
Verteidigung will Urteil im Fall Jonny K. nicht akzeptieren - Viereinhalb Jahre Haft - Haupttäter geht in Revision
Nach den Urteilen gegen die Schläger von Jonny K. kommt der Fall vermutlich erneut vor Gericht. Der Anwalt des Haupttäters Onur U. hat Revision eingelegt. Die Haftstrafe von viereinhalb Jahren für seinen Mandanten sei unangemessen hoch und das Urteil falsch, sagte der Anwalt am Freitag.
Der Anwalt des als Haupttäter verurteilten 20-Jährigen Onur U. hat wie angekündigt Revision eingelegt. Die Haftstrafe von viereinhalb Jahren sei unangemessen hoch, sagte er am Freitag. Es müsse überprüft werden, ob der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" eingehalten worden sei.
Das Berliner Landgericht hatte Onur U. am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu der Jugendstrafe verurteilt. Er habe mit einem ersten Faustschlag gegen Jonny K. das Signal zu der Attacke gegeben. Damit muss er sich laut Gericht die weiteren Misshandlungen zurechnen lassen. Fünf Mittäter bekamen Haftstrafen bis zu zwei Jahren und acht Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Gericht sprach von einer Tat ohne jeden Anlass.
Laut dem Urteil konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob der Tod des jungen Berliners im Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes durch den Faustschlag von Onur U., Tritte anderer oder durch den Sturz des Opfers auf das Straßenpflaster ausgelöst wurde. Der Ex-Boxer Onur U. hatte ausgesagt, er habe Jonny K. nicht angefasst, jedoch dessen Freund verprügelt.
Bis das Urteil rechtskräftig ist, bleibt von den sechs Schlägern nur Onur U. in Untersuchungshaft. Bisher waren vier der jungen Männer auf freiem Fuß, nach der Urteilsverkündung kam ein fünfter frei.
Entscheidung könne Monate dauern
Mit der Revision wird sich der Bundesgerichtshof befassen. Eine neue Beweisaufnahme gibt es dort nicht. Überprüft wird die rechtliche Bewertung des Urteils. Aus Justizkreisen hieß es, eine Entscheidung könne Monate dauern. Zunächst muss die ausführliche Urteilsbegründung des Landgerichts vorliegen.
Das Gericht folgte mit seinem Urteilspruch vom Donnerstag im Wesentlichen dem Plädoyer des Staatsanwaltes, der mit fünf Jahren Haft die höchste Strafe für Onur U. gefordert hatte. Auch die Richter sahen den 20-jährigen Ex-Boxer als den an, der die tödliche Prügelattacke ausgelöst hatte.
"Es hat sich eine Tragödie abgespielt, bei der ein hilfsbereiter junger Mann ohne Anlass sein Leben verlor", sagte der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck zur Urteilsverkündung. Im Prozess habe das Geschehen nicht lückenlos geklärt werden können. Die Angeklagten hätten nicht alles zu ihrer Tatbeteiligung gesagt.
Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes von Unbekannten attackiert worden. Nach Zeugenaussagen schlugen und traten sie auf den 20-Jährigen ein, auch als dieser bereits am Boden lag. Jonny K. starb wenig später an Gehirnblutungen.
Tat löste bundesweit Entsetzen aus
Der Tod von Jonny K. hatte bundesweit Entsetzen und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Der grundlose Angriff in der Öffentlichkeit habe die Bevölkerung verunsichert, erklärte die Staatsanwaltschaft während des Prozesses.
Bei dem Angriff wurde auch ein Freund von Jonny K. schwer verletzt. Im Prozess stützte sich die Anklagebehörde vor allem auf seine Aussagen.

