
Ein Fall aus Frankfurt - Carport leer, Wagen weg – Die Geschichte eines Autodiebstahls
Für die Betroffenen ist ein Autodiebstahl mehr als nur ein Ärgernis, das sie viel Zeit und Geld kostet. Einer von ihnen ist Wolfgang Mücke aus Frankfurt (Oder), Kriminaloberkommissar a. D. und langjähriger Verbindungsoffizier in der Polizeidienststelle in Frankfurt/Swiecko. Eines Tages verschwand sein Ford Kuga - und für ihn tauchten auf einmal viele neue Probleme auf.
Das Auto steht in unserem Carport, nur 25 Meter von unserem Haus entfernt. Ringsherum Nachbarhäuser mit Fenstern, Terrassen und Balkonen – viele mögliche Augenzeugen, die einen Diebstahl hätten sehen können.
Ich fahre im März mit meinem Ford Kuga von Frankfurt nach Slubice, zu einer gemeinsamen Sitzung der Stadtverordneten beider Städte. Mit einem komischen Gefühl stelle ich den Wagen auf polnischer Seite ab. Doch er steht abends noch da. Ich fahre zurück nach Hause, parke den Wagen im Carport und sichere ihn per Knopfdruck auf der Fernbedienung.
Am nächsten Morgen gegen 10 Uhr ist der Carport leer. Zuerst denke ich, ich hätte den Kuga woanders abgestellt. Schnell kommt aber die Einsicht: Er ist gestohlen worden. Sonst liest man nur davon: In Frankfurt wurden 2012 ganze 264 Autos gestohlen, 2011 waren es ähnlich viele. Jetzt also auch mein Wagen.
Ich rufe die Polizei an, nach gut einer Stunde trifft ein Streifenwagen bei mir ein. Die Beamten sagen, mein Wagen sei einer von vier bereits als gestohlen gemeldeten an diesem Tag. Sie nehmen meine Anzeige auf.
Neuwagen frühestens in zwei Monaten lieferbar
Ich melde den Diebstahl meiner Versicherung und der Ford-Bank, über die ich das Auto noch finanziere. Ich scanne den Kaufvertrag und eine Kopie der Anzeige ein, um es der Versicherung und der Bank zu mailen. Bei der zuständigen Zulassungsstelle in Frankfurt (Oder) melde ich den Wagen ab – und zahle die Abmeldekosten von 5,60 Euro.
Die Versicherung meldet sich bei mir: Sie bräuchte die Originalpapiere der Zulassung sowie alle drei Autoschlüssel. Ich schicke alles per Post. Telefonisch frage ich nach, ob die Versicherung einen Mietwagen übernehmen würde. Übernimmt sie nicht – dafür hätte ich vorher eine Extravereinbarung abschließen müssen.
Mein Autohändler sagt mir, einen Neuwagen könnte ich frühestens in zwei Monaten bekommen, vorher wird nicht geliefert. Doch er empfiehlt mir den ADAC, Mitglieder würden nach einer Woche bereits einen Mietwagen bekommen. Ich recherchiere im Internet, wälze Prospekte. Mein Autohändler sucht unterdessen weiter und findet in Bielefeld einen Ford Kuga nach meinen Vorstellungen von Ausstattung und Farbe. Er veranlasst die Überführung nach Frankfurt (Oder). Ich warte weiter.

Die Telefonate mit Versicherung und Bank gehen weiter. Die Versicherung überweist die Restrate an die Bank - und an mich eine Entschädigung in Höhe des Wiederbeschaffungswerts. Allerdings abzüglich der Mehrwertsteuer, die ich erst bekomme, wenn ich den Kauf eines neuen Wagens nachweise. So handhaben die Versicherungen das anscheinend.
Ich kaufe ein neues Auto, scanne wieder die Dokumente ein und schicke sie der Versicherung, die nach ein paar Tagen auch die Summe der Mehrwertsteuer an mich überweist.
Immer weniger Polizisten müssen immer mehr Fälle bewältigen
Nach dem Neukauf frage ich mich, wie ich mein Auto nun besser schütze? Im Internet bestelle ich eine Radkralle für 245 Euro, in einer Werkstatt kaufe ich eine Lenkradkralle für 35 Euro. Die Radkralle erhalte ich eine Woche nach der Bestellung. Sie ist jedoch zu groß, zu schwer und zu kompliziert. Ich vereinbare telefonisch die Rücksendung, der Händler erstattet mir die bereits überwiesene Summe. Wenigstens das klappt erstaunlicherweise unkompliziert.
Mein Autohändler erzählt mir von einer neuen Alarmanlage, die auf Luftdruckveränderungen im Innenraum des Autos reagiert. Wenn der Alarm ausgelöst wird, erhält man gleichzeitig eine Benachrichtigung auf dem Handy. Ich wüsste also, dass jemand in meinem Auto ist, auch wenn ich meilenweit weg wäre. Nicht schlecht, doch leider kostet eine solche Anlage 360 Euro.
Mein Auto bleibt also erst einmal nur mit einer Kralle gesichert. Ich frage mich, wie lange das gut geht – und was die Politik macht: Nach der Polizeireform in Brandenburg wurden viele Stellen eingespart. Auf Bürgerveranstaltungen wurden Innenminister und Polizeipräsident von Opfern persönlich auf die Missstände hingewiesen. Ich bedauere meine ehemaligen Kollegen: Immer weniger Polizisten müssen immer mehr Fälle bewältigen. Ich bekomme den Eindruck, sie können die Diebstahlkriminalität gar nicht mehr bekämpfen, sondern nur noch verwalten.


