Landgericht Berlin sprach sein Urteil - Haftstrafen nach tödlicher Attacke auf Jonny K.
Für die Familie ist es sicher kein Trost. Und die Schwester von Jonny K., Tina, sagt, sie könne bei den Tätern keine Reue erkennen. Aber das Strafmaß ist deutlich: Alle sechs angeklagten jungen Männer müssen ins Gefängnis, der Hauptangeklagte Onur U. für viereinhalb Jahre. Bewährung gibt es nicht. Wie Jonny K. vor zehn Monaten nun genau getötet wurde, ist bis heute nicht geklärt. Der Richter spricht von einer Tragödie.
Nach der tödlichen Prügelattacke auf den Berliner Jonny K. müssen sechs junge Männer für mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Berlin verurteilte am Donnerstag Onur U. als Haupttäter zu viereinhalb Jahren Jugendhaft. Er sei der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, heißt es.
Die anderen Angeklagten bekamen Haftstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und acht Monaten. Die Strafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt.
Das Gericht folgte mit seinem Spruch im Wesentlichen dem Plädoyer des Staatsanwaltes, der mit fünf Jahren Haft die höchste Strafe für Onur U. gefordert hatte. Auch die Richter sahen den 20-jährigen Ex-Boxer als den an, der die tödliche Prügelattacke ausgelöst hatte.
Der Richter spricht von einer Tragödie
"Es hat sich eine Tragödie abgespielt, bei der ein hilfsbereiter junger Mann ohne Anlass sein Leben verlor", sagte der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck zur Urteilsverkündung. Im Prozess habe das Geschehen nicht lückenlos geklärt werden können. Die Angeklagten hätten nicht alles zu ihrer Tatbeteiligung gesagt.
Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 in der Nähe des Alexanderplatzes von Unbekannten attackiert worden. Nach Zeugenaussagen schlugen und traten sie auf den 20-Jährigen ein, auch als dieser bereits am Boden lag. Jonny K. starb wenig später an Gehirnblutungen.
In dem Verfahren konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob der Tod von Jonny K. durch den Sturz auf das Straßenpflaster oder durch Tritte und Schläge verursacht wurde. Die Angeklagten gestanden im Prozess zwar Schläge und Tritte gegen Jonny K. ein, wiesen die Verantwortung für seinen Tod aber von sich. Teilweise beschuldigten sie sich in dem Verfahren auch gegenseitig. Alle bestritten, auf den am Boden liegenden Jonny K. eingetreten zu haben.
Innensenator Henkel begrüßt das Urteil
Berlins Innensenator Klaus Henkel (CDU) bezeichnete das Urteil als „wichtiges Signal“. Die Schläger seien zur Verantwortung gezogen worden, sagte der CDU-Politiker dem rbb. Er hoffe, dass die Haftstrafen eine abschreckende Wirkung hätten.

Tina K.: "Es gibt keine Wahrheit."
Der Anwalt von Jonnys Schwester Tina K. sprach dagegen von einem ausgewogenen und angemessenen Urteil. Die Schwester des Opfers sagte nach der Entscheidung der Richter, sie sei froh, dass alle Angeklagten Haftstrafen bekommen hätten - trotzdem wisse sie immer noch nicht, wer ihren Bruder getötet habe: „Es gibt keine gerechte Strafe.“ Reue habe sie bei allen Männern nicht erkennen können.
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, es lasse sich schlecht sagen, ob es sich um ein angemessenes Urteil handele. „ Kein Richterspruch bringt den jungen Jonny zurück, und sein Tod lässt sich nicht in Haftjahren aufwiegen“, sagte der CDU-Politiker. Dennoch sei es ein wichtiges Zeichen, dass die Schläger, die so viel Schuld auf sich geladen hätten, nicht frei nach Hause gehen könnten.
Onur U. will Widerspruch einlegen
Der Anwalt des Hauptangeklagten kündigte Revision an: Das Urteil sei nicht richtig, erklärte er nach der Verkündung des Strafmaßes. Onur U. sei fassungslos, er habe sich nicht vorstellen können, dass er für eine Tat verurteilt werde, die er nicht begangen habe. Das Urteil entspreche nicht der Wahrheit, die Strafe sei viel zu hoch.
Bis das Urteil rechtskräftig ist, bleibt von den sechs Schlägern nur Onur U. in Untersuchungshaft. Bisher waren vier der jungen Männer auf freiem Fuß, nach der Urteilsverkündung kam ein fünfter frei.
Tat löste bundesweit Entsetzen aus
Der Tod von Jonny K. hatte bundesweit Entsetzen und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Der grundlose Angriff in der Öffentlichkeit habe die Bevölkerung verunsichert, erklärte die Staatsanwaltschaft während des Prozesses.
Bei dem Angriff wurde auch ein Freund von Jonny K. schwer verletzt. Im Prozess stützte sich die Anklagebehörde vor allem auf seine Aussagen.




