Der Angeklagte Memet wird mit einer Jacke über den Kopf von einem Kameramann gefilmt (Foto: dpa)

Nach Prozess um Jonny K. - Täter geben sich mit dem Urteil nicht zufrieden

Weil sie den 20-jährigen Jonny K. im Oktober 2012 zu Tode geprügelt haben, wurden sie am 15. August 2013 zu Haftstrafen verurteilt - doch keiner der sechs Täter will das Urteil akzeptieren. Nach Onur U. haben auch die anderen fünf Verurteilten angekündigt, in Revision zu gehen. Eine Entscheidung könnte Monate dauern.

Eine Woche nach dem Urteil zum gewaltsamen Tod von Jonny K. haben alle Verurteilten Revision eingelegt, wie ein Gerichtssprecher erklärte.

Das Berliner Landgericht hatte einen 20-jährigen Ex-Boxer als Haupttäter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Fünf Mitbeschuldigte im Alter von 19 bis 25 Jahren erhielten zum Teil nach Jugendrecht bis zu zwei Jahre und acht Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Verteidiger hatten Bewährungsstrafen beantragt. Die Staatsanwaltschaft hatte sich dagegen "sehr zufrieden" mit dem Urteil gezeigt.

Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes von Unbekannten attackiert worden. Nach Zeugenaussagen schlugen und traten sie auf den 20-Jährigen ein, auch als dieser bereits am Boden lag. Jonny K. starb wenig später an Gehirnblutungen. Die tödliche Attacke hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Der Angeklagte Onur U. verdeckt sein Gesicht hinter weißem Papier (Foto: dpa)
Der Haupttäter Onur U. war als erster der sechs Verurteilten in Revision gegangen.

Verteidiger halten die verhängten Strafen für zu hoch

Als erster der insgesamt sechs verurteilten Täter hatte zunächst Onur U. Revision eingelegt. Der 20-Jährige gilt als Haupttäter. Sein Anwalt hatte am Tag nach der Urteilsverkündung gesagt, dass eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren unangemessen hoch sei. Es müsse überprüft werden, ob der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" eingehalten worden sei.

Das Berliner Landgericht hatte Onur U. in der vergangenen Woche wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Jugendstrafe verurteilt. Er habe mit einem ersten Faustschlag gegen Jonny K. das Signal zu der Attacke gegeben. Damit muss er sich laut Gericht die weiteren Misshandlungen zurechnen lassen. Das Gericht sprach von einer Tat ohne jeden Anlass.

Laut dem Urteil konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob der Tod des jungen Berliners im Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes durch den Faustschlag von Onur U., Tritte anderer oder durch den Sturz des Opfers auf das Straßenpflaster ausgelöst wurde. Der Ex-Boxer Onur U. hatte ausgesagt, er habe Jonny K. nicht angefasst, jedoch dessen Freund verprügelt.