Der Angeklagte Onur U. verdeckt sein Gesicht hinter weißem Papier (Foto: dpa)

Beleidigungen gegen Schwester Tina - Täter verhöhnen Jonny K. auf Facebook

Im Internet werden schon mal die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Doch was jetzt im Fall des am Berliner Alexanderplatz zu Tode geprügelten Johnny K. zu beobachten ist, macht einen fassungslos. Zwei der sechs verurteilten Schläger nutzen Facebook, um die Angehörigen des Opfers zu provozieren. Von Oliver Soos

Es ist wohl der endgültige Beweis dafür, dass Mehmet E. und Osman A. keine Reue zeigen. Die beiden 20-Jährigen wurden im August im Fall Jonny K. zu jeweils zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Weil dieses Urteil noch nicht rechtskräftig ist, sind sie seit mittlerweile einem halben Jahr auf freiem Fuß. Nun provozieren sie auf Facebook.

Auf einem Bild sieht man die beiden Männer mit drei Freunden. Sie grinsen in die Kamera und zeigen den Mittelfinger. Laut Medienberichten soll das Foto während einer Prozesspause auf der Toilette des Landgerichts Moabit entstanden sein. Ein weiteres Bild zeigt Osman A. lächelnd vor der Jugendhaftanstalt Berlin, darunter der ironische Kommentar: "Zellenbesichtigung".

"Etwas vergleichbares habe ich bisher noch nicht erlebt"

Für den Opferbeauftragten des Berliner Senats, Roland Weber, ist das eine völlig neue Form der Dreistigkeit. "Etwas Vergleichbares habe ich bisher noch nicht erlebt. Auch im Gespräch mit anderen Anwälten, Polizisten, Staatsanwälten, Journalisten ist es ein völliges Novum."

Warum Mehmet E. und Osman A. das getan haben, kann sich Weber nur so erklären: "Das Internet bietet heute einfach andere Möglichkeiten der Darstellung und dann kommt es auch zu solchen Entgleisungen."

Durch die Medien gingen auch Provokationen auf der Facebookseite des Hauptangeklagten Onur U., der als einziger der sechs Verurteilten bereits in Haft sitzt. Unter einem Prozessbild von Tina K., der Schwester des verstorbenen Johnny K., posteten Onurs Facebookfreunde Schimpfwörter, wie "Schlampe" und "Hure".

Weber beklagt lange Wartezeit auf endgültiges Urteil

Für Weber, der seit Jahren als Strafrechtsanwalt arbeitet, sind das die Folgen eines fehlerhaften Rechtssystems. Die Verurteilten sind in Revision gegangen, das würde sich zu lange hinziehen. "Nun warten sie darauf, was der Bundesgerichtshof zu ihrem Fall sagen wird. Sie haben also gar keine richtigen Anreize, arbeiten zu gehen, eine Ausbildung zu beginnen, weil sie ja nicht wissen, ob sie irgendwann doch noch in Haft müssen."

Für alle Beteiligten sei das "eine ganz ungute Situation", meint Weber, "und das ist aus meiner Sicht der Nährboden, der dann zu solchen blödsinnigen Aktionen führt."

Tina K., die Schwester des Verstorbenen, ist in dieser Woche an die Öffentlichkeit gegangen, mit ihr zum ersten Mal auch ihr Freund Gerhard, der selbst bei der Prügelattacke dabei war und verletzt wurde. In der Fernseh-Talksendung "Stern TV" klagten sie das Verhalten der Täter und ihres Umfelds an. "Das ist so unmenschlich, im Nachhinein sich so zu benehmen und auch noch von Leuten unterstützt zu werden", sagte Tina K. 

"Ein Vater von den Tätern meinte: So viel Tralala wegen einem toten Japsen", erinnerte sich Gerhard C. "Da bleibt einem einfach die Luft weg, man kann nach so etwas einfach nicht mehr atmen."

Beitrag von Oliver Soos, Inforadio

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