Gedenktafel auf dem Alex soll an Jonny K. erinnern - "Jeder hätte ein Jonny sein können"
Am 14. Oktober 2012 starb Jonny K., nachdem er auf dem Berliner Alexanderplatz durch Tritte und Schläge schwer verletzt worden war. Ein Jahr später wurde zum Gedenken eine Gedenkplatte am Tatort in den Boden eingelassen. Innensenator Frank Henkel sprach von einer Tragödie, die sich an diesem Ort ereignete.
Ein Jahr nach dem Tod von Jonny K. haben am Montag rund 100 Menschen an die Tat nahe dem Alexanderplatz erinnert. Unter ihnen waren auch viele Vertreter aus der Politik.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) ließen am Tatort in der Rathausstraße eine Gedenkplatte in den Boden ein. "Er war ein ganz normaler Junge wie viele in der Stadt", sagte Henkel. "Genau das ist der Kern der Tragödie. Jeder hätte ein Jonny sein können."
Jonny K. starb am 14. Oktober 2012 nach Tritten und Schlägen an Gehirnblutungen. Seine Schwester Tina hat die Gedenkstunde organisiert. Viele der Menschen, die zu der Veranstaltung in der Rathausstraße kamen, trugen T-Shirts mit dem Gesicht von Jonny K.
In ihrer kurzen Rede forderte Tina K. ein friedliches Zusammenleben und appellierte an die Verantwortung der Gesellschaft: "Wir sind nicht nur dafür verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."
Die Prügelattacke gegen den 20-Jährigen und einen Freund hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Sechs junge Männer wurden zu Haftstrafen verurteilt, die aber noch nicht rechtskräftig sind. Alle haben laut Landgericht Revision gegen ihre Verurteilung eingelegt. Fünf von ihnen sind mit Auflagen auf freiem Fuß.

Polizei verstärkt Präsenz am Alexanderplatz
Unterdessen verstärkt die Polizei noch einmal ihre Präsenz am Alexanderplatz. Neben den normalen Streifen sollen dort wochentags von neun bis 22 Uhr künftig sechs zusätzliche Beamte im Einsatz sein. "Wir versprechen uns davon, dass wir das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Samstag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Tagespiegels". "Uns geht es darum, ansprechbar zu sein und Präsenz zu zeigen."
Das Konzept, das am 4. November in Kraft treten soll, ist nach Redlichs Worten eine Reaktion auf die positiven Erfahrungen mit dem sogenannten Kontaktmobil. Der zusätzliche Funkwagen ist seit dem Angriff auf Jonny K. regelmäßig am Alexanderplatz im Einsatz.

Zehn zusätzliche Beamte an Wochenenden
Während das neue sechsköpfige "Direktionskommando" an den Wochentagen bereits von Polizeipräsident Klaus Kandt gebilligt wurde, wird eine Verstärkung der Kräfte am Wochenende nach Redlichs Angaben noch geprüft. Der Vorschlag lautet, dass samstags und sonntags zehn Beamte zusätzlich bis fünf Uhr am Alexanderplatz Streife fahren. Weil sie dafür aus anderen Direktionen abgezogen werden müssten, gibt es laut "Tagesspiegel" aber noch Abstimmungsbedarf.
Die Zahl der Strafanzeigen am Alexanderplatz ist seit dem Tod von Jonny K. deutlich zurückgegangen. Dem Zeitungsbericht zufolge gab dort es von Januar bis September 3.941 Anzeigen - 192 weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Erneut Schlägereien am Alexanderplatz
Dennoch bleibt der Alexanderplatz weiter Schauplatz der Gewalt. In der Nacht zu Samstag geriet im U-Bahnhof Alexanderplatz ein 35-Jähriger beim Aussteigen aus einem Bahnwaggon mit einer Gruppe von Jugendlichen aneinander. Nach Polizeiangaben bedrohte der 35-Jährige die Jugendlichen mit einem Messer.
Anschließend wurde er von der Gruppe verfolgt und stürzte ins Gleisbett, von wo er die Jugendlichen mit Steinen bewarf. Dabei wurde laut Polizei auch eine unbeteiligte Passantin von einem Stein getroffen. Der Mann stieg danach wieder aus dem Gleisbett - bis die Polizisten eintrafen, verpassten er und die Jugendlichen sich gegenseitig Schläge.
In der Nacht zum Sonntag kam es vor einem Tanzclub am Alexanderplatz zu einer weiteren Auseinandersetzung. Als Türsteher einer sechsköpfigen Gruppe den Zutritt zu dem Lokal verwehrten, zog mindestens einer der Abgewiesenen ein Messer. Mehrere Personen mischten sich in den Konflikt ein, zum Teil mit Schlagstöcken bewaffnet.
Ein 28-Jähriger erlitt einen Schädelbasisbruch, zwei Männer wurden durch Messerstiche verwundet. Die Polizei ermittelt inzwischen gegen zwei junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Hintergründe und der genaue Tathergang liegen jedoch noch im Dunkeln.





