt mittlerweile rund 3.000 Häftlinge. In der Statistik der Gefängnisadministration INPE (Instituto Nacional Penitenciario) vom Dezember 2012 wird eine Überbelegung von 417 Prozent ausgewiesen. Es leben also mehr als vier Mal so viele Gefangene hier, als ursprünglich gedacht. Das führt zu unmenschlichen Zuständen: Zellen, die für eine Person ausgelegt sind, beherbergen sechs Häftlinge, in Schlafsälen für 80 Männer kommen mehrere hundert unter. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, es herrscht das Recht des Stärkeren, Korruption ist an der Tagesordnung. Übrigens sind etwa drei Viertel der peruanischen Gefängnisse überbelegt – 50 von insgesamt 67 Gefängnissen platzen aus den Nähten.

13 Deutsche in peruanischen Gefängnissen

In Callao sitzen noch drei weitere Deutsche ein, allesamt für Drogenvergehen. Insgesamt sind laut INPE 13 Personen aus Deutschland in peruanischen Gefängnissen inhaftiert, daneben halten sich vier Deutsche auf Bewährung im Land auf. Insgesamt sitzen mehr als 600 Europäer in peruanischen Gefängnissen, die meisten sind Spanier (17 Prozent, Stand: 2012).

Schlange von Frauen am Besuchstag vor der Strafvollzugsanstalt "Sarita Colonia" in Callao, Lima, Peru (Quelle: rbb/Bettina Rehmann)
Schlange am Frauenbesuchstag vor dem Gefängnis "Sarita Colonia" in Callao, Lima, Peru (Quelle: rbb/Bettina Rehmann)

Für die Betreuung  deutscher Gefangener im Ausland ist die jeweilige Botschaft zuständig. Mindestens einmal im Monat besuchen Botschaftsmitarbeiter aus Lima die Gefangenen, etwa um die Sozialhilfe auszuzahlen, auf die deutsche Gefangene im Ausland ein Recht haben. In Peru steht den Gefangenen monatlich ein Betrag von 400 Soles zu, das sind umgerechnet etwa 105 Euro. Das Geld benötigen die Insassen zum Leben. Zugang zu sanitären Anlagen, ein Bett oder gar eine Zelle sind längst keine Selbstverständlichkeit, weder Toilettenpapier noch Zahnbürsten werden gestellt und kosten im Gefängnis ein Vielfaches von dem, was es draußen kosten würde.

Angehöriger in Haft: Schicksalsschlag

Sitzt in Peru ein Familienmitglied in Haft, ist das ein Schicksalsschlag für die Familien und oft ein Grund für die Angehörigen, näher an das Gefängnis zu ziehen. So können sie den Häftling mit dem Nötigsten versorgen und ihm zu den Besuchstagen Lebensmittel, Seife, oder Kleidung bringen. An diesen Tagen bauen findige Verkäufer ihre Stände mit Obst, Hygieneartikeln oder Getränken direkt neben den langen Schlangen der Besucher auf.

Beitrag von Bettina Rehmann