Impressionen aus dem Plänterwald: Der Eingang zum ehemaligen Spreepark.
Verrostet und von Pflanzen überwuchert überdauern die alten Fahrgeschäfte im Wald als Zeugnisse einer anderen Zeit.
Unter einer Weide träumt das mannshohe Gesicht eines schnurrbärtiges Franzosen mit Hut von besseren Tagen: es ist ein ausrangierter Wagen der "Hutbahn".
Die Dinosaurier auf der Dino-Wiese sind längst umgekippt, manchen fehlt ein Fuß oder der Kopf.
Die wechselhafte Geschichte des Spreeparks beginnt 1969: Als "VEB Kulturpark Plänterwald" eröffnet, zieht der einzige ständige Vergnügungspark der DDR mehr als eine Million Besucher pro Jahr an.
Nach der Wende geht die Fahrt zunächst rasant weiter: Die westdeutsche Schaustellerfamilie Witte übernimmt den Park, baut Achterbahnen und Wildwasserattraktionen.
Fit für die neue Saison: Ein Spreepark-Mitarbeiter wartet 1993 eine der damals größten Loopingbahnen Europas.
Der Park wurde schrittweise zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgebaut. Doch gestiegene Eintrittspreise und fehlende Parkplätze führten Ende der 90er Jahre zu einem Einbruch der Besucherzahlen.
Auch neue Attraktionen - wie die begehbare Farbskulptur "Mirror Colourscape" - konnten den Niedergang des Vergnügungsparks nicht aufhalten.
Im Jahr 2001 musste die Spreepark Berlin GmbH Insolvenz anmelden.
Geschäftsführer Norbert Witte (Foto), seine Familie und einige seiner engsten Mitarbeiter setzten sich quasi über Nacht nach Peru ab.
Zerlegt in über 20 Schiffscontainern verschiffte Witte heimlich auch sechs seiner beliebtesten Fahrgeschäfte nach Lima, darunter die Wildwasserbahn "Wild River" (hier ein Archivfoto aus den 90er Jahren).
Seit 2002 ist der Park geschlossen. Was vom Spreepark übrig blieb, fiel in einen langen Dornröschenschlaf.
Zahlreiche Investoren wollten den Spreepark in den vergangenen zehn Jahren kaufen, aber kein Geschäft kam zustande. Auf dem Gelände lastet eine millionenschwere Schuld, die Banken beharren auf ihrem Geld.
Die vor sich hin rottende Freizeitruine mit ihren stillgelegten Fahrgeschäften ist heute ein beliebtes Fotomotiv.
Mittlerweile werden wieder regelmäßig Besuchertouren durch den Park angeboten. Die Rundfahrten erfolgen in der alten Parkeisenbahn, dem "Santa-Fe-Express".
2009 feierte die Dokumentation "Achterbahn" über die illustre Schaustellerfamilie Witte und die Geschichte des Spreeparks auf der Berlinale Premerie.
Im Mai 2011 fand das bislang größte Event seit der Schließung statt: Das Theater "Hebbel am Ufer" (HAU) bespielte mit seinem Programm "Lunapark Berlin" den Spreepark und rund 20.000 Berliner kamen.
Von 28. Juni bis 1. Juli 2012 verwandeln 25 Künstlerteams den verwahrlosten Freizeitpark im ehemaligen Ostberlin in einen bunten Spielpark. In den alten Schwanenboten werden "Schwanengesänge" erklingen, das Riesenrad soll mit alten CDs illuminiert werden. Weitere Bildergalerien
Marcel Witte sitzt im Männerknast "Sarita Colonia" in Callao, nördlich von Lima. Mittwochs und samstags ist Frauenbesuchstag. Hunderte Frauen kommen zum Gefängnis, um ihre Männer, Söhne, Freunde oder Freier zu treffen. Drinnen herrscht ein harter Überlebenskampf, wie Marcel Witte ...