
Jugendkriminalität - Heilmann glaubt nicht an schnelle Lösungen
Die Urteile im Fall Jonny K. sind gesprochen, die Täter haben Haftstrafen bekommen. Der Opferbeauftragte des Landes Berlin nannte das Strafmaß angemessen. Das Problem der Jugendgewalt lässt sich allerdings nicht schnell lösen, sagte Berlins Justizsenator Heilmann (CDU) im rbb.
Das Problem der Jugendgewalt lässt sich nach Meinung von Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) nicht schnell lösen.
Nach den Urteilen im Jonny K.-Prozess sagte Heilmann am Freitag dem rbb, es handele sich um eine langfristige Fehlentwicklung in der Gesellschaft. Der Senat habe aber bereits Maßnahmen ergriffen.
So sei ein Opferbeauftragter eingeführt worden, außerdem kümmere man sich um eine Beschleunigung der Verfahren. Auch die Zusammenarbeit mit Familiengerichten und der Jugendgerichtshilfe wolle man verstärken und verbessern, betonte der CDU-Politiker.

Opferbeauftragter: Urteile sind angemessen
Der Opferbeauftragte des Landes Berlin, Roland Weber, äußerte sich unterdessen zum Strafmaß für die Täter. Der Fachanwalt für Strafrecht sagte im rbb, die Urteile seien ausgewogen und angemessen. Er hoffe, dass die verhängten Haftstrafen potenzielle Gewalttäter abschreckten. Weber hatte die Schwester des Opfers, Tina K., als Nebenklägerin im Prozess vertreten.
Das Berliner Landgericht hatte den 20-jährigen Haupttäter am Donnerstag zu viereinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die fünf Mitangeklagten bekamen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren und acht Monaten.
Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes angegriffen worden. Er starb wenig später an Gehirnblutungen. In dem Verfahren konnte letztlich nicht geklärt werden, ob der Tod des 20-Jährigen durch den Sturz auf das Straßenpflaster oder durch Schläge und Tritte verursacht wurde.
Tina K.: Befürchtungen nicht bewahrheitet
Tina K. brachte am Freitag noch einmal ihre Erleichterung nach dem Urteilsspruch zum Ausdruck.
Sie sagte im rbb, ihre Befürchtung, einige der Angeklagten könnten mit Bewährungsstrafen davonkommen, hätte sich nicht bewahrheitet. Die Richter hätten entschieden, dass alle Beschuldigten an der Prügelei mit tödlichem Ausgang beteiligt waren.
Zugleich berichtete sie von einem Wutausbruch des Haupttäters Onur U. nach der Urteilsverkündung. Er sei plötzlich laut und hektisch geworden, woraufhin sein Verteidiger Tina K.s Anwalt geraten habe, den Gerichtssaal zu verlassen. Sie habe sich in diesem Augenblick gedacht, "genau deswegen bist Du hier! Weil Du Dich nicht unter Kontrolle hast. Genau deswegen gehörst Du nicht in die Öffentlichkeit und auf die Straßen, weil man Dir einfach nicht trauen kann. Du bist gefährlich! ich hoffe, dass er das irgendwann versteht."

